Recht + Steuern Experten sehen schwarz für Hoeneß

Am zweiten Prozesstag bringt eine leitende Steuerfahnderin Hoeneß weiter in Bedrängnis. Es wird eng für den Präsidenten des FC Bayern München. Nach dem Millionen-Geständnis vom Vortag erwarten Steuer-Experten inzwischen eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Nach dem spektakulären Millionen-Geständnis von Uli Hoeneß hat der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen den Präsidenten des FC Bayern begonnen. Das Landgericht München II beschäftigt sich mit den umfangreichen neuen Unterlagen, die Hoeneß‘ Anwälte erst kurz vor dem Steuerstrafverfahren eingereicht hatten.

Nach Angaben einer am Dienstagmorgen befragten Steuerfahnderin aus Rosenheim hat der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Uli Hoeneß eine vor über einem Jahr erstellte Datei zu seinem Konto erst jetzt vorgelegt. Vor rund einer Woche habe Hoeneß‘ Verteidigung den Behörden einen USB-Stick mit Informationen über sein Schweizer Konto zukommen lassen. Die „Grunddateien“ der pdf-Dokumente seien aber schon am 18. Januar 2013, einen Tag nach der Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten, erstellt worden, wie die Steuerfahnderin am Dienstag vor dem Landgericht München sagte. Das habe die EDV-Abteilung der Finanzbehörde festgestellt.

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Die Verteidigung betonte, die Datei sei nach und nach vervollständigt und erst kurz vor Prozessbeginn fertiggestellt worden. Nach Angaben der Steuerfahnderin gaben die Behörden Hoeneß und seinen Beratern die Gelegenheit, die Selbstanzeige nachzubessern. Erst danach leiteten sie ein Ermittlungsverfahren ein und durchsuchten das Anwesen von Hoeneß am Tegernsee.

Hoeneß ließ mehrere Fristen verstreichen

Bei der Einreichung von Unterlagen ließ Hoeneß zudem mehrmals Fristen verstreichen. Über einen sehr langen Zeitraum seien gar keine Unterlagen nach Erstattung der Selbstanzeige eingereicht worden, berichtete Gerichtssprecherin Andrea Titz. Immer wieder seien neue Fristen gesetzt worden und jeweils wieder verstrichen, ohne dass Unterlagen eingereicht wurden, erklärte Titz.

Die ersten neuen Dokumente nach Hoeneß‘ Selbstanzeige am 17. Januar 2013 seien am 27. Februar 2014 eingereicht worden. Diese Unterlagen seien „entgegen den ursprünglichen Bekundungen dann doch nicht vollständig“ gewesen, berichtete Titz. Am 5. März, also fünf Tage vor Verhandlungsbeginn, seien dann „nochmals neue weitere Unterlagen nachgereicht“ worden, erklärte die Gerichtssprecherin.

Weiterer Zeuge geladen

Für den Mittwoch ist noch ein zusätzlicher Zeuge geladen. Es handelt sich um einen Betriebsprüfer, der Hoeneß, weil dieser Einkommensmillionär ist, regelmäßig überprüft. Die entscheidenden Fragen des Tages werden sein, ob die Sichtung dieses Aktenberges mehr Zeit benötigt. Darüber hinaus muss sich zeigen, was das Eingeständnis von Hoeneß zum Auftakt des Prozesses, insgesamt 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben, für den Bayern-Boss bedeutet.

Hoeneß und seine Anwälte hatten mit den neuen Zahlen auch die Staatsanwaltschaft überrascht. Diese hatte dem 62-Jährigen in ihrer Anklage noch vorgeworfen, 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Die Finanzbeamtin ist bereits die letzte von vier geladenen Zeugen. Ursprünglich hatte der Vorsitzende Richter Rupert Heindl geplant, schon am Donnerstag das Urteil zu verkünden. Dieser Zeitplan steht nach der überraschenden Entwicklung in Frage.

Experte: „Freiheitsstrafe ist für mich absolut zwingend“

An einer Freiheitsstrafe für Hoeneß geht nach Ansicht von Steuergewerkschafts-Chef Thomas Eigenthaler kein Weg mehr vorbei. „Eine Freiheitsstrafe ist für mich absolut zwingend“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. „Ob sie jetzt noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, daran habe ich ganz, ganz starke Zweifel.“ Jetzt werde man „erst mal aufdröseln müssen, wie die 18,5 Millionen überhaupt zustande gekommen sind“, sagte Eigenthaler. „Ich bezweifle, ob man das in diesen Tagen bis Donnerstag überhaupt hinkriegt.“

Der Jurist und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki glaubt ebenfalls nicht an eine Bewährungsstrafe. „Die Zahl alleine, 18 Millionen Euro, ist so schwerwiegend, das mir der Glaube momentan fehlt, dass er eine Bewährungsstrafe erhalten kann“, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende der FDP am Montag im Deutschlandfunk.

 Staatsanwaltschaft „an der Nase herumgeführt“

„Ich war erschüttert, als ich dieses hohe Ausmaß an Steuerhinterziehung vernahm“, sagte Eigenthaler. „Was mich ebenso entsetzt, ist, dass Hoeneß offenbar Steuerfahndung und die Staatsanwaltschaft ein Jahr im Unklaren gelassen hat, ja geradezu an der Nase herumgeführt hat.“

Am zweiten Verhandlungstag blieb vor dem Münchner Justizpalast der große Andrang vom Prozessauftakt zunächst aus. Es versammelten sich deutlich weniger Zuschauer vor dem Gerichtsgebäude. Hoeneß erschien wieder in einem schwarzen Anzug, dieses Mal mit grau-blauer Krawatte. Er lächelte kurz in die Kameras, wirkte aber insgesamt ernster als am Vortag. Seine Frau Susi war auch wieder ins Gericht gekommen.

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