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Die günstigen Tarife für Betriebserben sind wohl bald Vergangenheit. impulse hat vier Nachfolgeszenarien durchgerechnet - für alle, die noch rasch sparen wollen

Eigentlich wollten sich Claudia und Herbert Kahle noch etwas Zeit lassen. Doch dann schuf das westfälische Unternehmerehepaar, das seinen richtigen Namen nicht in impulse lesen will, Fakten: Ende September war die Nachfolgeregelung für das Familienunternehmen perfekt, die Kahles gaben Verantwortung an ihre Kinder ab. Die Firma, eine GmbH, errichtet bundesweit Bürogebäude und Wohnhäuser.

Die Eltern hatten allen Grund zur Eile. „Mittelständische Familien müssen demnächst mit Steuererhöhungen beim Weiterreichen von Unternehmen rechnen“, sagt Steueranwalt Dietrich von Elsner aus der Kanzlei Kapp Ebeling, der die Familie berät. Zwar können Unternehmer ihre Firma, im Gegensatz zu anderen Vermögensarten, aktuell noch steuerfrei an die nächste Generation übergeben. Doch hat der Bundesfinanzhof (BFH) Mitte Oktober in einem Beschluss deutlich gemacht, dass er die güns­tigen Tarife für Betriebserben und Nachfolger für eine „Überprivilegierung“ hält. Die BFH-Richter nahmen die Begünstigung nach allen Regeln der juristischen Kunst auseinander. Und: Sie legten das Erbschaft- und Schenkung­steuer­gesetz dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vor.

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Die Privilegien werden fallen

Unter Experten gilt es als sicher, dass die Karlsruher Richter die Bundesregierung zu einer Runderneuerung der Erbschaftsteuer verpflichten werden. „Das kann die Nachfolge deutlich verteuern“, erwartet Roman Seer, Steuerprofessor an der Uni Bochum. „Ich rechne damit, dass Privilegien fallen.“ Die Kahles haben deshalb noch schnell die Hälfte der Firma an ihre Kinder weitergegeben. „Damit haben sie die Vorteile des geltenden Rechts sicher“, sagt Claudia Kahle. So wie sie sollten auch andere Firmenchefs, die kurz vor der Übergabe stehen, aufs Tempo drücken. impulse hat vier ­steuergünstige Übergabemodelle durchgerechnet und präsentiert sie auf den nächsten Seiten.

Noch gelten die Normen über die Bewertung von Vermögen, Steuerrabatte, Freibeträge und Steuersätze, die im Kern seit Januar 2009 aktuell sind. Die für Unternehmer wichtigsten Details: Ausgangspunkt für die Steuer ist der „tatsächliche Wert“ des Unternehmens. Kräftige Steuernachlässe bekommen Nachfolger, wenn sie die Firma über mehrere Jahre fortführen und Arbeitsplätze sichern. Nicht 1 Euro wird fällig, wenn sie sieben Jahre dabeibleiben und die Lohnsumme mindestens konstant halten (siehe Übergabemodell: „Der Vorausdenker“). 85 Prozent Steuerrabatt gibt es für alle, die den Betrieb fünf Jahre weiterführen und in der Zeit den Personalbestand nur wenig ausdünnen („Der Traditionsbewusste“).

Bis ein neues – verfassungsmäßiges – Erbschaftsteuerrecht in Kraft tritt, können Unternehmerfamilien den Generationswechsel steuergünstig organisieren. Bei den Kahles sind die drei Kinder jetzt mit jeweils 16,67 Prozent am Unternehmen beteiligt. Die Eltern halten jeweils mehr als 25 Prozent der Anteile – das ist Voraussetzung für die Steuerersparnis. Damit die Kinder langfristig am Erbe festhalten, hat die Familie vorgesorgt. Ihre Anteile sind gebündelt; aus diesem „Pool“ kommen sie langfristig nicht heraus und müssen ihre Stimmrechte einheitlich ausüben. Die Eltern haben daneben ­einen zweiten Pool geschaffen, um später weitere Anteile steuergünstig an Söhne und Tochter übertragen zu können („Die Minderheits­gesellschafter“).

Dass sich die Gesetze bald ändern werden, glaubt auch die Finanzverwaltung: Sie erteilt Bescheide über Erbschaft- und Schenkungsteuer nur noch vorläufig. Falls das Bundesverfassungsgericht die Vorschriften rückwirkend kippt, könnte der Fiskus – trotz aller Gestaltungen – im Nachhinein Steuern verlangen. Das Szenario gilt unter Experten aber als extrem unwahrscheinlich. In aller Regel lassen die Verfassungsrichter die alten Steuersätze für eine Übergangsfrist in Kraft. Eine Schonfrist, die Unternehmer jetzt nutzen sollten.

