Recht + Steuern „Ich hatte kein schlechtes Gewissen, nicht die Bohne“

Über Tricksereien reden Unternehmer ungern öffentlich. Deshalb rückten wir für die grafische Gestaltung Original-Zitate aus den Geständnissen in den Vordergrund.

Über Tricksereien reden Unternehmer ungern öffentlich. Deshalb rückten wir für die grafische Gestaltung Original-Zitate aus den Geständnissen in den Vordergrund.© Olaf Ballnus

Was treibt Unternehmer in Deutschland dazu, Geld am Fiskus vorbeizuschleusen? Jetzt packen Firmenchefs aus und erzählen, wie und warum sie Steuern hinterzogen haben. Ein kleiner Auszug aus der aktuellen impulse-Titelgeschichte.

 

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296 Milliarden Euro direkte Steuern hat der Staat nach Schätzungen des Finanzministeriums letztes Jahr eingenommen. Rund ein Drittel davon leisteten laut Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln Unternehmen. Selbstständige sind allerdings auch ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, Steuern zu hinterziehen. Denn laut zahlreichen Untersuchungen scheinen Menschen am anfälligsten für Steuerhinterziehung, die männlich, gut ausgebildet – und selbständig sind.

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Was aber macht Unternehmer zu den eifrigsten Steuersündern der Nation? Und wie rechtfertigen sie ihr Tun? „Ich habe zwei Risiken gegeneinander abgewogen“, sagt ein Selbstständiger, der jahrelang Kapital in der Schweiz gehortet hat. „Die permanente Kaufkraftentwertung in Deutschland und das Risiko, belangt zu werden. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, nicht die Bohne. Das Kapital, das ich rübergebracht habe, war komplett versteuert. Ich wollte nicht noch einmal Steuern zahlen, sondern Geld für meine persönliche Sicherheit ansparen.“

In der aktuellen Ausgabe von impulse (Ausgabe 6/2013) erzählen er und andere Steuersünder anonym, wie und warum sie den Staat systematisch prellen. „Das Problem ist, dass es so einfach ist“, sagt einer. „Ein paar Belege sammeln und schon ist der nächste Familienurlaub finanziert. Ich würde gerne vor meiner eigenen Gier geschützt.“

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5 Kommentare
  • Nicole Basel 3. Juni 2013 10:20

    Sehr geehrter Herr Joens,

    natürlich haben wir bei unserer Angabe, dass 35 Prozent der direkten Steuern von Unternehmen gezahlt werden, NICHT die Lohnsteuer einbezogen und somit keinesfalls Lohnsteuer als Unternehmenssteuer deklariert!

    In die Berechnung wurden nur Steuern einbezogen, die direkt von Unternehmen an den Staat gezahlt wurden:
    die Körperschaftssteuer,
    die Gewerbesteuer,
    die veranlagte Einkommensteuer (die von Einzelunternehmern und Gesellschaftern von Personengesellschaften gezahlt wird) und
    der Anteil der Gewerbebetriebe an der Einkommensteuer in Höhe von 17,4 Prozent.

    Daraus ergibt sich, dass die Gewerbebetriebe an den DIREKTEN Steuern einen Anteil von rund 35 Prozent und an den GESAMTEN Steuereinnahmen des Staates einen Anteil von rund 17 Prozent tragen.

    Zum Vergleich: Die gesamte Lohnsteuer macht in Deutschland etwa die Hälfte der DIREKTEN Steuern und 25 Prozent der GESAMTEN Steuereinnahmen aus. Die von Ihnen genannte Umsatzsteuer ist eine indirekte Steuer und trägt ebenfalls etwa zu 25 Prozent zum Staatshaushalt bei.

    Ich hoffe, ich konnte etwas Licht in Dunkel bringen.

    Mit freundlichen Grüßen, Nicole Basel

  • Sandig 31. Mai 2013 20:32

    Guten Tag,

    Ich habe einmal eine Statistik gelesen, das von 120 Ländern bei der Eigenkapitalbildung von klein und mittelständigen Unternehmen
    Deutschland an dritt letzter Stelle liegt. Das könnte auch ein Grund sein um bei der Steuer zu tricksen. Abgesehen davon sollten Neugründungen und Start ups für fünf Jahre steuerbefreit oder zumindest steuerermässigt sein. Und unser Staat freut sich überhaupt nicht bei Neugründungen oder Start UPS, im Gegenteil man bekommt noch unhöfliche Schreiben vom Finanzamt.

