Recht + Steuern Erbschaftsteuer

Egal ob Sparbuch, Haus oder ganze Firma: Im Erbfall schlägt der Fiskus zu. Ein Überblick, wie sich die Erbschaftsteuer zusammensetzt und was Begünstigte im Fall des Falles beachten müssen.

Erben kann teuer werden. Denn jeder, der von Vater, Mutter, Onkel oder anderen Anverwandten etwas als Erbe, Vermächtnisnehmer, Pflichtteilsberechtigter oder Begünstigter einer Auflage bekommt, muss das nach den Bestimmungen des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes versteuern.

Die Steuerschuld entsteht für den Erben mit dem Todesfall. Und Mogeln gilt nicht: Das Finanzamt erfährt in aller Regel von einem Sterbefall. Denn Nachlassgerichte und sonstigen Behörden, aber auch Banken und Sparkassen müssen es dem Fiskus melden, sobald ihnen ein Sterbefall bekannt wird.

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Beispielrechnungen: Was muss wie versteurt werden?

Die Höhe der zu entrichtenden Steuer bemisst sich grundsätzlich nach dem Wert der Erbschaft und der Zugehörigkeit des Bedachten zu einer von drei gesetzlich vorgesehenen Steuerklassen. Weiter sind in jedem Fall gesetzlich festgelegte Steuerfreibeträge mindernd zu berücksichtigen. Die gleichen Steuerregeln wie bei einer Erbschaft gelten auch bei einer Schenkung unter Lebenden.

Je nach Verwandtschaftsgrad gehen bei Schenkungen und Erbschaften hohe Beträge steuerfrei an den Begünstigten über.

Das bleibt steuerfrei
Schenkung/Erbschaft an Steuerklasse Freibetrag
Ehepartner I 500.000
Kinder I 400.000
Enkel I 200.000
Eltern im Falle einer Erbschaft I 100.000
Eltern im Falle einer Schenkung, Geschwister, Neffen, Nichten, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Stiefeltern II 20.000
Eingetragene Lebenspartner III 500.000
Nicht-Verwandte III 20.000

Erbschaften, die über den genannten Freibeträgen liegen, müssen versteuert werden. Und zwar nach den folgenden Steuersätzen:

Wert des steuerpflichtigen Vermögens bis Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
75.000 € 7% 15% 30%
300.000 € 11% 20% 30%
600.000 € 15% 25% 30%
6.000.000 € 19% 30% 30%
13.000.000 € 23% 35% 50%
26.000.000 € 27% 40% 50%
über 26.000.000 € 30% 43% 50%

Beispiel: Der Sohn erbt von seiner Mutter ein Aktienpaket im Wert von 1 Mio. Euro. 400.000 Euro bleiben steuerfrei. Die restlichen 600.000 Euro kosten 15 Prozent Steuern. Das Finanzamt kassiert also 90.000 Euro

Verschonungsregel bei Betriebsvermögen

Geht es bei einer Erbschaft oder Schenkung um Betriebsvermögen, gibt es Verschonungsregeln. Zwar wird das Finanzamt grundsätzlich das Betriebsvermögen wie bei einem Verkauf an Fremde (gemeiner Wert) bewerten. Und erst in einem zweiten Schritt gibt es Steuervergünstigungen. Die gibt es freilich nicht automatisch. Sie sind gebunden an das Wohlverhalten des Nachfolgers.

Für die Verschonungsregeln gibt es zwei Alternativen: Bei der ersten wird die Erbschaftsteuer um 85 Prozent reduziert, wenn der Erbe die Firma mit praktisch unverändertem Personalbestand fünf Jahre fortführt (genauer: 400 Prozent der durchschnittlichen Lohnsumme der letzten fünf Jahre in den nächsten fünf Jahren).

Außerdem darf das so genannte Verwaltungsvermögen (etwa vermietete Immobilien, Aktien, Wertpapiere) höchstens 50 Prozent des Unternehmenswertes ausmachen. Die strengen Voraussetzungen entfallen jedoch für Firmenchefs, die nicht mehr als 20 Beschäftigte haben.

Bei der zweiten Alternative gibt es die volle Steuerfreiheit (100 Prozent). Aber nur dann, wenn der Nachfolger die Firma mit mindestens dem gleichen Personalbestand sieben Jahre lang fortführt. und das Verwaltungsvermögen in der Bilanz des Unternehmens nur zehn Prozent des Firmenvermögens ausmacht
Der Erbe muss sich im Nachfolgefall verbindlich zwischen dem Fünf-Jahres-Modell und dem Sieben-Jahres-Modell entscheiden. Ein späterer Wechsel zwischen diesen Optionen ist nicht mehr möglich.

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