Die Vorausdenkende

Die Vorausdenkende: Unsicherheiten und Experimente sind ihr zuwider. Die Übergabe an den Sohn ist seit Jahren geplant. Unternehmerische Devise: Kontrolle.

Szenario Eins: Die Firma ist gut aufgestellt. Noch ist die Chefin Alleininhaberin, doch der Junior steht als Nachfolger in den Startlöchern. Er beantragt Steuerfreiheit.

Das Unternehmen

Eine Unternehmerin führt die Maschinenbaufirma in der vierten Generation. Die Gesellschaft gehört mit ihrem hochspezialisierten Sortiment zu den Weltmarktführern. Besonders in China und Südamerika ist man sehr erfolgreich. Seit Jahren ist klar, dass der einzige Sohn die Nachfolge antreten wird. Er hat Maschinenbau studiert, diverse Stationen bei befreundeten Unternehmen absolviert und ist seit nunmehr fünf Jahren rechte Hand der Chefin. Die hat mit Blick auf die Übergabe der Firma den Maschinenpark modernisiert, die Abläufe ratio­nalisiert und den Vertrieb in den Wachstums­regionen ausgebaut. Sie ist Alleininhaberin des Unternehmens, wird sich in Kürze komplett aus dem operativen Geschäft zurückziehen und ­ihrem Filius das Unternehmen im Wert von 20 Mio. Euro schenken.

Das Modell

Weil die Firma weiter kräftig wachsen dürfte, optiert der Junior für eine komplette Freistellung von der Erbschaftsteuer. Ein formloser und unwiderruflicher Antrag an das Finanzamt genügt. Dabei sind drei Voraussetzungen zu erfüllen. Erstens: Der Nachfolger muss die Firma mindestens sieben Jahre fortführen. Er darf sie also weder verkaufen noch einfach aufgeben. Wohl aber kann er die Rechtsform wechseln, zum Beispiel aus der Personenfirma eine Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) machen – etwa um die eigene Haftung für Schulden der Firma zu begrenzen oder um neues Eigenkapital von Investoren zu gewinnen, zum Beispiel für die Entwicklung neuer Technologien oder die Erschließung von Wachstumsmärkten. Zweitens: Bei der Übergabe darf das Firmenvermögen zu höchstens zehn Prozent aus sogenanntem Verwaltungsvermögen bestehen. Dazu zählen etwa vermietete Grundstücke, Wertpapiere, Minderheitsbeteiligungen an Kapitalgesellschaften oder Kunstgegenstände. Drittens: Die Lohnsumme inklusive Sozialabgaben muss in den nächsten sieben Jahren mindestens so hoch sein wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre vor der Betriebsübergabe. Im Beispiel beträgt die durchschnittliche Lohnsumme des Unternehmens 2,5 Mio. Euro. Der neue Chef muss ­also in den nächstens sieben Jahren mindestens 17,5 Mio. Euro an Löhnen und Gehältern (700 Prozent) an seine Mitarbeiter überweisen, um steuerfrei zu bleiben. Das werden die Beamten penibel kontrollieren.

Das Risiko

Unternehmerfamilien, die auf komplette Steuerfreiheit setzen, sollten sich ganz sicher sein, die geforderte Lohnsumme auch tatsächlich zu erreichen. Wer sie unterschreitet, muss anteilig Erbschaftsteuer zahlen. Beträgt die Lohnsumme der Firma etwa statt 17,5 Mio. Euro (700 Prozent) nur 14 Mio. Euro (560 Prozent), bleiben lediglich 80 Prozent des Betriebsvermögens bei Übergabe steuerfrei (560 geteilt durch 700, mal 100). Auf die restlichen 20 Prozent erhebt das Finanzamt Steuern.

Die Steuerrechnung*
Bei Generationswechsel heute
Betriebsvermögen 20 000 000
Steuerfreier Betrag 20 000 000
Zu versteuern 00
Bei Generationswechsel demnächst
Betriebsvermögen 20 000 000
Steuerpflichtiger Betrag 20 000 000
Steuer (27 %**) 5 400 000
Gespart 5 400 000

* ohne persönliche Freibeträge

** geltendes Recht; alle Angaben in Euro

Der Traditionsbewusste

Der Traditionsbewusste: Er trauert den guten alten Zeiten hinterher, die Tochter muss den Turnaround schaffen. Unternehmerische Devise: Beständigkeit.

