Recht + Steuern Mit einer Quote tut man uns Frauen keinen Gefallen!

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Ab 2016 soll eine gesetzliche Frauenquote für Top-Positionen in Unternehmen gelten.

Ab 2016 soll eine gesetzliche Frauenquote für Top-Positionen in Unternehmen gelten.© krissikunterbunt - Fotolia.com

Eine gesetzlich geregelte Frauenquote nimmt Firmen die Wettbewerbsfähigkeit und stempelt gut qualifizierte Frauen zu „Quotenfrauen“ ab, schreibt Unternehmerin Marie-Christine Ostermann. Die impulse-INSIDERIN plädiert stattdessen für bessere Rahmenbedingungen und sagt: Eine Frauenquote ist diskriminierend - auch für Männer.

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland eine intensive Diskussion zum Thema Frauenquote für Führungskräfte. Die gesetzliche Frauenquote wird voraussichtlich kommen – über die Details verhandeln CDU/CSU und SPD momentan noch.

Mich ärgert die Forderung nach einer gesetzlichen Frauenquote. Denn ich bin mir sicher: Mit einer Quote tut man uns Frauen keinen Gefallen. Durch ein solches Gesetz würden gut ausgebildete Frauen zu „Quotenfrauen“ abgestempelt. Das wäre für die Frauen sehr demotivierend und kontraproduktiv für ein gleichberechtigtes Miteinander in den Unternehmen.

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Ich möchte mir nicht den Vorwurf anhören müssen, dass ich meine Aufsichtsratpositionen doch nur aufgrund meines Geschlechts bekommen habe und nicht aufgrund meines Könnens. Bei der Stellenbesetzung sollte ausschließlich die Qualifikation entscheiden, nicht das Geschlecht. Ich finde schon den ab und zu geäußerten Vorwurf anstrengend genug, ich sei nur Chefin von Rullko, weil ich die Tochter vom Seniorchef sei. Daß ich eine sehr gute Ausbildung habe, meinen Erfolg hart erarbeite und es auch ganz unabhängig von meiner Familie in den Aufsichtsrat eines M-Dax-Unternehmens geschafft habe, wird manchmal nicht berücksichtigt.

Wie passt eine Frauenquote eigentlich zum Anti-Diskriminierungsgesetz, welches vorgibt, dass niemand aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden darf? Eine Frauenquote würde zum einen die Frauen diskriminieren, deren Karriere durch eine Quote bei weitem nicht so anerkannt und respektiert wäre wie eine Karriere allein durch Leistung. Eine Frauenquote würde zum anderen aber im konkreten Fall auch die Männer diskriminieren, die bei Auswahlverfahren aufgrund ihres Geschlechts erst in zweiter Linie berücksichtigt würden. Manche Männer müssten wahrscheinlich auch entlassen oder innerhalb ihres Unternehmens zurückgestuft oder versetzt werden, damit die Frauenquote erfüllt werden kann.

Frauenquote ist Planwirtschaft

Und was ist mit anderen „Minderheiten“? Wenn wir eine Frauenquote für Führungskräfte festlegen, müssten wir konsequenterweise auch Quoten für zum Beispiel Alter, Herkunft und Religion festlegen, um die Vielfalt der Gesellschaft in den Führungspositionen darzustellen und allen Gruppen gerecht zu werden.

Eine Frauenquote ist Planwirtschaft pur und hat mit unserem insgesamt gut funktionierenden System der sozialen Marktwirtschaft wenig zu tun. Dass Planwirtschaft sehr schlecht funktioniert und Freiheit sowie Wohlstand stark einschränkt, haben wir im Extremfall in der Vergangenheit immer wieder gesehen, zum Beispiel in Venezuela, Kuba oder auch in der damaligen DDR. Die wichtigste Spielregel der sozialen Marktwirtschaft, die Einheit von Risiko und Haftung, würde außerdem durch eine Quote außer Kraft gesetzt. Der Staat entscheidet bei einer Quote über das Personal in den Unternehmen, haftet aber nicht für die Folgen dieser Entscheidung. Das Aussetzen von Haftung führt erfahrungsgemäß nicht zu den besten und wohl überlegten Entscheidungen.

Die Wirtschaft kann nachhaltig nur dann gut funktionieren, wenn Entscheidung und Haftung eine Einheit bilden. Der beste Beleg dafür ist die Finanz- und Staatsschuldenkrise, in welcher der Steuerzahler anstelle von Eigentümern und Gläubigern für Verluste aufkommen musste und nach wie vor muss. Wenn Politiker meinen, sie könnten frei von Kenntnissen der Branche und der Firma und frei von Haftung bessere unternehmerische Entscheidungen treffen als Unternehmer und Manager aus der Praxis, ist das ein fataler Trugschluss. Der Eingriff in die unternehmerische Freiheit durch eine Frauenquote ist somit nicht verhältnismäßig und nicht zielführend.

