Recht + Steuern Merkels Kabinett im Überblick

Das Reichtstagsgebäude in Berlin

Das Reichtstagsgebäude in Berlin© Deutscher Bundestag/studio kohlmeier

Am Sonntag gaben Union und SPD offiziell bekannt, wer im neuen Kabinett Platz nehmen wird. Heute wurden die Minister von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue ernannt und im Bundestag vereidigt. Merkels Kabinett im Überblick.

KANZLERIN

ANGELA MERKEL (59/CDU): Die erste deutsche Kanzlerin hat seit 1990 ein Bundestagsmandat. Sie wurde unter Kanzler Helmut Kohl zunächst Frauen-, dann Umweltministerin. Als CDU-Generalsekretärin forderte sie die Partei in der Spendenaffäre auf, sich von Kohl zu lösen. 2005 wurde sie Kanzlerin einer großen Koalition, 2009 von Schwarz-Gelb.
 

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WIRTSCHAFTS- UND ENERGIEMINISTERIUM, VIZEKANZLER

SIGMAR GABRIEL (54/SPD): Der SPD-Vorsitzende wurde 2009 jüngster Parteichef seit Willy Brandt. Der gelernte Lehrer war zudem mit 40 Jahren in Niedersachsen jüngster deutscher Ministerpräsident (1999-2003). Von 2005 bis 2009 erwarb er sich als Bundesumweltminister Ansehen im Bereich erneuerbare Energien.
 

KANZLERAMTSCHEF

PETER ALTMAIER (55/CDU): Als Umweltminister brachte er nach der Entlassung seines Vorgängers Norbert Röttgen 2012 neuen Schwung in die Energiewende, konnte aber viele Probleme nicht lösen. Schon als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion bewies er viel Talent bei der Kompromisssuche. Er ist ein Vertrauter Merkels.
 

FINANZMINISTERIUM

WOLFGANG SCHÄUBLE (71/CDU): Sein jetziges Ministerium leitet er seit 2009. Davor war er – in der letzten großen Koalition von 2005 bis 2009 – schon zum zweiten Mal Bundesinnenminister. Neben seinen Ämtern als Ressortchef war Schäuble Chef der Bundestags-Unionsfraktion und CDU-Parteivorsitzender.
 

INNENMINISTERIUM

THOMAS DE MAIZIÈRE (59/CDU): Er muss aus dem Verteidigungsministerium ins Innenressort wechseln, das er bereits von Oktober 2009 bis März 2011 leitete. Als Verteidigungsminister geriet er wegen des Rüstungsprojekts „Euro-Hawk“ in die Kritik. Als Kanzleramtsminister der letzen großen Koalition erwarb er sich großen Respekt.
 

AUSSENMINISTERIUM

FRANK-WALTER STEINMEIER (57/SPD): Der bisherige SPD-Fraktionschef kehrt auf den Posten zurück, den er bis 2009 schon einmal innehatte. Zu rot-grünen Zeiten war er Kanzleramtschef, strickte für Gerhard Schröder an der Reform-„Agenda 2010“ mit. Dann wurde der Jurist geachteter Außenminister (2005 bis 2009).
 

VERTEIDIGUNGSMINISTERIUM

URSULA VON DER LEYEN (55/CDU): Sie wechselt vom Arbeitsministerium ins Verteidigungsressort. Die frühere niedersächsische Sozialministerin und CDU-Vize gilt wegen ihres scharfen Verstandes und ihrer Redegewandtheit als Allroundtalent. Von der Leyen hat sieben Kinder.
 

ARBEITS- UND SOZIALMINISTERIUM

ANDREA NAHLES (43/SPD): Die bisherige SPD-Generalsekretärin wird sich als Arbeits- und Sozialministerin vorrangig um die Rente kümmern und auch den vereinbarten gesetzlichen Mindestlohn forcieren. Als SPD-Generalsekretärin hat sie den Wahlkampf organisiert, dann die Koalitionsverhandlungen und anschließend den Mitgliederentscheid.
 

GESUNDHEITSMINISTERIUM

HERMANN GRÖHE (52/CDU): Gröhe hat großen Anteil am erfolgreichen Bundestagswahlkampf der Union. Er gilt auch beim politischen Gegner als sachlich, freundlich und fair. Mitte der 90er Jahre zählte er zu dem Kreis von CDU-Nachwuchspolitikern, der sich in der „Pizza-Connection“ regelmäßig mit Grünen-Politikern traf.
 

BILDUNGSMINISTERIUM

JOHANNA WANKA (62/CDU): Sie kam erst Anfang 2013 ins Amt – nach dem Rücktritt von Bildungsministerin Annette Schavan. Die promovierte Mathematikerin aus Sachsen war viele Jahre Kultusministerin in Brandenburg und Niedersachsen. Im Wendejahr 1989 war sie Gründungsmitglied des oppositionellen Neuen Forums in Merseburg.
 

VERKEHRSMINISTERIUM/DIGITALE INFRASTRUKTUR

ALEXANDER DOBRINDT (43/CSU): Der CSU-Generalsekretär führt künftig als Nachfolger von Peter Ramsauer das um digitale Infrastruktur aufgewertete Verkehrsressort. Als Generalsekretär war Dobrindt während der Koalitionsverhandlungen eines der wichtigsten CSU-Sprachrohre. Seine Worte wägt er heute stärker als früher ab.
 

AGRARMINISTERIUM

HANS-PETER FRIEDRICH (56/CSU): Der bisherige Innenminister wechselt ins weniger bedeutende Agrar-Ressort. In der NSA-Abhöraffäre wurde Friedrich eine zu weiche Haltung gegenüber den USA vorgehalten. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Volkswirtschaft. Besonders gern war er CSU-Landesgruppenchef.
 

UMWELTMINISTERIUM

BARBARA HENDRICKS (61/SPD): Die bisherige SPD-Schatzmeisterin übernimmt das aufgewertete Umweltministerium. In Düsseldorf arbeitete die 61-Jährige fast zehn Jahre als Sprecherin für SPD-Finanzminister der Landesregierung. Seit Oktober 2007 ist Hendricks Schatzmeisterin der SPD.
 

JUSTIZMINISTERIUM

HEIKO MAAS (47/SPD): Der studierte Jurist bewarb sich dreimal für die SPD um das Amt des Regierungschefs in Saarbrücken, dreimal zog er den Kürzeren. Von 1999 bis 2012 stand der gebürtige Saarländer an der Spitze der Landtagsfraktion, seit 2000 führt er auch die Landes-SPD. In der schwarz-roten Saar-Koalition war er Wirtschaftsminister.
 

FAMILIENMINISTERIUM

MANUELA SCHWESIG (39/SPD): Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann, mit dem sie einen Sohn hat, nach Schwerin. Sie trat erst 2003 in die SPD ein, 2008 wurde sie Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2009 ist sie auch SPD-Vize.
 

ENTWICKLUNGSMINISTERIUM

GERD MÜLLER (58/CSU): Nach acht Jahren als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium steigt der promovierte Wirtschaftspädagoge zum Minister auf. Mitglied des Bundestags ist der auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsene CSU-Politiker seit 1994.

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