Recht + Steuern Bierbrauer geraten unter Druck

Der Bier-Ausstoß von Veltins stieg 2012 auf knapp 2,8 Millionen Hektoliter.

Der Bier-Ausstoß von Veltins stieg 2012 auf knapp 2,8 Millionen Hektoliter.© Veltins

In der Braubranche geht die Angst um. Kaum eine Brauerei traut sich derzeit, wegen hoher Energiekosten die Preise anzuheben. Der Absatz könnte leiden. Auch vor dem Kartellamt ist der Respekt groß. Die Wettbewerbshüter ermitteln seit eineinhalb Jahren - Ausgang offen.

Deutschland scheint für Biertrinker ein wahres
Schnäppchenparadies zu sein. Von den großen Pils-Marken wird fast
ständig irgendwo eine zum Sonderpreis angeboten. Für den Kasten
mit 20 Halbliter-Flaschen sind beispielsweise 9,99 Euro keine
Seltenheit. Die Brauereien klagen seit Jahr und Tag über diese
„Aktionitis“ der Supermärkte, die Bier als eine Art Lockvogel für den
Kundenfang einsetzen würden. Aber wie sieht es mit dem Wettbewerb
unter den Brauereien selbst aus? Das Bundeskartellamt prüft seit
längerem, ob es möglicherweise illegale Preisabsprachen gegeben hat.

Wie entwickelt sich der deutsche Biermarkt?

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In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. Der Bierabsatz
sank 2012 um 1,8 Prozent auf 96,5 Millionen Hektoliter und damit auf
den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Bevölkerung
schrumpft und das Durchschnittsalter steigt. Außerdem liegen seit
langem alkoholfreie Getränke im Trend. Das letzte Miniplus beim
Absatz verzeichneten die Brauereien 2006. Damals verkauften sie noch
knapp 107 Millionen Hektoliter Bier, 2009 erreichten sie zum letzten
Mal die 100-Millionen-Hektoliter-Marke.

Als Gewinner im rückläufigen Biermarkt gelten Braukonzerne, die
teure Werbung, aufwendige Innovationen und kostspielige Übernahmen
stemmen können. Eine regelrechte Renaissance erleben auch ganz kleine
Brauereien mit einer treuen Stammkundschaft um ihren Braukessel
herum. Für Brauereien im Mittelfeld wird es dagegen durch steigende
Logistikkosten schwieriger. Alkoholfreies Bier und Fassbrause sind
Produkte, mit denen Brauereien gegen den negativen Markttrend wachsen
können. Andere Brauereien verdienen auch mit Limonade Geld.

Steigt wie beim Strom auch beim Bier der Preis auf breiter Front?

Viele Brauer klagen über enorme Kostensteigerungen bei Energie,
Rohstoffen und Personal. Aber Preiserhöhungen gehen nur Wenige an.
Veltins erhöhte im Januar 2013 die Abgabepreise gegenüber den
Handelspartnern. Der Braugigant Anheuser-Busch InBev hob bei Beck’s
zum 1. Februar und bei Hasseröder zum 1. März jeweils für Teile des
Sortiments die Preise in Deutschland an. Carlsberg Deutschland will
zum 1. April einen Teil der Abgabepreise erhöhen. Betroffen davon
sind Artikel der Marken Carlsberg, Astra, Lübzer und Duckstein. Ob
die Händler die Preiserhöhungen weitergeben, bleibt abzuwarten.

„Es gibt keine allgemeinen Preisrunden mehr in der Braubranche,
bei denen der Marktführer vorangeht und alle andere umgehend und im
gleichen Umfang folgen“, sagt der Chefredakteur des Branchendienstes
„Inside“, Niklas Other. Seit 20 Jahre habe sich der Bierpreis kaum
verändert. Die letzten Preisrunde bei der Sorte Pils liege bereits
etwa fünf Jahre zurück. Der Trend zu häufigeren Preiserhöhungen in
Häppchen habe mehrere Gründe. In der Branche herrsche Angst vor den
Wettbewerbshütern, dem Bundeskartellamt. Zum anderen gebe es auch
Angst vor schmerzlichen Absatz- und Umsatzverlusten infolge einer
Preiserhöhung. „Die Konsumenten sind wahnsinnig preissensibel. Der
Kastenpreis ist fest im Blick“, verdeutlicht der Branchenexperte.

Was können die Verbraucher tun?

Der Griff zu Sonderangeboten hat bereits in den vergangenen Jahren
kräftig zugenommen. Bei den bundesweit vertriebenen Pils-Marken im
Premiumbereich kaufen die Verbraucher im Schnitt zwei Drittel der
Bierkästen während einer Preisaktion, fand die GfK heraus. Nur ein
Drittel geht ohne Rabatt oder Zugabe über die Kassen. 2004 war dieses
Verhältnis noch umgekehrt. Die Preisreduzierung in den Aktionen zum
normalen Kastenpreis liegt im Schnitt bei gut zwei Euro. Geld zurück
können die Verbraucher durch die Ermittlungen des Bundeskartellamtes
aber nicht erwarten. Wenn die Wettbewerbshüter Bußgelder gegen
Unternehmen verhängen sollten, fließen die grundsätzlich in den
großen Topf Bundeshaushalt.

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