Recht + Steuern Fehler auf Überweisung übersehen – Kündigung nicht rechtens

Weil sie einen Fehler auf einer Überweisung übersehen hatte, wurde eine Sachbearbeiterin gefeuert. Das hessische Landgericht hat nun entschieden, dass die von der Bank ausgesprochene Kündigung nicht rechtskräftig ist, denn der Frau könne kein Vorsatz unterstellt werden.

Der Sekundenschlaf eines Bankmitarbeiters hat zu einem verhängnisvollen Fehler geführt: Weil der Mann dabei auf die Taste „2“ seiner Computertastatur kam, wurde der Zahlungsbeleg eines Rentners in Höhe von 62,40 Euro in 222 222 222,22 Euro geändert.

Eine Kollegin übersah den Fehler bei der Überprüfung von Belegen. Später fiel der Zahlensalat bei einer systeminternen Überprüfung doch noch auf und wurde korrigiert – die Bank kündigte dennoch der Sachbearbeiterin. Zu Unrecht urteilte das Hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt laut Mitteilung vom Montag (Az. 9 Sa 1315/12).

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Die Frau hatte seit 1986 bei der Bank gearbeitet. Am 2. April überprüfte sie nach Angaben des Gerichts 603 Belege innerhalb von weniger als 1,4 Sekunden, 105 Belege innerhalb von 1,5 bis 3 Sekunden und nur 104 Belege in mehr als drei Sekunden. Dabei übersah sie den fehlerhaften Beleg, den ihr nicht für die Prüfung des Betragsfeldes zuständiger Kollege verursacht hatte. Der Arbeitgeber warf ihr daraufhin vorsätzliche Täuschung vor – sie habe die Belege ohne Prüfung freigegeben.

Doch die Richter sahen keine vorsätzliche Schädigung der Bank, auch sei der Arbeitsablauf nicht vorsätzlich manipuliert worden. Der schwere Fehler reiche für eine Kündigung nicht aus. Auch eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses wurde zurückgewiesen.

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