Recht + Steuern Kampf am Kamin

Am 1. Januar fällt das Monopol des "schwarzen Manns": Hausbesitzer können ihren Schornsteinfeger dann selbst aussuchen. Einige Anbieter werben bereits mit kräftigen Rabatten.

Aufs Dach steigt Heiko Kirmis den Berlinern nur noch selten. An die 750 Grundstücke betreut der Schornsteinfeger in seinem Kehrbezirk im alten West-Stadtteil Charlottenburg. Viele heizen mit Gas, nur wenige haben noch einen Kamin. Der Job ist sauberer geworden – zum neuen Jahr wird er aber auch schwieriger. Nach Post und Telekommunikation fällt jetzt das Monopol der Schornsteinfeger. Hausbesitzer dürfen sich aussuchen, welchen „schwarzen Mann“ sie an den Kamin lassen. Viele erhoffen sich vor allem günstigere Tarife.

7740 Bezirksschornsteinfeger zählt der Bundesinnungsverband in Deutschland. Jeder von ihnen hat sein Territorium, in dem er bisher konkurrenzlos arbeiten durfte – seit 77 Jahren ohne Wettbewerb. Das verstoße gegen die Dienstleistungsfreiheit, befand die Europäische Union. Ab 1. Januar dürfen daher erstmals freie Kaminkehrer überall bestimmte Aufgaben in den Kellern und auf den Dächern übernehmen.

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Auf Kirmis, der einen von 215 Berliner Schornsteinfeger-Betrieben leitet, kommt Wettbewerb zu. Gerade in der Großstadt dürften Hausbesitzer weniger an ihrem Kaminkehrer hängen als auf dem Land, wo der Kontakt persönlicher ist. Schon jetzt wirbt die Konkurrenz im Internet mit Einsparungen von 30 Prozent. Der Landesinnungsmeister zeigt sich dennoch gelassen: „Bis jetzt hält sich der Wechselwille in Grenzen.“ Er hat eine Internetseite eingerichtet, auf der er bald über seine Leistungen informieren will.

Dass die freie Konkurrenz auf Dauer günstiger und dennoch profitabel sein kann, glauben weder Kirmis noch der Hauptgeschäftsführer im Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks, Torsten Arndt. Wo der Bezirksschornsteinfeger von Haus zu Haus gehen könne, müssten freie Anbieter schließlich jeden Kunden einzeln anfahren, sagen sie. Da komme man mit weniger Geld einfach nicht hin.

Roman Heit fährt schon jetzt zum Kehren Hunderte Kilometer: von Berlin nach Hamburg, nach München oder Stuttgart. Nicht jede Fahrt rechne sich, insgesamt aber arbeite er profitabel, sagt der Berliner. Noch ist Heit Geselle eines österreichischen Rauchfangkehrermeisters und darf deshalb in Deutschland frei arbeiten. Im Januar macht er sich selbstständig – und will mindestens 30 Prozent günstiger sein als der ehemalige Bezirkskehrer.

Was den Wechselwillen bremst

Diese verlangten zu viel Geld, argumentiert Heit. „Sie kassieren ihre Anfahrtsgebühr von 8,20 Euro nicht für jede Fahrt, sondern für jede Heizung im Haus“, erläutert er. Bei einem Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen komme da einiges zusammen.

Um die Termine muss man sich künftig selber bemühen. Die Bezirksschornsteinfeger sind weiter für die sogenannten hoheitlichen Aufgaben zuständig und kommen alle dreieinhalb Jahre zur Kontrolle in jedes Haus. Wer wechselt, muss also künftig die Termine von zwei Kaminkehrern koordinieren.

Doch nicht nur das bremst den Wechselwillen. Manche Kunden sind abergläubisch und wollen sich von ihrem Glücksbringer nicht trennen. Früher brannten ohne Schornsteinfeger ganze Städte ab, weil sich Ruß festsetzte und Kamine Feuer fingen. Seitdem gilt ein wenig Ruß vom „schwarze Mann“ zu Jahresbeginn als gutes Omen. „Zum Glück gibt’s den Schornsteinfeger“, wirbt die Innung jetzt.

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