GmbH & Co. KG Die passende Rechtsform für gewerbliche Mittelständler

GmbH, Kommanditgesellschaft - oder die Kombination aus beiden: eine GmbH & Co. KG? Die Vor- und Nachteile der Rechtsformen im Überblick.

Peter und Isolde Maier kommen von der Beerdigung eines engen Freundes, der plötzlich am Herzinfarkt gestorben ist. Auf der Fahrt nach Hause kommen sie ins Reden darüber, welche Folgen solch ein Schicksalsschlag bei ihnen hätte. Sie ziehen eine Zwischenbilanz ihres Lebens: Sie sind glücklich verheiratet. Isolde ist Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Die gemeinsame Tochter Petra macht gerade Abitur und will Bauingenieurin werden. Sohn Michael studiert im 4. Semester Betriebswirtschaft. Peter betreibt als Einzelunternehmer eine Baufirma. Seinem seit langen dort angestellte Bauleiter Franz Gruber hat er unlängst Prokura erteilt. Was aber wäre, wenn Peter ebenfalls plötzlich etwas zustoßen sollte. Der Firmenkundenbetreuer bei der Hausbank hat das Thema auch schon ein paar Mal angesprochen. Der Steuerberater hat zudem auf Nachteile der bisherigen Struktur bei der Altersversorgung hingewiesen.

Zu Hause angekommen, ruft Peter seinen Steuerberater an. Dieser vereinbart gleich einen Termin mit dem Notar der Maiers. Schnell ist man sich einig. Die bisherige Struktur hat sicher ihre Vorteile: Hat die Firma Geld, kann Peter das einfach an sich überweisen. Der bürokratische Aufwand einer Einzelfirma hält sich in Grenzen. Aber wenn Peter stirbt, dann sind seine Erben plötzlich für die persönliche Haftung verantwortlich. Noch schlimmer ist es, wenn Peter ins Koma fällt. Ohne (möglichst notarielle) Vorsorgevollmacht kann seine Frau dann zum Betreuungsgericht laufen. Immerhin kann Herr Gruber dann die Gehälter an die Mitarbeiter zahlen.

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Bei der Entscheidung an die Familie denken

Mit dem Notar sprechen die Beteiligten Alternativen durch. Als erstes wird die Gründung einer GmbH diskutiert. Die Idee der Haftungsbeschränkung auf das Stammkapital (mindestens 25.000 Euro) gefällt Peter sehr gut, schon angesichts der Risiken der Baubranche. Als Geschäftsführer arbeitet Peter dann als Angestellter auf Steuerkarte. Jedenfalls solange er die Mehrheit der Anteile hat, bleibt Peter sozialversicherungsfrei. Die GmbH kann für Peter eine steuerlich günstige Rentenzusage machen. Peter könnte seine Familie als Gesellschafter aufnehmen. Damit kann er seine Kinder Schritt für Schritt an die Unternehmensnachfolge heranführen. Beim Tod des Vaters könnten die Hinterbliebenen Herrn Gruber zum Geschäftsführer machen.

Die GmbH hat aber auch Nachteile. In schlechten Jahren hatte Peter einfach weniger Geld aus der Einzelfirma entnommen. Jetzt läuft sein Gehalt zwar weiter, er muss es aber versteuern und kann Verluste der GmbH nicht steuerlich von seinen anderen Einnahmen abziehen. Zudem muss Peter neben seiner Einkommensteuererklärung auch noch eine Körperschaftsteuererklärung der GmbH machen. Er zahlt also mehr für den Steuerberater.

Auch mit einer Kommanditgesellschaft könnte Peter seine Frau und seine Kinder in die Firma aufnehmen. Es wäre keine Körperschaftsteuererklärung notwendig, Verluste der KG können mit anderen unternehmerischen Einkünften verrechnet werden. Aber: eine Kommanditgesellschaft braucht mindestens einen Gesellschafter, der bis zum letzten Hosenknopf für die Schulden haftet, und das wäre Peter. Die anderen, die Kommanditisten, haften nur bis zur Höhe der im Handelsregister eingetragenen Einlage und sind damit fein heraus. Was die Haftungsrisiken betrifft, wäre für Peter also nichts gewonnen. Zudem könnte Peter sich von der KG keine steuergünstige Versorgungszusage machen lassen.

Seit den 1920er Jahren eine nützliche Kombination

Schon vor fast 100 Jahren sind findige Juristen darauf gekommen, beide Gesellschaftsformen zu kombinieren. Was wäre mit einer Kommanditgesellschaft, bestehend aus Familie Maier als Kommanditisten und einer Maier GmbH, die bis zum letzten Hemd haftet? Zunächst hielten die Gerichte das für unsittlich, doch schon in den 20er Jahren schwenkte das Reichsgericht um. Seitdem gibt es die GmbH & Co. KG. In der Baugeschäft Maier GmbH & Co. KG wäre Peter Maier Geschäftsführer der Maier GmbH. Er und seine Familie wären zudem Kommanditisten. Sein Geschäftsführergehalt bezieht Peter als Angestellter und hat zudem eine Rentenzusage in der GmbH. Was als Gewinn übrig bleibt, bekommen er und seine Familie. In schlechten Jahren geht der Gewinn dann eben nach unten.

Ist die GmbH & Co. KG damit der Stein der Weisen? Nein: Sie hat auch Nachteile. Zum einen müssen sowohl die GmbH als auch die KG je einen Jahresabschluss aufstellen. Das kostet Zeit, Mühe und Geld. Die GmbH, die KG und deren Gesellschafter müssen jeweils Steuererklärungen machen. Auch das erhöht die laufenden Kosten. Zudem muss man aufpassen, dass die GmbH immer denselben Personen gehört wie die KG. Gerade hier sind die Vertragsjuristen gefordert.

Das heißt: Ist die Firma groß genug, so dass laufende Beratungskosten nicht so sehr ins Gewicht fallen, lohnt sich die GmbH & Co. KG. Andernfalls reicht eine GmbH oder eine KG.

Fazit

Ähnlich wie ein hochgezüchteter Sportwagen ist die GmbH & Co. KG wartungsintensiv. Ohne gute rechtliche und steuerliche Berater geht nichts.

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