Führungszeugnis Ist mein Bewerber vorbestraft?

War der Bewerber schon mal im Gefängnis?  Diese Information finden Arbeitgeber im Führungszeugnis.

War der Bewerber schon mal im Gefängnis? Diese Information finden Arbeitgeber im Führungszeugnis.© Darrin Klimek / DigitalVision / Getty Images

Hat ein Kandidat eine dunkle Vergangenheit? Wer es als Arbeitgeber ganz genau wissen will, kann ein Führungszeugnis verlangen. Das steht drin.

Vorbestraft oder nicht? Manche Arbeitgeber gehen auf Nummer sicher. Sie verlassen sich nicht nur auf das Wort ihres Mitarbeiters im Vorstellungsgespräch, sondern sie wollen es zusätzlich auch noch schwarz auf weiß wissen – und zwar in Form eines Führungszeugnisses.

Was steht drin im Führungszeugnis?

Umgangssprachlich ist häufig von einem „polizeilichen“ Führungszeugnis die Rede. Der offizielle Name des Dokuments lautet jedoch „privates Führungszeugnis“. Es geht nämlich nicht darum, dass jemand mit einem Führungszeugnis seine bisherigen Kontakte mit der Polizei offenlegt, wie eine Sprecherin des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin erklärt. Vielmehr werden in dem Dokument lediglich schwere Verurteilungen aufgelistet.

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Das private Führungszeugnis ist ein Auszug aus dem Bundeszentralregister. In dem Dokument listet das Bundesamt für Justiz sämtliche Strafen auf, die Gerichte in Deutschland gegen einen Betroffenen in den vergangenen Jahren verhängt haben.

Welche Straftaten sind nicht im Führungszeugnis aufgeführt?

Längst nicht alle Vergehen sind im Führungszeugnis nachzulesen. „Geldstrafen bis zu 90 Tagessätzen und Freiheitsstrafen unter drei Monaten finden im Führungszeugnis keine Erwähnung“, erklärt der Hamburger Rechtsanwalt Jes Meyer-Lohkamp. Nur wer zu höheren Strafen verurteilt wurde, gilt als vorbestraft.

Wann dürfen Chefs ein erweitertes Führungszeugnis verlangen?

Neben einem privaten gibt es ein erweitertes Führungszeugnis. „Es informiert über etwaige Sexualdelikte oder Straftaten gegenüber Minderjährigen“, erläutert Michael Sittig von der Stiftung Warentest in Berlin. Ein solches Dokument kann ein Arbeitgeber von jemandem verlangen, der beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten möchte.

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„Ein erweitertes Führungszeugnis ist auch für Tätigkeiten in Einrichtungen für pflegebedürftige und behinderte Menschen sowie mit minderjährigen Asylsuchenden verpflichtend“, sagt die Ministeriumssprecherin. Dem Antrag muss eine schriftliche Aufforderung des Arbeitgebers beigefügt werden.

Welche Führungszeugnisse gibt es noch?

Ein europäisches Führungszeugnis kann ein Arbeitgeber von einem Mitarbeiter einfordern, der aus einem anderen EU-Mitgliedsland kommt. Ein behördliches Führungszeugnis ist nötig, um ein Gewerbe anzumelden. Darin sind Entscheidungen von Ämtern über den Gewerbeanmelder enthalten, etwa der Widerruf einer Gewerbeerlaubnis oder eines Waffenscheins. „Im erweiterten behördlichen Führungszeugnis ist alles aufgeführt, was strafrechtlich von Relevanz sein könnte“, erklärt Meyer-Lohkamp. Solche Auszüge bekommen allerdings nur Richter und Staatsanwälte zu sehen. Sie informieren sich so beispielsweise, ob ein Angeklagter schon einmal verurteilt wurde.

Werden Einträge im Führungszeugnis irgendwann entfernt?

Egal, um welche Art von Führungszeugnis es sich handelt: Was einmal in einem solchen Dokument festgehalten wurde, verjährt mit der Zeit. „Die Einträge werden im Führungszeugnis je nach Schwere der Straftat nach Ablauf von drei, fünf oder zehn Jahren nicht mehr aufgeführt“, sagt Meyer-Lohkamp.

Voraussetzung für die Verjährung: Der Verurteilte darf in dem Zeitraum kein weiteres Mal verurteilt werden. Bekommt jemand für ein Vergehen, das im Führungszeugnis steht, ein weiteres Mal eine Strafe von einem Gericht aufgebrummt, dann werden auch alte Einträge nicht gelöscht. Sie bleiben so lange stehen, bis auch der neue Eintrag verjährt ist.

1 Kommentar
  • DSB DSB 9. November 2017 22:10

    Bitte bennen Sie auch, dass es Datenschutzrechtlich nur in wenigen Fällen gestattet ist ein Führungszeugnis einzuholen, da es nach Par. 32 BDSG in vielen Fällen nicht für die Begründung des Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist und meist mehr Daten beinhalten kann als für die Entscheidung relevant ist (Datenminimierung nach Par. 3a BDSG)

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