Recht + Steuern Die besten Tipps für die Steuerbilanz 2010

In Zeiten der Erholung sprudeln die Gewinne wieder. Deshalb sollten kreative Firmenchefs in einer separaten Steuerbilanz alle Möglichkeiten nutzen, um die Steuerlast zu drücken.

Für die diesjährige Bilanzsaison gelten neue Spielregeln. Für Unternehmer, die jetzt einen Jahresabschluss erstellen, tun sich dadurch neue Chancen auf. Die Vorschriften des Bilanzrechtsrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) erlauben es auf der einen Seite, in einer Handelsbilanz höhere Gewinne auszuweisen. Das ist gut für die Bonität des Unternehmens und die Kreditgespräche.

Auf der anderen Seite dürfen Firmenchefs jetzt auch noch einen zweiten Jahresabschluss nur für das Finanzamt abliefern – und dabei alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Gewinn und Steuerlast zu drücken. „Wer kräftig Steuern sparen will, kommt um zwei Bilanzen nicht umhin“, sagt Gerhard Heinz, Partner bei KPMG in Frankfurt/Main.

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Zwei Bilanzen? Dafür scheuen viele mittelständische Unternehmer jetzt noch zurück. „Sie betrachten das BilMoG als lästige Aufgabe, die so lange wie möglich herausgezögert wird“, berichtet Peter Bartels von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Die Beratungsgesellschaft hat mit einer großen Umfrage festgestellt, dass erst jedes vierte Unternehmen sein Rechnungswesen komplett auf die neuen Möglichkeiten und Spielregeln angepasst hat. Und jeder zehnte Firmenchef hat noch nicht einmal mit der Umstellung begonnen.

Doch gerade jetzt, in Zeiten der Erholung, sprudeln die Gewinne wieder. Deshalb sollten kreative Firmenchefs in einer separaten Steuerbilanz alle Möglichkeiten nutzen, um das Bilanzergebnis und damit die Steuerlast zu drücken. Impulse zeigt die wichtigsten Tipps:

1. Extra-Vorteil nutzen

Inhaber kleinerer Firmen (Eigenkapital höchstens 335000 Euro) ziehen zusätzlich zur normalen Abschreibung einmalig 20 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten für neue Investitionsgüter (ohne Grundstücke und Gebäude) vom Firmengewinn ab. Entweder sofort oder in den folgenden vier Jahren – je nach dem, wie es am besten passt.

2. Planen und sparen

Viele Unternehmer können in ihrer Bilanz zum letzten Mal von dem so genannten Investitionsabzugsbetrag profitieren. Heißt: Wenn sie für die nächsten drei Jahre den Kauf von Maschinen, Anlagen oder Fahrzeugen einplanen, können sie bis zu 40 Prozent der Kosten geltend machen, höchstens 200000 Euro. Diesen Betrag ziehen sie vom Bilanzgewinn ab, mindern somit das steuerpflichtige Einkommen. Davon profitieren 2010 Firmenchefs, wenn das Eigenkapital in der Bilanz höchstens 335000 Euro beträgt. Ab 2011 gibt es diese Sparmöglichkeit nur noch für kleinere Unternehmen (Eigenkapital höchstens 235.000 Euro).

3. Wahlrecht nutzen

Haben Firmenchefs in 2010 reichlich kleine Maschinen und Bürogeräte mit Anschaffungskosten von bis zu 410 Euro (netto) angeschafft, setzen sie die Gesamtkosten am besten auf einen Schlag ab. Bürokratischer Haken dabei: Höherwertige Teile (bis 1000 Euro) sind dann über die jeweilige Nutzungsdauer abzuschreiben. Wer hingegen überwiegend Geräte und Maschinen von 410,01 bis 1000 Euro eingekauft hat, schreibt die Gesamtkosten einheitlich über fünf Jahre. Kleiner Nachteil dabei: Kleingeräte bis 410 Euro können nicht auf einen Schlag abgesetzt werden. Sondern ebenfalls nur über fünf Jahre verteilt.

4. Vorräte abspecken

Bei manchen Einzelhandels- oder Handwerksbetrieben ist das Jahresendgeschäft schlechter gelaufen als geplant. Firmenchefs, die deshalb auf höheren Lagerbeständen sitzen geblieben sind, rechnen die Vorräte jetzt radikal runter. Abschläge von fünf bis 15 Prozent sind meist angemessen, manchmal auch mehr. Dazu Nachweise sichern, etwa Preisänderungslisten oder die Etiketten von Rotstift-Preisen.

5. Außenstände checken

Steuerorientierte Unternehmer ziehen von Forderungen grundsätzlich drei Prozent ab. Bei faulen Kunden auch mehr. Zahlen die selbst nach zweimaliger Mahnung noch nicht, wird die Rechnung um mindestens die Hälfte abgewertet.

6. Kosten vorziehen

Für anfallende Garantieleistungen bilden Unternehmer eine Rückstellung. Entweder pauschal 0,5 Prozent vom Umsatz oder in Höhe der zu erwartenden Kosten. Was Firmenchefs für Inventur, Bilanz, Erfolgsrechnungen und Steuererklärung aufwenden müssen, kalkulieren sie großzügig und stellen die Summe als Rückstellung in die Bilanz. Ebenso die Kosten für unterlassene Reparaturen im Maschinenpark oder an Firmengebäuden.

7. Stille Reserven parken

Unternehmer, die in 2010 Firmenimmobilien verkauft haben, stecken den dabei erzielten Gewinn in eine spezielle Bilanzrücklage. Und zwar steuerfrei. Damit das so bleibt, müssen Firmenchefs das Geld binnen vier Jahren in Gebäude reinvestieren.

Weitere Tipps für die Handelsbilanz, Neuigkeiten zur E-Bilanz und Hintergrundinfos zur Reform finden Sie in der aktuellen März-Ausgabe vonimpulse-Ausgabe 03/2011.

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