Wenn Unternehmer und Manager nicht mehr die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihr Unternehmen auswählen dürfen, werden ihre Firmen irgendwann einfach nicht mehr wettbewerbsfähig sein und langfristig vom Markt verschwinden. In Norwegen sind die Aktienkurse vieler Firmen in den Keller gegangen, nachdem eine Frauenquote für Verwaltungsräte in einer Hauruck-Aktion dort sehr abrupt eingeführt wurde. Die Frauen waren für diese Positionen einfach noch zu unerfahren. Gut durchgesetzt hat sich die Frauenquote in Norwegen bis heute nicht, da sich nach wie vor wenige Frauen viele Aufsichtsratposten teilen und viele Firmen auch die Rechtsform geändert haben, um der Quote zu entgehen.

Bessere Rahmenbedingungen statt Frauenquote

Eine Frauenquote ist Schaufensterpolitik, die viel Aufsehen erregt, aber den Frauen nicht weiterhilft. Ein höherer Frauenanteil in Führungsgremien lässt sich durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen viel sinnvoller erreichen als durch gesetzlichen Zwang. Zu diesen Rahmenbedingungen gehört vor allem die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier müssen insbesondere die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren weiter ausgebaut werden, ebenso wie das Angebot von Ganztagsschulen. Frankreich ist das beste Beispiel dafür, dass auch Frauen, die viele Kinder bekommen, gut ihrem Beruf nachgehen können. Keine Frau wird in Frankreich als Rabenmutter angesehen, weil es dort gang und gebe ist, dass beide Elternteile arbeiten und die Kinder ganztätig betreut werden.

Ganz wichtig ist aber auch, dass die Unternehmen gute Rahmenbedingungen für Eltern schaffen, Beruf und Kinder miteinander zu vereinbaren. Frauen und Männer mit und ohne Führungspositionen in meinem Unternehmen können flexibel arbeiten, zum Teil nach flexiblen Arbeitszeiten und zum Teil aus dem Homeoffice. Zum Beispiel arbeitet auch ein Vater in leitender Führungsposition einige Tage pro Woche von zu Hause aus und kann somit seine Familie und sein Privatleben besser mit seinem Beruf vereinbaren. Wenn es nicht anders geht, bringen die Mitarbeiter in Ausnahmefällen ihre Kinder auch schon mal mit ins Büro. Natürlich gibt es bei unserer recht überschaubaren Unternehmensgröße einen kurzen, direkten Draht zwischen den Chefs und den Mitarbeitern, so dass wir mit allen Eltern individuelle Lösungen finden, mit denen sowohl die Mitarbeiter, als auch die Firma gut leben können. Ich bin optimistisch, dass sich durch entsprechende Organisation zum Beispiel kleinerer Untereinheiten individuelle Lösungen auch in Großunternehmen schaffen lassen können.

Darüber hinaus müssen stärkere Anreize gesetzt werden, dass mehr Frauen Studiengänge im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften belegen. Denn solche Studienfächer qualifizieren in der Regel mehr für Top-Positionen in der Wirtschaft als ein Studium der Kunstgeschichte oder der Literaturwissenschaft. Gerade in Deutschland werden viele Führungspositionen in der Industrie mit Ingenieuren besetzt. Und für ein Unternehmen aus der Automobilzulieferer- oder Chemiebranche ist es deutlich schwieriger, viele geeignete Frauen für Vorstands- und Aufsichtsratposten zu finden als zum Beispiel für ein Unternehmen aus dem Lebensmittelhandel. Deshalb ist es auch so wichtig, dass erfolgreiche Frauen in Führungspositionen auch in der Öffentlichkeit präsent sind, um andere Frauen für einen ähnlichen Weg zu motivieren.

Schließlich ist es aber auch notwendig, einen Bewusstseinswandel in den Unternehmen herbeizuführen: Frauen in Führungspositionen müssen als selbstverständlich angesehen werden. Sie dürfen nicht als Rabenmütter verurteilt werden, nur weil sie beides wollen: Kinder und Karriere. Und wir brachen mehr mutige Männer, die Frauen eine Chance geben. Eine gläserne Decke gibt es durchaus in manchen Unternehmen, aber mit ihrem „Denken von Gestern“ werden diese Firmen in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erfolgreich sein, weil die besseren Arbeitskräfte dann für andere Firmen arbeiten. Für einen solchen Bewusstseinswandel bedarf es jedoch keiner Gesetzeskeule. Glücklicherweise haben die meisten Männer längst erkannt, wie wichtig kompetente Frauen für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen sind.

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