Arbeitsunfall melden Was Arbeitgeber über die Meldepflicht bei Unfällen wissen müssen
Ein Mitarbeiter tritt im Betrieb in einen Nagel und fällt mehr als drei Tage aus? Als Arbeitgeber muss man diesen Arbeitsunfall melden.

Ein Mitarbeiter tritt im Betrieb in einen Nagel und fällt mehr als drei Tage aus? Als Arbeitgeber muss man diesen Arbeitsunfall melden.© Waler / Fotolia.com

Ein Mitarbeiter hat sich verletzt? Unter Umständen muss der Arbeitgeber diesen Arbeitsunfall melden. Alle Informationen zur Meldepflicht im Überblick.

Wann ist ein Unfall als Arbeitsunfall einzustufen?

Als Arbeitsunfall (teilweise auch Betriebsunfall oder Berufsunfall genannt) gelten alle Unfälle,

  • die dem Mitarbeiter auf dem Weg zwischen Wohnung und Betrieb (Wegeunfall) oder während der Arbeitszeit passieren. Festgelegt ist das im siebten Buch des Sozialgesetzbuchs (§ 8 SGB VII).
  • Zur betrieblichen Tätigkeit gehören auch die Instandhaltungen von Maschinen und Werkzeugen sowie die Teilnahme am Betriebssport, an Dienstreisen, an Betriebsausflügen beziehungsweise Betriebsfesten.

Hat sich ein Arbeitnehmer verletzt, während er in der Arbeitszeit seinen Privatangelegenheiten nachging, gilt der Unfall nicht als Arbeitsunfall. Folglich übernimmt der Unfallversicherungsträger die Kosten nicht. So urteilte etwa das Sozialgericht Karlsruhe im Oktober 2015, dass eine Arbeitnehmerin keinen Unfallversicherungsschutz genießt, wenn sie außerhalb der üblichen Pausenzeiten ihren Arbeitsplatz verlässt, um eine Zigarettenpause einzulegen (Az.: S 4 U 1189/15). Ebenfalls nicht als Versicherungsfall gelten Unfälle, wenn der Arbeitnehmer Schutzanweisungen ignoriert hat, etwa trotz Helmpflicht keinen Helm getragen hat.

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Wann muss ein Arbeitsunfall bei der Berufsgenossenschaft oder der Unfallkasse gemeldet werden?

Der zuständigen Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen müssen laut § 193 SGB VII alle Arbeitsunfälle gemeldet werden, in deren Folge ein Mitarbeiter mehr als drei Kalendertage ausfällt. Der Unfalltag wird bei der Berechnung nicht mitgezählt. Ebenfalls meldepflichtig sind tödliche Arbeitsunfälle.

Binnen welcher Frist muss die Meldung des Arbeitsunfalls erfolgen?

Bei Unfällen mit schwerwiegenden Gesundheitsschäden sind die zuständigen Versicherungen sofort zu benachrichtigen. Ansonsten muss die Meldung innerhalb von drei Tagen nach dem Unfall erfolgen.

Wie kann der Arbeitgeber den Unfall melden?

Zur Meldung von Unfällen stellen die Berufsgenossenschaften beziehungsweise Unfallkassen in der Regel Formulare zur Verfügung. Zwei Exemplare sind an den Versicherungsträger zu senden. Der dritte Durchschlag sollte im Unternehmen archiviert werden. Viele Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bieten auf ihren Internetseiten auch die Möglichkeit, den Unfall online zu melden.

Wer muss die Unfallanzeige noch erhalten?

Zusätzlich zum Versicherungsträger erhalten das Gewerbeaufsichtsamt oder das Staatliche Amt für Arbeitsschutz eine Kopie.

Welche Besonderheiten gelten für geringfügig Beschäftigte?

Geringfügig Beschäftigte, so genannte Minijobber, müssen nicht nur bei der Minijob-Zentrale, sondern auch bei der Unfallversicherung angemeldet werden. Sie sind gegen die Folgen von Arbeitsunfällen sogar dann versichert, wenn der Firmenchef die offizielle Meldung noch nicht abgegeben hat.

Welche Informationen sind wichtig für den Mitarbeiter?