Szenario zwei: Der Patriarch und sein Laden sind in die Jahre gekommen. Die Tochter erneuert das Sortiment und reduziert Personalkosten. 15 Prozent Schenkungsteuer werden fällig.

Das Unternehmen

Seit 40 Jahren betreibt ein Einzelhändler sein Geschäft, Umsatz und Ertrag stagnieren. Die Tochter steht nach Fachhochschulstudium und einigen Jahren als Abteilungsleiterin bereit, in die Firma einzusteigen. Um das Geschäft (Wert: 8 Mio. Euro) in Schwung zu bringen, drängt sie ihren Vater, in Ladenoptik und ein neues Sor­timent zu investieren. Bislang vergeblich. Doch Gesundheitsprobleme und drohende Steuer­erhöhungen lassen den Patriarchen umdenken: Im Laufe des Jahres soll die Tochter auf dem Chefsessel Platz nehmen. Sie will die Angebots­palette umstellen und künftig mehr auf jüngere Mode setzen. Das ist mit dem aktuellen Verkaufspersonal praktisch nicht zu machen, deshalb will sie sich von einigen Mitarbeitern trennen. Insgesamt will, ja muss sie die im Branchenvergleich zu hohen Personalkosten ­reduzieren.

Das Modell

Da die neue Strategie riskant ist, geht die Nachfolgerin bei der Steuer auf Nummer sicher. Sie verzichtet auf volle Steuerfreiheit. Stattdessen zahlt sie auf 15 Prozent des Firmenwerts Schenkungsteuer. Die restlichen 85 Prozent erlässt ihr das Finanzamt, wenn sie drei weniger harte Voraussetzungen erfüllt. Erstens: Statt sieben braucht sie die Firma nur fünf Jahre fort­zuführen. Sie kann jederzeit die Rechtsform ­ändern – aus welchen Gründen auch immer. Zweitens: Die Tochter profitiert davon, dass der Seniorchef in guten Jahren einige Aktien und nicht für das Unternehmen genutzte Grund­stücke in der Firmenbilanz geparkt hat. Diese Aktiva belaufen sich auf immerhin 40 Prozent des Firmenvermögens. Kein Problem. Denn bei diesem Modell darf das „Verwaltungsvermögen“ bis zu 50 Prozent betragen. Drittens: Die Tochter muss in den nächsten fünf Jahren insgesamt nur 400 Prozent der durchschnittlichen Lohnsumme der letzten fünf Jahre vor der Unternehmensübernahme vorweisen. Sie kann also notwendige Personalmaßnahmen durchziehen, ohne vom Finanzamt bestraft zu werden.

Das Risiko

Wenn die Jungunternehmerin nicht so erfolgreich ist, wie sie hofft, muss sie eventuell mehr Mitarbeiter entlassen als geplant. Das kann sie mehr Erbschaftsteuer kosten. Denn mit dem gleichen Anteil, mit dem sie die 400-Prozent-Hürde verfehlt, wird der Verschonungsabschlag (85 Prozent des übertragenen Betriebsvermögens) reduziert. Ein Beispiel: In den fünf Jahren vor Übernahme zahlte die Firma jeweils 2 Mio. Euro an Löhnen, Gehältern und Sozialabgaben. Damit 85 Prozent des Betriebsvermögens steuerfrei bleiben können, muss die Jungunternehmerin in den nächsten fünf Jahren ­also 8 Mio. Euro Personalkosten aufwenden. Kommt sie zum Beispiel nur auf 6 Mio. Euro, hat sie ein Defizit von 25 Prozent. Konsequenz: Der ursprünglich steuerfreie Anteil am Betriebsvermögen (85 Prozent) reduziert sich ebenfalls um ein Viertel – auf 63,75 Prozent.

Die Steuerrechnung*
Bei Generationswechsel heute
Betriebsvermögen 8 000 000
Steuerfreier Betrag (85 %) 6 800 000
Steuerpflichtiger Betrag 1 200 000
Steuer (19 %) 228 000
Bei Generationswechsel demnächst
Betriebsvermögen 8 000 000
Steuerpflichtiger Betrag 8 000 000
Steuer (23 %**) 1 840 000
Gespart 1 612 000

* ohne persönliche Freibeträge

** geltendes Recht; alle Angaben in Euro

Die Flexible

Die Flexible: Jahrelang hat die Mutter das hochvolatile Geschäft zweier Firmen mit viel Einsatz geleitet. Nun soll der Sohn ran. Doch Vorsicht: Es drohen Steuernachzahlungen.

