Recht + Steuern BdV: Senkung des Garantiezinses wäre Ende für Lebensversicherung

Eine Lebensversicherung ist für viele Deutsche immer noch ein wichtiger Baustein bei der Altersvorsorge.

Eine Lebensversicherung ist für viele Deutsche immer noch ein wichtiger Baustein bei der Altersvorsorge.© Doc Rabe Media - Fotolia.com

Der Garantiezins für Lebensversicherungen könnte bei Neuverträgen weiter sinken - das sorgt für Diskussionen. Der Bund der Versicherten sieht bereits das Ende des bisherigen Systems voraus.

Eine Senkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent wäre aus Sicht des Bundes der Versicherten (BdV) der Todesstoß für das deutsche System der Lebensversicherung in seiner bisherigen Form. „Wenn die Empfehlung umgesetzt wird und der Garantiezins auf 1,25 Prozent gesenkt wird, dann ist das der Abschied vom bisherigen deutschen System der Lebensversicherung, wie wir es seit 100 Jahren kennen“, sagte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein der „Berliner Zeitung“ (Donnerstag). Ein Gremium von Versicherungsmathematikern hatte am Mittwoch eine Verringerung der garantierten Rendite von derzeit 1,75 auf maximal 1,25 Prozent ab 2015 für Neuverträge vorgeschlagen.

Ein Zinssatz von 1,25 Prozent sichere den Anlegern in vielen Fällen nicht einmal den Erhalt ihres Kapitals, denn ein Teil der Ansparsumme sei ja für die Risikoabsicherung bestimmt und stehe deshalb im Alter nicht mehr zur Verfügung, sagte Kleinlein. „Real, also nach Abzug der Inflation, werden Kunden von Lebensversicherungen bei diesem Zinssatz sogar deutliche Verluste erleiden“.

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Über die Empfehlung der Versicherungsmathematiker, die nur für Neuverträge gilt, muss das Bundesfinanzministerium entscheiden. Dieses will den Vorschlag der Experten prüfen. Dies werde aber einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. „Es liegt in unserem eigenen Ermessen, ob wir diesem Vorschlag folgen.“

Niedrige Zinsen bringen Versicherer in die Bredouille

Grund für die Empfehlung der Mathematiker sind die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten. Sie machen es Versicherungsunternehmen immer schwerer, die versprochenen Renditen für ihre Kunden zu erwirtschaften. Seit dem Jahr 2000 wurde daher der Höchstrechnungszins, wie der Garantiezins offiziell heißt, von vier Prozent schrittweise gesenkt. Zuletzt hatte das Bundesregierung den Garantiezins zum 1. Januar 2012 auf Empfehlung der DAV von 2,25 auf 1,75 Prozent herabgesetzt.

Die Festsetzung des Höchstrechnungszinses durch den Staat soll sicherstellen, dass Unternehmen sich bei den Garantiezusagen nicht übernehmen und ihre Versprechen auch in ferner Zukunft erfüllen können. Versicherer dürfen ihren Kunden zwar eine geringere, aber keine höhere Verzinsung fest zusagen. Faktisch unterbietet aber kaum ein Unternehmen die staatliche Vorgabe. Alternativ gibt es Verträge ohne Garantiezusagen.

Die Verzinsung einer klassischen deutschen Lebensversicherung besteht vor allem aus dem Garantiezins und der Überschussbeteiligung, die in den vergangenen Jahren ebenfalls gesunken ist. Hinzu kommen der Schlussüberschuss und die Beteiligung an den Bewertungsreserven, die der Versicherer bei Beendigung der Verträge auszahlt. Abgezogen werden die Kosten für die Verträge.

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