Nach einem Arbeitsunfall kann sich der Mitarbeiter nicht von einem Mediziner seiner Wahl behandeln lassen. Muss er beispielsweise länger als eine Woche ärztlich behandelt werden oder müssen ihm Heil- und Hilfsmittel verordnet werden, hat der Mitarbeiter einen Durchgangsarzt aufzusuchen. Diese mehr als 3500 Mediziner werden von der Berufsgenossenschaft beziehungsweise der Unfallkasse bestimmt und sind in der Regel Fachärzte für Chirurgie oder Orthopädie. Zudem verfügen die Experten über eine besondere Ausbildung in Sachen Begutachtung und Behandlung von Unfallverletzungen.

Was sollte der Arbeitgeber noch bedenken?

Beschäftigt ein Unternehmer zwei oder mehr Mitarbeiter, braucht er mindestens einen Ersthelfer, der Verletzte versorgen kann, bis ärztliche Hilfe eintrifft. Die entsprechenden Regelungen zum Thema Ersthelfer im Betrieb sollte deshalb jeder Arbeitgeber kennen.

Und: Wenn ein Mitarbeiter nach einem Arbeitsunfall ins Krankenhaus muss oder sogar stirbt, ist das für die Angehörigen, die Kollegen und auch für den Arbeitgeber eine schwierige Situation. Wie sich Arbeitgeber im Krisenfall verhalten sollten, lesen Sie in unserem Artikel zum Umgang mit Arbeitsunfällen.

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8 Kommentare
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    Christian Sprotte 30. Juni 2020 13:08

    Fragen zu Arbeitsunfällen können Sie auch der Hotline der gesetzlichen Unfallversicherung stellen. Telefon: 0800 60 50 40 4

    Mit freundlichen Grüßen
    Christian Sprotte
    Pressesprecher der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse

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    Gross 29. Juni 2020 23:01

    Guten Morgen,ich habe bei A L ein Unfall Gefahr gemeldet.Bin bei Transport mit Materiale mit eine Amaize. Nach was habe das Unfall Gefahr gemeldet .Ist der A. L von Büro raus und beleidigt mit die Worte du bist zu blöd Sol das mache.Das Sol ich bei meinem A L sagen Gemeldet habe war überast aber geglaubt har er nach ca 5 Minuten bin in die Toilette umgekippt.Stat ein Arzt zu holen hat mich zuhause geschickt.Das habe bei P B gemeldet Das liegt ca 6 Monat hinten .Was Sol ich mache? Kann noch in Anspruch nehmen.War 5 Tage krank

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    Holger 27. Januar 2020 15:55

    Hallo,
    ich bin vor ca. 10 Wochen auf der Arbeit gefallen,
    habe die Schmerzen zuerst auf die leichte Schulter genommen, da ich der Meinung war, mir lediglich den Ellenbogen geprellt zu haben….
    Mittlerweile lassen die Schmerzen nicht nach und ich möchte der Sache auf den Grund gehen….
    wird das als Arbeitsunfall noch anerkannt??

    Beste Grüße
    Holger

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    Manuela Dietrich 15. Januar 2020 11:08

    Mein Mann arbeitet bei einem öffentlichen Träger und hat sich vor acht Wochen das Handgelenk gebrochen. Er ist seither im Krankenstand und voraussichtlich ist auch noch kein Ende in Sicht. Da er nun schwer Beeinträchtigt ist möchte ich gerne Wissen ob er Schmerzensgeld bzw Verdienst ausgleich beantragen kann. Wenn ja, wo?

    Herzlichen Dank

    • Angelika Unger
      Angelika Unger 15. Januar 2020 11:40

      Guten Tag,

      für Rechtsberatung in Einzelfällen wenden Sie sich bitte an einen Anwalt.

      Viele Grüße vom impulse-Team

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    Anton 29. Januar 2019 16:58

    Wo bekomme ich heraus, welche BG für mich verantwortlich ist, wenn mein Arbeitgeber mir nach mehrmaligem Auffordern keine Antwort gibt?

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      AH 25. März 2019 20:10

      Normalerweise sollte der Betriebsrat bescheid wissen.

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    Fuss Nicoleta 9. November 2018 14:58

    Hallo,
    ich habe auf der Arbeit schwer gehoben und habe mich innerlich verletzt gefüllt.
    Ich bin zum Arzt gegangen und stellte sich vor das ich ein gebrochene Wirbel habe.
    Ich habe die Ärzte bescheid gegeben das ich mich auf der Arbeit verletzt habe, hat aber keine von der Ärzte das als Arbeitsunfall angekreuzt.
    Was kann ich jetzt machen? Ich bin noch im Behandlung…?
    Wo kann ich mich anwenden?
    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    Mit freundlichem Gruß

    Nicoleta Fuss

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