Recht + Steuern Kritik an Einführung der E-Bilanz wächst

Die Elektronische Bilanz wird 2013 verbindlich für alle deutschen Unternehmen. Mittelständler fürchten die ausufernde Bürokratie und die damit entstehenden hohen Kosten. Der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung fordert deshalb eine Vereinfachung.

Der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung Ernst Burgbacher (FDP) fürchtet neue Lasten für seine Klientel. Die Vorschläge des Bundesfinanzministeriums für die Elektronische Bilanz drohten den kleinen und mittleren Unternehmen erheblich zu belasten und damit Kosten abzufordern, sagte der FDP-Politiker.

Zudem warnte Burgbacher vor massiven Gefahren durch die schärferen internationalen Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken nach dem Abkommen Basel III, die den Kreditfluss hemmten. Am liebsten wäre es Burgbacher nach eigenen Worten, wenn die kleineren regional tätigen Geldinstitute, in Deutschland etwa Sparkassen und Genossenschaftsbanken, von den neuen Regeln ausgenommen würden.

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Burgbacher bekannte sich zum Ziel einer elektronischen Bilanz. „Ich will die E-Bilanz“, sagte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Die Neuerung müsse für den Mittelstand aber aufwandsneutral sein. Er beklagte, das Finanzministerium schieße mit seinen Vorschlägen weit über das Ziel hinaus und schaffe mit einer Explosion der Zahl abgefragter Bilanzpositionen ein ganz neues System.

Nach dem Rahmenkontenplan der E-Bilanz müssten Unternehmen inklusive Mittelständer 599 Einzelheiten abarbeiten. Derzeit seien es aber nur 62 Positionen bei den Unternehmen insgesamt und nur 23 bei Mittelständler. Ähnlich krass falle der Zuwachs der abgefragten Positionen für die elektronische Gewinn- und Verlustrechnung aus. Burgbacher klagte: „Das sind völlig neue Methoden.“ Ein solches Ausmaß an Wissbegierde sei völlig überzogen. Der Staatssekretär kündigte an, sich zur E-Bilanz Bündnispartner im Parlament zu suchen, besonders auch unter den Finanzpolitikern der Koalition.

Auch die international ausgehandelten neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln von Basel III hält Burgbacher für eine Bedrohung des Mittelstands. Grundsätzlich stellte er die schärferen Anforderungen für die großen, für das Finanzsystem relevanten Geldinstitute nicht in Frage. Allerdings forderte er Änderungen, um eine Einschränkung der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen zu vermeiden.

Schließlich sei für den Mittelstand das klassische Finanzierungsmittel ein Bankkredit mit langfristiger Zinsbindung. Die Geldaufnahme dürfe für den Mittelstand nicht teuerer oder schwieriger werden. Laut Burgbacher sollen regional tätige Banken von den schärferen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln ausgenommen werden. Wenn die USA das Abkommen nicht flächendeckend umsetzten, dann sei dies auch in Europa nicht nötig.

1 Kommentar
  • Manfred Huber 26. März 2014 18:34

    Die sogen. E-Bilanz ist ein bürokratisches Monster, das die deutsche Volkswirtschaft Milliarden von Euro kostet, bis es dann mit großer Wahrscheinlichkeit das Schicksal des gescheiterten Großprojekts ELENA erleiden wird.

    Weit mehr als eine Million meist mittelständische und kleinste Unternehmen haben allein für die Umstellung zusätzliche Kosten von 5oo.-€ bis 5.ooo.- € zu erwarten.Hinzu kommen weitere jährliche Zusatzarbeiten, da die E-Bilanz-Struktur nicht geeignet ist, die für die betroffenen Unternehmen notwendigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen aufzuzeigen.

    Auch kleinere GmbH’s, die derzeit schon eine Steuer- eine Handels-Bilanz und daneben noch eine komprimierte Bilanz zur Veröffentlichung zu erstellen und zu bezahlen haben, sollen nun auch noch eine höchst komplizierte E.-Bilanz erstellen….Also vier unterschiedliche Bilanzen.

    Dass dies alles unter dem irreführenden Schlagwort „Bürokratieabbau“ läuft ist, für sich betrachtet, schon eine Frechheit.
    Oder ist die zuständige Mannschaft im BMF nicht mehr in der Lage über ihre eigene Behörde hinaus, auch an die Menschen zu denken, die sich mit ihrem E-Bilanz-Projekt herumschlagen müssen ?
    Dies ist zu vermuten. Denn sonst hätte das Finanzministerium die Kosten für die E-Bilanz nicht mit sagenhaften o,37 Cent (lt.DIE WELT in “ Kostenexplosion bei E-Bilanz“) beziffern können.

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