Recht + Steuern Umsatzsteuer

Die Abgabe auf den Austausch von Leistungen macht mehr als 30 Prozent der in Deutschland eingenommenen Steuern aus. Lesen Sie, wie sich die Umsatzsteuer zusammensetzt und was Sie als Unternehmer beachten müssen.

Die Umsatzsteuer ist der Höhe nach die bedeutendste Einnahmequelle von Bund, Ländern und Gemeinden. Das Aufkommen der Umsatzsteuer betrug in 2009 ca. 178 Mrd. Euro. Damit liegt der Anteil der Umsatzsteuer am Gesamtsteueraufkommen der Bundesrepublik Deutschland bei über 30 Prozent.

Wen betrifft die Umsatzsteuer?

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Laut Gesetz unterliegen der Umsatzsteuer Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Rahmen seines Unternehmens ausführt. Bei der Umsatzsteuer handelt es sich um eine so genannte indirekte Steuer. Das bedeutet: Steuerschuldner (Zahlungsverpflichteter) und wirtschaftlich Belasteter sind nicht identisch.

Wirtschaftlich belastet wird der Endverbraucher einer Ware oder Dienstleistung. Die Steuer wird prozentual berechnet. Der allgemeine Steuersatz in Deutschland beträgt 19 Prozent. Daneben gibt es einen ermäßigten Satz für bestimmte Güter wie Lebensmittel oder neuerdings auch Hotelleistungen.

In Deutschland ist die Umsatzsteuer so wie in allen Ländern der EU eine so genannte Allphasen-Netto-Umsatzsteuer. Das bedeutet, dass die Steuer in jeder Phase der Wertschöpfungskette (Rohstofflieferant – Hersteller – Großhändler – Einzelhändler – Endkunde) Umsatzsteuer erhoben wird.

Gleichzeitig können Unternehmen die von ihnen an ihre Lieferanten gezahlte Umsatzsteuer als so genannte Vorsteuer abziehen. Der vom Unternehmen erwirtschaftete Mehrwert muss von ihm an das Finanzamt abgeführt werden. Belastet wird nur der Endverbraucher.

Beispiel zum Vorsteuerabzug

Beispiel:
Ein Zulieferer verkauft Rohstoffe an einen Waschmittelfabrikanten für 1000 Euro + 19 Prozent Umsatzsteuer (= 190 Euro). Der Fabrikant erstellt daraus Waschmittel und verkauft sie für 3000 Euro plus Umsatzsteuer (570 Euro)an einen Großhändler. Der Fabrikant muss 570-190 = 380 Euro an das Finanzamt abführen. Der Großhändler liefert die Ware an einen Einzelhändler zu einem Preis von 4000 Euro + 760 Euro. Er muss 760-570 gleich=190 Euro an das Finanzamt zahlen. Der Einzelhändler verkauft das Waschmittel an seine Kunden für insgesamt 7140 Euro. Darin sind 1140 Euro Umsatzsteuer enthalten. Davon muss er 1140 – 760 = 380 Euro abführen. Die von den Kunden zu zahlenden 1140 Euro sind die Nettowerte der Vorstufen (190 + 380 + 190 + 380 = 1140 Euro).

Welche Fristen gelten?

Jeder Unternehmer hat bis zum 10. Tag nach Ablauf jedes Voranmeldungszeitraums (in der Regel jedes Vierteljahr) eine Voranmeldung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck an das Finanzamt zu übermitteln. Die dabei errechnete Vorauszahlung ist am 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums fällig. Wenn die Umsatzsteuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 7500 Euro betragen hat, müssen Firmenchefs die Voranmeldung monatlich einreichen. Diese gleiche Pflicht trifft Existenzgründer immer.

Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr nicht mehr als 1000 Euro, kann das Finanzamt den Unternehmer von der Verpflichtung zur Abgabe der Voranmeldungen und Entrichtung der Vorauszahlungen befreien.

Sonderregeln für Kleinunternehmer und Auslandsgeschäfte

Kleinunternehmer müssen grundsätzlich keine Umsatzsteuer berechnen und an das Finanzamt abführen. Im Gegenzug sind dann aber auch vom Vorsteuerabzug aus Rechnungen anderer Unternehmer ausgeschlossen. Als Kleinunternehmen gelten Firmen, deren Gesamtumsatz zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.

Kleinunternehmer dürfen aber für die Anwendung der normalen Umsatzsteuerregeln optieren. Das heißt, sie müssen ganz normal in Rechnungen an ihre Kunden die Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen. Wer die Option nutzt, ist für fünf Kalenderjahre daran gebunden. Das können sich beispielsweise Existenzgründer zunutze machen, wenn sie kräftig in ihre neue Firma investieren und aus den fälligen Rechnungen die Vorsteuer herausziehen wollen.

Machen Unternehmer Geschäfte mit ausländischen Kunden und Firmen, gelten umsatzsteuerlich besondere Vorschriften. Lieferungen in Nicht-EU-Länder sind generell umsatzsteuerfrei. Handelt es sich um Lieferungen innerhalb der Europäischen Union sind die nur dann umsatzsteuerfrei, wenn Firmenchefs ihre Waren oder Dienstleistungen an andere Unternehmen verkaufen oder für Ihren Betrieb einkaufen.

Damit Unternehmer steuerfrei an andere Firmen liefern dürfen, müssen sie für solche „innergemeinschaftlichen Lieferungen“ die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UStIdNr. oder UID) verwenden. Für Deutschland besteht sie aus dem Länderkürzel „DE“ sowie neun Ziffern.

Die betriebliche USt-IdNr. bekommen Unternehmer beim Bundeszentralamt für Steuern in Saarlouis, entweder per schriftlicher Anfrage oder per Internet. Ebenfalls bei dieser Behörde gibt es die Möglichkeit, sich die Gültigkeit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummern ausländischer Geschäftspartner bestätigen zu lassen. Damit sind Unternehmer auf der sicheren Seite. Sie haben dann die Gewissheit, dass ihr Geschäftspartner tatsächlich Unternehmer ist.

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