Recht + Steuern Prozessende steht bevor: Uli Hoeneß bangt um seine Freiheit

Uli Hoeneß muss bald seine Gefängnisstrafe antreten.

Uli Hoeneß muss bald seine Gefängnisstrafe antreten.© Harald Bischoff / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

Für Uli Hoeneß kommt der Tag der Entscheidung. Richter Heindl muss nun ein Urteil über den Steuersünder fällen. Im schlimmsten Fall droht dem Bayern-Präsidenten Gefängnis.

Für Bayern-Boss Uli Hoeneß naht die Stunde der Wahrheit – jetzt liegt die Frage über Haft oder Freiheit in den Händen der Richter. Das Münchner Landgericht fällt mit großer Wahrscheinlichkeit doch schon an diesem Donnerstag das Urteil über den prominenten Steuersünder. Im schlimmsten Fall droht dem Bayern-Boss eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, sofern das Gericht einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung bejahen sollte.

Die Kammer geht dabei von einer Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro aus – und nicht von den 3,5 Millionen, welche die Staatsanwaltschaft dem Präsidenten des FC Bayern in der Anklage vorgeworfen hatte. Das sagte Richter Rupert Heindl am Mittwoch.

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Auch Hoeneß‘ Verteidigung erkennt die schwindelerregend hohe Summe widerspruchslos an. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß‘ Anwalt Hanns W. Feigen. Davon, dass die Selbstanzeige des Bayern-Bosses gültig und damit zumindest strafmindernd ist, geht die Verteidigung dennoch aus. Die Zahlen seien keine Überraschung. „Wir sind ja nicht dämlich!“, erklärte Feigen.

Anwalt: Sämliche Zahlen in Selbstanzeige enthalten

„In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten“, betonte der prominente Anwalt aus Frankfurt. Noch zum Prozessauftakt am Montag hatte die Verteidigung von 18,5 Millionen gesprochen. Die 27,2 Millionen wurden erst nach der Aussage einer Rosenheimer Steuerfahnderin öffentlich. Die Differenz von knapp neun Millionen Euro erklärte Feigen damit, dass die 18,5 Millionen Euro Schätzungen gewesen seien.

Die Staatsanwaltschaft sieht das völlig anders. Sie fühlt sich nach den spektakulären Summen, die im Prozess auf den Tisch gekommen sind, in ihrer Annahme bestätigt, dass Hoeneß‘ Selbstanzeige vom 17. Januar 2013 überaus fehlerhaft ist. Wenn die Kammer nach den für Donnerstagmorgen geplanten Plädoyers dieser Ansicht zustimmt, kommt Hoeneß nach Ansicht vieler Experten um eine Gefängnisstrafe wohl nicht mehr herum. Für den Fußball-Funktionär wird es eng.

„Wenn es zu einer Verurteilung kommt, dann wird auch die Summe der hinterzogenen Steuern eine Rolle spielen“, verdeutlichte Gerichtssprecherin Andrea Titz. Hoeneß kann nach dem ungünstigen Verlauf des Prozesses wohl nur noch auf Richter Heindl und ein mildes Urteil hoffen.

Hoeneß verfolgte das Geschehen auch am Mittwoch erneut ohne jede Wortmeldung. Seine Mimik und Gestik scheint der sonst öffentlich oft sehr emotionale und aufbrausende Bayern-Patron vor Gericht bewusst zu kontrollieren.

Nicht nur Hoeneß‘ Ruf steht auf dem Spiel

Aber selbst bei einem milden Urteil, etwa einer Bewährungsstrafe, wird die Steueraffäre für den Bayern-Boss Folgen haben. Mindestens 27,2 Millionen Euro muss er an den Fiskus nachzahlen. Die zehn Millionen, die er beim Finanzamt hinterlegt hat und die Kaution von fünf Millionen Euro, die er im Frühjahr 2013 gezahlt hat, um der Untersuchungshaft zu entgehen, machen gerade einmal rund die Hälfte aus.

Und nachdem immer mehr Politiker ihn auffordern, seine Spitzenämter beim FC Bayern aufzugeben, steht dort noch mehr auf dem Spiel als sein ohnehin verlorener Ruf als moralische Instanz und Vorbild. Die Aufsichtsräte der FC Bayern AG wollen weiterhin das Urteil abwarten, ehe sie eine Entscheidung über ihren Vorsitzenden treffen.

Der dritte Prozesstag hatte mit einer zehnminütigen Verspätung des Angeklagten und auch des Staatsanwaltes im Gerichtssaal begonnen. Die beiden letzten Zeugen mussten nur kurz befragt werden. Ein Betriebsprüfer schilderte, wie Steuerprüfungen in Deutschland beim Großverdiener Hoeneß abliefen. Der 62-Jährige wird automatisch überprüft, weil seine Einkünfte 500.000 Euro im Jahr übertreffen.

EDV-Experte: „Grunddokument“ schon im Januar 2013 erstellt

Mit Spannung erwartet worden war die Aussage eines EDV-Experten im Finanzamt Rosenheim. Er berichtete, dass ein „Grunddokument“ zwar schon am 18. Januar 2013 um 16:21 Uhr erstellt worden sei, nur einen Tag nach der Selbstanzeige von Hoeneß. „Das bedeutet, dass zumindest ein Element in dieser Datei erstellt wurde. Es bedeutet aber nicht, dass sie abgeschlossen wurde“, erläuterte der Mann. Mehrere Teile seien in den Monaten danach noch hinzugefügt worden. Die Hoeneß-Anwälte hatten die komplette Datei erst wenige Tage vor Prozessbeginn an die Steuerfahndung übergeben. Den Vorwurf, sie hätten Material zurückgehalten, wiesen Hoeneß‘ Anwälte zurück. Diese These sei „reiner Unfug“ gewesen, sagte Feigen.

1 Kommentar
  • abc 13. März 2014 10:12

    Auch Frauenrechtlerin Alice Schwarzer blieb straffrei nach eine Selbstanzeige bei den Finanzbehörden, warum soll es bei Uli Hoeneß anders sein, wir sind in Deutschland und nicht in eine „Bananenrepublik

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