Midijob Diese Änderungen gelten ab 1. Juli 2019 bei Midijobs

Ein Midijob steht zwischen Minijob und einer reguläreren Beschäftigung.

Ein Midijob steht zwischen Minijob und einer reguläreren Beschäftigung.© MichaelJBerlin/photocase.de

Ab 1. Juli 2019 steigt die Verdienstgrenze für Midijobs. Dadurch werden Millionen Arbeitnehmer neu zu Midijobbern. Was das für Arbeitgeber bedeutet – und was sich für die Buchhaltung ändert.

Was ist überhaupt ein Midijob?

Was die Sozialabgaben angeht, liegen Midijobs zwischen Minijobs und einer regulären Beschäftigung.

Anders als Arbeitnehmer mit einem Minijob sind Midijobber sozialversicherungspflichtig; sie zahlen jedoch einen geringeren Beitragssatz als reguläre Angestellte. In der so genannten Gleitzone für Midijobs steigen die Beiträge für den Mitarbeiter Schritt für Schritt an, bis sie schließlich das volle Abgabenniveau erreichen: rund 20 Prozent des Einkommens.

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Die Midijob-Regelung gilt jedoch nicht für alle Arbeitskräfte: „Davon ausgenommen sind Auszubildende, Studenten in dualen Studiengängen sowie Praktikanten und Bufdis, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr leisten“, sagt André Fasel, Experte für Versicherungs- und Beitragsrecht bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See.

Für den Arbeitgeberanteil beim Midijobber-Gehalt gelten dieselben Beitragssätze wie bei anderen Beschäftigten; auch müssen Unternehmen Midijobber regulär bei den Sozialversicherungsträgern anmelden. „Anders als bei Minijobs ist dafür die Krankenkasse des Mitarbeiters zuständig“, erläutert Fasel. Die Kasse fungiert als Einzugsstelle für die gesamten Sozialabgaben.

Was ändert sich am 1. Juli 2019?

Die Gleitzone wird umbenannt: Ab 1. Juli 2019 heißt sie Übergangsbereich. Der Übergangsbereich wird zudem ausgeweitet. Künftig deckt er Einkommen von 450,01 Euro bis 1300 Euro im Monat ab. Bisher lag die Grenze bei 850 Euro (§ 20 SGB 4).

Welche Mitarbeiter fallen dadurch neu unter die Midijob-Regelung?

Beschäftigt ein Arbeitgeber Mitarbeiter, die durchschnittlich zwischen 850 und 1300 Euro verdienen, zählen diese ab 1. Juli 2019 neu zu den Midijobbern und profitieren von verringerten Sozialversicherungsbeiträgen. Insbesondere rutschen viele Teilzeitkräfte durch die Reform in den Übergangsbereich.

Das Arbeitsministerium geht davon aus, dass künftig insgesamt 3,5 Millionen Beschäftigte unter die Midijob-Regelung fallen.

Was gilt, wenn ein Mitarbeiter neben dem Midijob weitere Jobs hat?

Sollte ein Arbeitnehmer mehrere Jobs haben, werden die Gehälter aller Jobs addiert. Die Gesamtsumme entscheidet, ob der Arbeitnehmer als Midijobber eingestuft wird oder ob er den vollen Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss.

Beispiel: zwei Midijobs

  • Verdienst in Midijob A: 500 Euro + Verdienst in Midijob B: 500 Euro = Gesamtverdienst 1000 Euro -> Midijob
  • Verdienst in Midijob A: 1000 Euro + Verdienst in Midijob B: 500 Euro = Gesamtverdienst 1500 Euro -> reguläre Beschäftigung

Übt der Arbeitnehmer neben dem Midijob noch Minijobs auf 450-Euro-Basis aus, so ist der erste Minijob anrechnungsfrei. Das Einkommen aus dem zweiten Minijob muss dagegen beim Midijob dazu gerechnet werden.

Beispiel: Midijob + Minijob

  • Verdienst in Midijob A: 1200 Euro + Verdienst in Minijob B: 400 Euro = Gesamtverdienst 1200 Euro -> Midijob
  • Verdienst in Midijob A: 1200 Euro + Verdienst in Minijob B: 200 Euro + Verdienst in Minijob C: 200 Euro = Gesamtverdienst 1400 Euro -> reguläre Beschäftigung

Arbeitnehmer müssen ihren Arbeitgeber informieren, wenn sie mehrere Jobs haben, damit dieser die Sozialabgaben korrekt berechnen, melden und abführen kann.

Was passiert, wenn ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer fälschlich als Midijobber deklariert?

„Wenn der Midijobber mehr verdient hat als 1300 Euro, muss der Arbeitgeber dessen Sozialbeiträge nachzahlen“, warnt Fasel. Ein Rückerstattungsanspruch gegen den Arbeitnehmer besteht nur für die vergangenen drei Monate. Für diesen Zeitraum kann der Arbeitgeber die nachgezahlten Sozialabgaben mit künftigen Lohnzahlungen verrechnen. „Sobald der Arbeitgeber merkt, dass seine Verdienstschätzung für das laufende Jahr falsch war, muss er das für die Zukunft korrigieren.“

Bei der Berechnung des durchschnittlichen Einkommens sind auch Weihnachts- und Urlaubsgeld zu berücksichtigen. Insgesamt darf der Verdienst 15.600 Euro im Jahr nicht überschreiten.

Versäumt es der Arbeitgeber umgekehrt, einen Angestellten als Midijobber einzustufen, hat der Mitarbeiter einen Anspruch auf Beitragsrückerstattung durch die Sozialversicherungsträger.

Was ändert sich noch bei Midijobs?

Midijobber erwerben künftig volle Rentenansprüche – trotz reduzierter Beiträge. Das macht die Meldung an die Rentenversicherung für Arbeitgeber komplizierter: Sie müssen ab 1. Juli 2019 sowohl das tatsächliche Gehalt ihrer Midijobber melden als auch ein fiktives beitragspflichtiges Gehalt, das über eine komplizierte Formel errechnet wird.

Wie lassen sich die reduzierten Sozialabgaben für Midijobber berechnen?

Bislang ließen sich die Sozialabgaben in der Gleitzone von 450,01 bis 850 Euro über Gleitzonenrechner im Internet berechnen – beispielsweise bei Smart-Rechner.de.

Ab 1. Juli 2019 ermitteln die meisten Rechner analog die Beiträge für den Übergangsbereich bis 1300 Euro. Auch die gängigen Lohnbuchhaltungsprogramme sind in der Lage, die Beiträge für Midijobber zu berechnen.

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