Szenario drei: Personal- und Investitionsbedarf schwanken. Zwei von drei Firmen bekommt der Sohn. Der Junior verkauft eine davon und nimmt dafür eine höhere Steuerschuld in Kauf.

Die Unternehmen

Ein Unternehmerpaar hat drei Hightechfirmen. Auf Betreiben der Frau wollen sie kürzertreten und sich nur noch um die größte der drei kümmern, da die beiden anderen ständige Anpassung und Flexibilität erfordern. Die Frau ist des volatilen Geschäfts müde, nun soll der Sohn ran. Bei der ersten Firma (Wert: 9 Mio. Euro) handelt es sich um einen Spezialanbieter von Steuerungselektronik. Sie ist von drei Groß­abnehmern abhängig, die ad hoc neue Teile benötigen. Entsprechend schnell muss die Belegschaft – je nach Auftragslage – zusammengestellt werden. Außerdem muss der Junior stets in neue Produktionsverfahren investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die zweite (Wert: 18 Mio. Euro) der an den Sohn übertragenen Firmen fertigt Elektronikteile. Für dieses Unternehmen steht die Familie in Verkaufsverhandlungen mit einem internationalen Konzern. Mit einem Teil des Erlöses will der Sohn bei einem Hersteller von Medizintechnik einsteigen. Der Rest ist für den Kauf eines Mietshauses im Privatvermögen vorgesehen.

Das Modell

Der Junior entscheidet sich dafür, auf 15 Prozent der Schenkung sofort Steuern zu zahlen – somit bleiben 85 Prozent des Betriebsvermögens vorerst steuerfrei. Denn einerseits erwartet er, dass die Zahl der Mitarbeiter in der Firma für Steuerelektronik stark schwanken wird. Somit kann er die Voraussetzungen für völlige Steuerfreiheit eher nicht erfüllen. Dazu müsste er in den nächsten sieben Jahren 700 Prozent der Ausgangslohnsumme (durchschnittliche Lohnsumme der letzten fünf Jahre vor der Übernahme) erreichen. Die Chance auf 85 Prozent Steuerrabatt ist deutlich höher. Hier genügt es, wenn die Gehälter in den kommenden fünf Jahren 400 Prozent der Ausgangslohn­summe erreichen. Andererseits weiß der Jung­unternehmer von vornherein, dass er seine zweite Firma in einem Jahr verkauft. Das ist kein Problem, wenn er den Erlös innerhalb von sechs Monaten wieder zum Kauf von Betriebsvermögen einsetzt. Solche Deals gefährden den Steuerrabatt nicht. Doch er steigt nur mit drei Vierteln des Erlöses bei einer Medizintechnikfirma ein; der Rest wird Privatvermögen und ­damit steuerpflichtig. Und zwar zu 80 Prozent. Nur ein Fünftel der nicht reinvestierten Summe bleibt also steuerfrei: Das Geld steckte nur ein Jahr statt der geforderten fünf im Unternehmen.

Das Risiko

Die Schenkung der Steuerelektronikfirma bleibt nur dann zu 85 Prozent steuerfrei, wenn der neue Chef die erforderliche Mindestlohnsumme erreicht (400 Prozent Ausgangslohnsumme in fünf Jahren). Gelingt dies nicht, ist anteilig nachzuversteuern. In der zweiten Firma ist das Risiko noch erheblich größer. Wenn die geplante Transaktion nicht binnen sechs Monaten klappt, wird der gesamte Verkaufs­erlös zu vier Fünfteln steuerpflichtig.

Die Steuerrechnung*
Bei Generationswechsel heute
Firma 1
Betriebsvermögen 9 000 000
Steuerfrei (85 %) 7 650 000
Steuerpflichtig* 1 350 000
Steuer (19 %) 256 500
Firma 2
Betriebsvermögen 18 000 000
Zunächst steuerfrei (85 %) 15 300 000
Zunächst steuerpflichtig 2 700 000
Entnahme (steuerpflichtig; 4/5 von 4 500 000) 3 600 000
Endgültig steuerpflichtig 6 300 000
Steuer (23  %) 1 449 000
Steuern insgesamt 1 705 500
Bei Generationswechsel demnächst
Schenkung 27 000 000
Steuer (30  %)** 6 900 000
Gespart 5 194 500

* ohne persönliche Freibeträge

** geltendes Recht; alle Angaben in Euro

Der Minderheitsgesellschafter

Der Minderheitsgesellschafter: Statt weiter über die Ausrichtung der Firma zu streiten, tritt er lieber gemeinsam mit dem Bruder ab. Unternehmerische Devise: Jetzt sollen mal die anderen ran.

