Recht + Steuern Gewerbesteuer

Bei der Gewerbesteuer (oder Gewerbeertragssteuer) handelt es sich um eine Steuer, die auf die Ertragskraft eines gewerblichen Betriebes erhoben wird. Sehen Sie anhand von Beispielrechnungen, wie sich die Steuer zusammensetzt.

Da die Gewerbesteuer von den Kommunen erhoben wird, handelt es sich um eine der wichtigsten Einnahmequellen der Städte und Gemeinden.

Wer muss Gewerbesteuer zahlen?

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Gewerbesteuer muss ein Unternehmer zahlen, wenn er ein Gewerbe betreibt, also in Handel, Handwerk, Dienstleistungen und Industrie tätig ist. Freie Berufe und Landwirte gelten in der Regel nicht als Gewerbetreibende.

Wie berechnet sich Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer wird von den Kommunen auf den Gewerbeertrag eines Unternehmens erhoben. Der ist nur in Grenzen mit dem bei der Einkommensteuer maßgeblichen Gewinn eines Unternehmens vergleichbar, denn es gibt neben einem Freibetrag von 24.500 Euro (nicht für Kapitalgesellschaften) bei der Gewerbesteuer so genannte Hinzurechnungen. Die zählen zum steuerpflichtigen Gewerbeertrag, soweit sie in der Summe den Betrag von 100.000 Euro übersteigen.

Das Finanzamt schlägt dann ein Viertel der gesamten Zinskosten dem Gewinn zu. Hinzu kommen fünf Prozent der Mieten, Pachten und Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter („Finanzierungsanteil“) – also für Fahrzeuge, Maschinen oder die Ladeneinrichtung. Die gezahlten Mieten, Pachten und Leasingraten für unbewegliche Wirtschaftsgüter – in der Regel also Grundstücke und Gebäude – zählen ab 2010 zu 12,5 Prozent (bislang: 18,75 Prozent) zum Gewerbeertrag. Der größte Brocken: Die gerade im Einzelhandel wichtigen Mieten für Ladenlokale.

Beispielrechnung Gewerbeertrag

Beispiel: Ein Unternehmer erzielt einen Gewinn von 100.000 Euro. Er zahlt für sein Fabrikgebäude eine Leasingrate von 1.000.000 Euro im Jahr. Für diverse betriebliche Kredite zahlt er 100.000 Euro Zinsen im Jahr.

Gewerbeertrag
Gewinn 100.000
Hinzurechnungen:
Leasingrate 1.000.000
Davon 12,5% + 125.000
Zinsen 100.000
Davon 25% + 25.000
Hinzurechnungen insgesamt 150.000
Abzüglich Freibetrag 100.000
Steuerpflichtig bleiben 50.000
Gewerbeertrag insgesamt 150.000
Persönlicher Freibetrag 24.500
Zu versteuern 125.500

Was versteht man unter „Hebesatz“?

Der so ermittelte Gewerbeertrag ist Grundlage für die Steuererhebung der jeweiligen Sitzgemeinde des Unternehmens. Die Steuer ergibt sich aus einer so genannten Gewerbesteuermesszahl von 3,5 Prozent. Das ist der Multiplikator, mit dem der Gewerbeertrag multipliziert wird, um den Gewerbesteuermessbetrag zu ermitteln. Dieser Messbetrag ist die Basis, die mit dem Hebesatz der Gemeinde zu vervielfältigen ist, um die Gewerbesteuer zu ermitteln. Diese Hebesätze sind je nach Gemeinde völlig unterschiedlich. Es gibt Städte, die den Gewerbesteuerhebesatz mit 200 Prozent multiplizieren, wie etwa Norderfriederichskoog in Nordfriesland. Andere fordern von ihren Firmen bis zu 490 Prozent (München).

Besonderheiten für Einzelunternehmer und Personengesellschaften

Für Einzelunternehmer und Personengesellschafter ist der Gewerbesteuermessbetrag in zweifacher Hinsicht bedeutsam, denn sie können künftig das 3,8-fache des Messbetrages auf ihre persönliche Einkommensteuer anrechnen. Berechnet ist der Satz so, dass Unternehmer in Gemeinden mit einem Hebesatz von bis zu 400 Prozent komplett von der Gewerbesteuer entlastet werden. Zahlt der Firmenchef indes wegen einer Flaute nur wenig Einkommensteuer, klappt die Anrechnung nicht vollständig.

So berechnen Sie Ihr Gewerbesteuer

Berechnung der Gewerbesteuer
Position Eigene Werte
Bilanzgewinn
+ 25% der Zinsen
+ 5% der Mieten, Pachten, Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter
+ 12,5% der Mieten für Immobilien
+ 25% der Gewinnanteile von Stillen Gesellschaftern
+ 6,25 % der Lizenz- und Konzessionsgebühren
(Hinzurechnungen nur, soweit sie über 100.000 Euro liegen)
= Gewerbeertrag
x Gewerbesteuermesszahl (3,5%)
= Gewerbesteuermessbetrag
x Gewerbesteuerhebesatz (setzt die Gemeinde fest)
= Gewerbesteuer

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