    MfG.
    Sandig

  • Nikolaus Förster 31. Mai 2013 19:14

    Lieber Herr Joens,
    natürlich haben Sie Recht, dass die Lohnsteuer einen Großteil der Einkommensteuer ausmacht. Aber der Begriff der Einkommensteuer ist die offizielle Bezeichnung der Finanzbehörden, sobald neben Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit weitere Einkommensarten erzielt werden. Insofern ist die Grafik des Bundesfinanzminsteriums korrekt.
    Aber eigentlich geht es ja nicht um Begriffe, sondern um die Sache selbst. In unserer Titelgeschichte – von der Sie auf der Website ja nur einen kleinen Ausschnitt lesen konnten – geht es uns nicht um die Aufdeckung eines Skandals. Im Gegenteil: Wir glauben, dass es heute schon fast selbstverständlich geworden ist, in Sachen Steuern zu tricksen – und zwar unabhängig davon, ob es sich um viel oder wenig Geld handelt, um Freiberufler oder große Konzerne. In der Titelgeschichte interessierte uns, was genau Unternehmer zu Steuertricksereien verleitet. Deshalb haben wir ihre Aussagen protokolliert. Es dominiert meist ein Gefühl der Ungerechtigkeit – unter anderem auch angesichts der Konstruktionen, die multinationale Konzerne nutzen, um möglichst wenig Steuern zu zahlen. Viele Kritikpunkte, die Sie aufgreifen, sehe ich also genauso. Aber: Rechtfertigt das, selbst Steuern zu hinterziehen? Natürlich nicht.

  • Wilfried Wissner 31. Mai 2013 08:27

    @ Philip Joens: Ich bin ebenfalls Unternehmer und sage Ihnen danke, denn Ihr Statement trifft den Nagel auf den Kopf.

  • Philip Joens 30. Mai 2013 16:22

    Liebe NICOLE BASEL UND NIKOLAUS FÖRSTER,
    bevor sie einen Steuervermeidungsskandal reklamieren, sollten sie sich einmal den wirklichen Skandal ansehen. Wie kann es sein, dass Sie einen Artikel schreiben ohne den Hintergrund korrekt zu recherchieren?
    Wie kann es sein, dass sie eine Grafik benutzen die einen komplett falschen Eindruck hinterlässt? Das ist unverantwortlich und das ist genau der Grund warum ich den Journalist wieder abbestellt habe.

    Was sind die beiden großen Säulen der Staatsfinanzierung? MwSt und Lohnsteuer. Das was sie als Einkommensteuer von Unternehmern deklarieren ist zu 80 % Lohnsteuer!!!

    Ich selber bin Unternehmer und finde es unerhört wie die angeblichen Leistungsträger für sich Reklamieren den größten Steueranteil zu stemmen, wenn genau das Gegenteil wahr ist. Die kleinen Leute bezahlen den Großteil aller bezahlten Steuern und Abgaben.

    Und da liegt der eigentliche Skandal: All unsere so viel gerühmten Weltmarkführer, alle Firmen zusammen (Siemens, Allianz, MüRück, Mercedes, VW, BMW, … die Liste ist endlos) tragen nur zu wenigen Protzens zum Steueraufkommen bei. Das ist der Skandal. Zieht man dann noch die Subventionen mit in Betracht die diese Firmen bekommen, würde ich vermuten, dass unterm Strich gar keine Steuern gezahlt werden. Das wenigen Prozent der Bevölkerung der überwältigende Teil des gesamten Vermögens gehört und daraus nur 2% Beitrag zum Steueraufkommen geleistet wird, das ist der Skandal.

    Alles andere sind Nebelbombem um vom eigentlichen Skandal abzulenken. Einem komplett ungeeigneten Steuersystem, gemacht von Reichen für Reiche. Das ist auch der Grund warum man den Spitzensteuersatz problemlos von 53% auf 42% senken konnte, macht unterm Strich keinen großen Unterschied.

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