Recht + Steuern Kleine Anwaltskanzleien sind in Gefahr

Justiz, Gerechtigkeit, Urteil

Die römische Göttin Justitia: Die Waage symbolisiert die ausgleichende Gerechtigkeit. Die Augenbinde gilt als Zeichen dafür, dass ihr Urteil unabhängig vom Ansehen der Person ist.© Hans-Jörg Nisch / Fotolia

Die Rechtsberatung in Deutschland boomt. Die Zahl der Anwälte hat sich in 25 Jahren verdreifacht. Doch für Kanzleien fernab der großen Städte wird es einer Studie zufolge schwer.

Vielen kleinstädtischen Anwälten droht trotz des Booms der Rechtsberatung in Deutschland das Aus. Das geht aus einer Prognos-Zukunftsstudie im Auftrag des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hervor. Für die Studie zum Anwaltsmarkt 2030 wurden 5000 Anwälte befragt. Demnach könnte in strukturschwachen ländlichen Regionen bei der Anwaltssuche bald ähnlicher Mangel herrschen wie bei der Suche nach einem Arzt. Besonders den nicht spezialisierten „Wald- und Wiesenanwälten“ machen eine Reihe von Problemen zu schaffen. Die Spezialisierung der Rechtsberatung durch Fachanwälte nimmt ihnen Mandate, eine eigene Spezialisierung kommt wegen der geringen Mandatzahlen pro Fachgebiet in ihrer Region nicht infrage. Der demografische Wandel mit abnehmender Bevölkerung verschärft die Misere.

Konkurrenz aus dem Netz
Hinzu kommt weitere Konkurrenz: Rechtlichen Rat gibt es inzwischen auch im Internet, bei Anwalt-Hotlines und etwa von Kfz-Sachverständigen und Rechtsschutz-Versicherungen. Als wäre das noch nicht genug, fanden die Forscher heraus, dass gerade die kleinen Ein-Mann-Kanzleien ohne eine Strategie vor sich hinwerkeln. Zu den Problemgebieten zählen vor allem die ostdeutschen Flächenländer. „Der Allgemeinanwalt wird große Schwierigkeiten haben. Viele Kanzleien werden vor dem Ende stehen, wenn sie so weitermachen wie bisher“, warnte DAV-Präsident Wolfgang Ewer. „Sie sollten sich auf die Lage einstellen, sonst kann es eng werden.“ Ewer sieht dennoch Chancen, dass der Allgemeinanwalt überlebt: Etwa als gut vernetzter „Verkehrsanwalt“, der den Kontakt zum Mandanten hält und ihn betreut, die inhaltliche Arbeit aber einem Spezialisten weit weg überlässt.

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Solche Sorgen haben die prosperierenden Regionen nicht. In München, Frankfurt und Düsseldorf hat sich die Zahl der Rechtsanwälte in den vergangenen zehn Jahren um 40 bis 100 Prozent erhöht. Expandierende Großkanzleien betreuen dort vor allem Mandanten aus der Wirtschaft. Fachkräftemangel wird für sie ein Fremdwort bleiben: Bei den Studienanfängern ist das Fach Jura beliebter denn je.

2 Kommentare
  • Dr. Andreas R. J. Schnee-Gronauer 19. Juni 2013 08:40

    Ich glaube nicht, dass die hier aus der Studie gezogenen Schlüsse „richtig“ sind.

    Richtig ist, dass der Markt der Rechtsdienstleistung sich – wie jeder andere Markt – ändern wird und diese Änderungen zusammen mit demografischen Entwicklungen zu einer strukturellen Änderung der angebotenen Dienstleistung führen wird.

    Welche Schlüsse ich ganz aus der Studie ziehe, habe ich hier aufgeschrieben:
    http://bit.ly/12aB7il

    Aber seien wir ehrlich: wird es nicht allerhöchste Zeit, dass „die Anwälte“ sich ändern?

  • B.Augustin 18. Juni 2013 18:07

    Irgendwann stößt je Expansion an ihre Grenzen. Bei den unproduktiven Branchen schneller als bei den produktiven Branchen. Die Politik in Berlin ist verseucht mit Juristen.
    Wer denkt, nicht schlecht Fachleute für die Gesetzgebung, die richtigen Leute am richtigen Platz, der irrt. Dies Juristen in der Politik sind meist so unqualifiziert, dass sie die Gesetztes-Gestaltung extern vergeben. Lässt man die Steuergeldverschwendung für die externen Aufträge außer acht, so sind die Ergebnisse wenig berauschend. Dies zeigen die Harz IV Klagewellen etc. Aber den besten Beweis für die schlampigen Gesetzte aus Berlin ist die Aussage in obigem Artikel selbst: “ Die Zahl der Anwälte hat sich in 25 Jahren verdreifacht.“
    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer dass es ein sehr übles „Geschmäckle“ hat, wenn die Juristen in der Berliner Politik in Ihren Kanzleien zu Hause von ihren schlampig gestrickten Gesetzen profitieren die ihnen dort die Auftragsbücher füllen. Im Besonderen bei den Fachanwälten z.B. Steuerecht. Die Baustelle in Berlin wo der größte Mist verzapft wird.

    Freundliche Grüße aus der Pfalz

    B.Augustin

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