Recht + Steuern Kaum Selbständige und Unternehmer im neuen Bundestag vertreten

Freiberufler, wie Notare oder Anwälte - ja. Andere Branchenvertreter - rar gesät. Im 18. Bundestag sind Firmenchefs und Selbständige die Minderheit. „Unternehmer haben es in allen Parteien schwer, weil da oft das Spargelprinzip herrscht: Zeigt sich ein Kopf, wird er abgestochen“, sagt der Linken-Abgeordnete Diether Dehm.

Es gibt zwar noch keine neue Regierung – das neu gewählte Parlament hat seine Arbeit aber bereits aufgenommen. Auch im 18. Bundestag bilden die Selbständigen und Unternehmer eine kleine Minderheit. Zwar gibt es recht viele Freiberufler wie Anwälte oder Notare unter den Abgeordneten, selbstständige Frauen und Männer abseits der Beraterzünfte sind jedoch rar.

„Unternehmer haben es in allen Parteien schwer, weil da oft das Spargelprinzip herrscht: Zeigt sich ein Kopf, wird er abgestochen“, sagt der Linken-Abgeordnete Diether Dehm impulse. Der Niedersachse ist Gründer und Geschäftsführer eines Musikverlags und Mitgesellschafter einiger Radiosender. „In der Parteibürokratie ist Sitzfleisch oft wichtiger, als es Ideen und Praxiserfahrung sind. Das ist für Kreative ziemlich nervig“, so Dehm.

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Einen Widerspruch zwischen seinem Unternehmertum und den Zielen der Linkspartei kann er nicht erkennen: „Klassenkampf findet nicht in Kleinbetrieben statt, sondern zwischen Arbeitern, Angestellten, den vielen Kleinstunternehmen einerseits und andererseits den wenigen Konzernen, die auf Krieg, Hungersnot, Wasserknappheit und Massenarbeitslosigkeit spekulieren.“

47 Entrepreneure im Bundestag

Im neuen Bundestag sitzen nach Angaben der Stiftung Familienunternehmen 47 Entrepreneure. Damit liegt der Anteil der Unternehmer im Parlament bei 7,5 Prozent. Das ist deutlich weniger als ihr Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt – dort sind es 10,6 Prozent (Stand 2012).

Auch in der Grünen-Fraktion sind Entrepreneure ausgesprochen rar: Der Mittelstandsbeauftragte Thomas Gambke ist der einzige. Der Gründer der Firma Lithoglas glaubt, dass ihm die Erfahrung aus der Wirtschaft auch in der Politik hilft. „Als Unternehmer werde ich bei den Grünen schon lange nicht mehr schräg angeguckt. Im Gegenteil: In der Fraktion, aber auch im Parlament hört man mir besonders aufmerksam zu.“

Anders als Dehm, der parallel zu seiner Abgeordnetentätigkeit weiterhin das von ihm gegründete Unternehmen leitet, lehnt Gambke solch eine Doppelbelastung ab. „Eine Firma leiten und parallel Abgeordneter sein, das ist zeitlich und organisatorisch nicht machbar.“ Dass nur so wenige Unternehmer im Bundestag sitzen, hat für ihn deshalb einen einfachen Grund: „Viele Unternehmer und vor allem Gründer sind in ihren Firmen nicht einfach ersetzbar.“

 

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