Recht + Steuern Steuerhinterzieher – Meister der Selbsttäuschung

Was verleitet einen Firmenchef zur Steuerhinterziehung? In impulse nennen 5 Unternehmer ihre Beweggründe.

Was verleitet einen Firmenchef zur Steuerhinterziehung? In impulse nennen 5 Unternehmer ihre Beweggründe.© Olaf Ballnus

Lauter billige Rechtfertigungen: Wer Steuern hinterzieht, greift die persönliche Integrität an – und den Zusammenhalt der Gesellschaft, kommentiert impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster.

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Eine zu hohe Belastung. Ein ungerechtes Steuersystem. Und ein Staat, der allzu leichtfertig Geld verschwendet. Es sind immer wieder die gleichen Argumente, mit denen sich Unternehmer, die es mit der Steuerehrlichkeit nicht so genau nehmen, rechtfertigen. Tatsächlich geht es um mehr als um ein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um eine Straftat, im Großen wie im Kleinen. Warum so viele sich dazu hinreißen lassen, lässt sich nur mit einem notorisch gestörten Verhältnis zum Staat erklären. Und mit einer Selbstverklärung.

Natürlich ist es richtig: Unternehmer sind diejenigen, die neue Ideen entwickeln, Mut haben, die mit neuen Produkten und Dienstleistungen Arbeitsplätze schaffen – allesamt Attribute, die der Staat gern für sich in Anspruch nähme, die aber seine tatsächlichen Fähigkeiten übersteigen. Der Staat hat eine andere Rolle. Er ist der Schiedsrichter, der die Regeln vorgibt, sich aber möglichst im Hintergrund halten sollte, damit sich das freie Spiel der Marktwirtschaft entfalten kann.

So weit die Theorie. In der bundesrepublikanischen Realität hat sich der Staat selten mit dieser Rolle begnügt. Zu verführerisch war es, selbst ein Trikot überzuziehen und ins Spiel einzugreifen – zumal wenn das Publikum applaudierte. So ärgerlich dieser Befund einer ausgeprägten Staatsgläubigkeit auch sein mag, weil er Marktverzerrungen und Bürokratie nach sich zieht, so sollte man nicht seine stabilisierende Wirkung vergessen.

impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster

impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster© impulse

Es war gerade das komplexe Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen, das für den Erfolg der sozialen Marktwirtschaft verantwortlich war. Der Hang zum Korporatismus wurde gerade in angelsächsischen Ländern oft kritisiert; die Firmen hierzulande aber profitieren seit Jahrzehnten von stabilen politischen Verhältnissen, einem funktionierenden Gemeinwesen und dem Zusammenhalt der Gesellschaft.

Natürlich ist dies nur eine Seite der Medaille. Wahr ist auch: Der Staat ist verkrustet und ständig in Versuchung, seinen Einfluss weiter auszudehnen – weil Politiker sich mit Blick auf Wahlen gern als Wohltäter aufführen, statt langfristig kluge Entscheidungen zu treffen und zu sparen. Dass die Nettokreditaufnahme 2012 erneut geringer ausfiel, feierte die Regierung als Erfolg – dabei stiegen die Schulden um weitere 22,5 Milliarden Euro.

Mehr Unternehmer in die Politik!

Vielleicht ist es angesichts solcher Zahlen und opportunistischer Entscheidungen vor allem das Gefühl der Ohnmacht, das den Unmut gegenüber dem Staat verstärkt. Wer es gewohnt ist, selbst zu entscheiden und für eigene Fehler zu haften, dem fällt es schwer, sich zu fügen. Aber wer diese Situation verändern will, muss dies mit demokratischen Mitteln tun, sei es mit dem Wahlzettel oder durch politisches Engagement. Zu Letzterem aber sind leider zu wenige Unternehmer bereit.

Wer Steuern hinterzieht, schafft sich zwar einen kurzfristigen finanziellen Vorteil, er greift aber die Grundlage der sozialen Marktwirtschaft an: dass jeder einen angemessenen Beitrag zur Gesellschaft leistet – und nicht jeder nach eigenem Gutdünken, sondern der Gesetzgeber, also die gewählte Mehrheit, über die Höhe entscheidet. Der soziale Zusammenhalt wird auf Dauer nur Bestand haben, wenn jeder Einzelne seine persönliche Integrität bewahrt. Und die lässt sich nicht in Euro aufwiegen.

 

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cover_110 Der Kommentar stammt aus dem impulse-Magazin 06/2013 und ist Teil der großen Titelgeschiche zu Steuerhinterziehung
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