Szenario Vier: Zwei Brüder mit jeweils 20 Prozent Firmenanteil bündeln ihre Beteiligungen und geben sie an ihre Kinder weiter. Das Betriebserbe bleibt steuerfrei

Das Szenario

Drei Brüder führen ein Baustoffunternehmen. Zwei sind zu jeweils 20 Prozent beteiligt, der dritte zu 60. Einer der Minderheitsgesellschafter hat einen Sohn, der andere eine Tochter. Beide sind im Unternehmen in leitender Posi­tion beschäftigt. Weil es über die künftige Ausrichtung der Firma Streit gibt, ziehen sich die Brüder mit den 20-Prozent-Beteiligungen zurück. Sie wollen ihre Anteile im Wert von je 3 Mio. Euro an die Kinder weiterreichen. In dieser Konstellation hat die Firma gute Chancen, bei Umsatz und Ertrag zu wachsen.

Das Modell

Bei der Steuer gibt es jedoch ein Problem: Beide Minderheitsgesellschafter können jeder für sich ihre Beteiligungen nicht steuerbegünstigt auf die Kinder übertragen. Das funktioniert laut Gesetz erst bei Kapitalanteilen von über 25 Prozent. Ausweg: Die Brüder vereinbaren, dass sie künftig eng zusammenarbeiten werden. Per Vertrag gründen sie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und bündeln so ihre ­Kapitalanteile. Beide beschließen, dass sie ihre Stimmrechte in der GmbH nur einheitlich ausüben und stets ­gemeinsam über ihre Anteile verfügen (Poolvereinbarung). Zusätzlich verabreden sie, dass sie ihre Beteiligungen nur an Kinder oder Enkel verschenken. Das geht jetzt steuerfrei, weil das Finanzamt ihre Anteile zusammenrechnet. Generell gilt: Falls ein Pool mehr als zwei Mitglieder hat, sollte eine Klausel nicht fehlen, dass der Pool auch dann weiter besteht, wenn ein Mitglied aussteigt. Welchen Steuerrabatt die Familien wählen, hängt davon ab, wie sie die Entwicklung des Unternehmens sehen. Die Kinder sind da durchaus optimistisch. Sie entscheiden sich daher dafür, dass sie keine Steuern für die Übernahme der Anteile zahlen wollen. Das geht, wenn sie sieben Jahre weitermachen und die Firma in dieser Zeit praktisch kein Personal abbaut. Sie muss also die Lohnsumme von zuletzt 4 Mio. Euro in den nächsten sieben Jahren erreichen. Zudem dürfen die Eigentümer in der fraglichen Zeit höchstens zehn Prozent an sogenanntem Verwaltungsvermögen in die Bilanz packen. Das sind etwa Beteiligungen an fremden Unternehmen oder teure Bilder und Plas­tiken für die Firmenräume.

Das Risiko

Als neue Minderheitsgesellschafter haben die Kinder nur wenige Möglichkeiten, auf die Lohnsumme Einfluss zu nehmen. Um komplett steuerfrei bleiben zu können, muss die Firma in den nächsten sieben Jahren 700 Prozent der bis­herigen Jahreslöhne erreichen. Schafft sie das nicht – weil es etwa einen unvorhergesehenen Umsatzeinbruch gibt -, sind anteilige Nachsteuern fällig. Kommt der Betrieb etwa nur auf 75 Prozent der geforderten Summe, sind 25 Prozent des Erbes zu versteuern.

Die Steuerrechnung*
Bei Generationswechsel heute
Anteiliges Betriebsvermögen 6 000 000
Pro Kopf 3 000 000
Steuerfreier Betrag je 3 000 000
Zu versteuern 00
Bei Generationswechsel demnächst
Anteiliges Betriebsvermögen 6 000 000
Pro Kopf 3 000 000
Steuerpflichtiger Betrag je 3 000 000
Steuer (19 %**) je 570 000
Gespart je 570 000

* ohne persönliche Freibeträge

** geltendes Recht; alle Angaben in Euro

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