Recht + Steuern Dreieinhalb Jahre Haft für Uli Hoeneß

Im Prozess gegen Uli Hoeneß ist das Urteil gesprochen: Das Landgericht München hat den Präsidenten des FC-Bayern zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Seine Selbstanzeige stuften die Richter als unwirksam ein.

Als Richter Rupert Heindl das Urteil verkündet, beißt sich Uli Hoeneß auf die Lippen. Seine Hände liegen flach auf dem Tisch, die Finger trommeln leise. Einmal wischt er sich mit der Hand über die Wange. Seine Frau Susi sitzt in der ersten Reihe – wie versteinert. Keine Regung ist ihr anzumerken. Drei Jahre und sechs Monate Haft verhängt das Landgericht München II am Donnerstag für den Präsidenten des FC Bayern. Zur Bewährung kann das nicht mehr ausgesetzt werden. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, muss der wohl streitbarste Fußball-Funktionär Deutschlands ins Gefängnis.

Ruhig und sachlich erklärt Richter Heindl, warum es keine Bewährungsstrafe gibt – und warum er das Verfahren auch nicht einstellte. „Es wird manchmal vergessen, dass Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt ist“, sagt er. „Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir Ihnen nicht ab.“

Anzeige

Die Selbstanzeige sei nicht aus freien Stücken erfolgt, hält er dem Verurteilten vor. „Sie waren getrieben von der Angst vor Entdeckung.“ Zu Hoeneß‘ Gunsten wertete das Gericht seinen bislang unbescholtenen Lebenswandel und vor allem sein Geständnis.

Gericht geht sogar von 28,5 Millionen aus, die Hoeneß nachzahlen muss

Dass es das geheime Schweizer Millionenkonto überhaupt gibt, hatte er nur zwei Tage vor seiner Selbstanzeige am 17. Januar 2013 seinem Steuerberater offenbart. Auf der Fahrt vom Flughafen zum Anwesen von Hoeneß in Bad Wiessee. Hoeneß kam gerade aus Berlin – von einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Bis zu seinem öffentlichen Absturz wurde der Präsident des derzeit erfolgreichsten Fußball-Clubs der Welt von den Reichen und Mächtigen in diesem Land geradezu hofiert. Auch wenn er selbst Millionen verdiente, galt er als ehrliche Stimme des Volkes, als Vertreter des kleinen Mannes sogar. Er inszenierte sich – durchaus mit Erfolg – als großes moralisches Vorbild.

Das ist nun vorbei. Er ist ein – wenn auch noch nicht rechtskräftig –  verurteilter Steuersünder, der selbst eingeräumt hat, mehr als 27 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Das Gericht geht zum Schluss sogar von 28,5 Millionen aus, die Hoeneß nachzahlen muss. Der Solidaritätszuschlag fehlte noch.

Verteidigung will Urteil anfechten

„Das war die Rückkehr des Herrn Hoeneß zur Steuerehrlichkeit“, sagt zwar sein Verteidiger Feigen über den Tag der Selbstanzeige. Allerdings räumte er in seinem Plädoyer „formale“ Fehler ein. Nach der Entscheidung kündigte er an, das Urteil anzufechten. Die Anwälte wollen, dass der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in der Causa Hoeneß entscheidet. Und sie hoffen dann auf eine Bewährungsstrafe.

Feigen stellte in seinem Plädoyer die besonderen menschlichen Verdienste von Hoeneß heraus: „Er hat sich mustergültig in seinem Leben verhalten – privat und beruflich.“ Und er habe „stets ein Herz für andere gezeigt, stets dort geholfen, wo Not am Mann war“.

Nach dem Urteil aber kann Hoeneß den Saal 134 im Münchner Justizpalast gar nicht schnell genug verlassen. Er wartet nicht einmal wie sonst auf seine Frau. Er bleibt erst einmal auf freiem Fuß, wenngleich auf Pump – der Haftbefehl bleibt gegen eine Millionenkaution ausgesetzt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...