Verlustverrechnung Zurück in die schwarzen Zahlen – dank einer Gesetzesänderung

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Mit dem neuen Gesetz können die roten Zahlen auf Antrag erhalten bleiben und mit Gewinnen verrechnet werden.

Mit dem neuen Gesetz können die roten Zahlen auf Antrag erhalten bleiben und mit Gewinnen verrechnet werden. © Avantgarde / Fotolia.com

Auf diese Gesetzesänderung haben Start-ups und krisengeplagte Firmen gewartet: Die Verlustverrechnung ist nun auch möglich, wenn neues Eigenkapital ins Unternehmen fließt – sogar rückwirkend. So funktioniert's.

Gute Nachricht für Unternehmer, die mit ihren Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) schwere Zeiten hinter sich haben: Für sie wird es ab sofort leichter, wieder durchzustarten. Denn anders als bisher gehen die aufgelaufenen Verluste (Verlustvortrag) für die Steuer nicht verloren, wenn die Firma neues Eigenkapital beschaffen kann – durch Aufnahme zusätzlicher Gesellschafter oder Wechsel von Anteilseignern. Dafür sorgt eine neue Vorschrift im Körperschaftsteuergesetz: Paragraf 8d.

Nunmehr bleiben die roten Zahlen auf Antrag erhalten und können demnächst mit Gewinnen verrechnet werden. Das spart kräftig Körperschaft- und Gewerbesteuer. Und das macht die Firma attraktiv für Investoren, die frisches Kapital für neues Firmenwachstum zur Verfügung stellen können. Davon profitieren Familienunternehmen, die einen Turnaround zu bewältigen haben. Ebenso Start-up-Unternehmen, die Anlaufverluste überwinden müssen.

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Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Grundsätzlich gilt: Wenn etwa neue Gesellschafter mit mehr als 25 Prozent Kapitalanteil einsteigen, gehen die Verluste mit demselben Anteil für die Steuer verloren. Sind es über 50 Prozent, fallen die Verluste komplett weg. Jetzt lassen sie sich in solchen Fällen per Antrag beim Finanzamt retten – sogar rückwirkend ab 2016. Allerdings nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: So darf sich der Geschäftsbetrieb seit drei Jahren (oder Firmengründung) nicht geändert haben und ist so fortzuführen. Hier kommt es in seiner Gesamtschau etwa auf die Kontinuität bei Produkten und Dienstleistungen, Kunden- und Lieferantenkreis an. Zudem darf die Firma keinen zusätzlichen Geschäftsbetrieb aufnehmen und sich nicht an Personengesellschaften beteiligen.

Vorteilsrechnung

Ein Ingenieur gründet Ende 2012 eine GmbH und betreibt damit einen Handel von IT-Hardware. Bis Ende 2015 sind 300.000 Verlustvortrag aufgelaufen. Zum 1. Januar 2016 steigt ein neuer Gesellschafter mit 51 Prozent Kapitalanteil ein. 2016 macht die Firma 100.000 Euro Gewinn, 2017 sind es 200.000 Euro. Die Rechnung zeigt, wie viel Steuern die GmbH spart, wenn sie die neue Verlustverrechnung beantragt.

Altes Recht
Gewinn 2016/17 300.000 Euro
Minus Verlustvortrag 0 Euro
Zu versteuern 300.000 Euro
Körperschaftsteuer (inkl. Solizuschlag) 50.325 Euro
Plus Gewerbesteuer (Hebesatz: 400%) 42.000 Euro
Steuer insgesamt 93.325 Euro

 

Neues Recht
Gewinn 2016/17 300.000 Euro
Minus Verlustvortrag 300.000 Euro
Zu versteuern 0 Euro
Steuer gespart 92.325 Euro

Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 03/2017

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2 Kommentare
  • Baumann 12. September 2017 14:23

    Sehr geehrtes Impulse Team,

    wie sieht denn die Situation der Verlustvorträge aus, wenn in 2013 ein neuer Gesellschafter mit 51% eingestiegen ist, dessen Anteile Ende 2014 wieder zurückerworben wurden, weil dieser Gesellschafter die Anteile wieder abstoßen wollte?
    Sowohl bei Erwerb der Anteile (über kapitalerhöhung) wie auch beim Verkauf bestanden Verlustvorträge.

    Können die Verlustvorträge (zumindest die vor dem Erwerb des Mehrheitsgesellschafters) teilweise wieder geheilt werden?

    • Angelika Unger 12. September 2017 15:08

      Sehr geehrter Herr Baumann,
      solche Detailfragen können wir leider nicht beantworten, das müssten Sie mit Ihrem Steuerberater klären.

      Herzliche Grüße vom impulse-Team

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