Recht + Steuern Verluste sind doch etwas wert

Wer künftig größere Anteile seiner Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) verkauft, spart in bestimmten Fällen kräftig Steuern - und zwar durch Verrechnung alter Verluste mit frischen Gewinnen.

So lautet die Quintessenz eines Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH, Az.: I R 14/11). Von dieser Entscheidung profitieren etwa Firmen, die zuletzt Verluste angesammelt haben. Für sie kann der Anteilsverkauf die richtige Strategie sein, um wieder für mehr Wachstum zu sorgen – vorausgesetzt, sie gewinnen damit zusätzliches Know-how und vor allem potente Kapitalgeber.

Der Steuertipp von
Heinrich Jürgen Watermeyer,
Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei DHPG in Bonn.

Nach wie vor stehen in vielen Betrieben aber alte „Verlustvorträge“ in den Büchern: rote Zahlen also, die das Unternehmen bisher noch gar nicht oder nur zum Teil mit späteren Gewinnen steuersparend verrechnen konnte. Denn seit 2008 galt zum Nachteil von Kapitalgesellschaften: Ihre Verlustvorträge gehen im Grundsatz für die Steuer verloren, wenn GmbH-Gesellschafter binnen fünf Jahren über 50 Prozent der Kapitalanteile verkaufen. Veräußern sie über 25 bis 50 Prozent, kappen Finanzbeamte die Verlustvorträge anteilig. Dieser Nachteil gilt nach Meinung der Behörden gar für die Verrechnung mit laufenden Gewinnen.

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So nicht, befand jetzt der BFH. Nun darf man vom Gesamtgewinn des Geschäftsjahrs, in dem die Transaktion über die Bühne geht, alte Verluste abziehen; maximal in Höhe des Gewinns, der von Jahresbeginn bis zum Zeitpunkt des Anteilsverkaufs angefallen ist (Zwischenbilanz). Da die Steuerbescheide der vergangenen Jahre meist noch zu ändern sind, können betroffene GmbH-Unternehmer unter Berufung auf das BFH-Urteil Erstattung verlangen.

Vorteilsrechnung

Eine GmbH verbuchte in den vergangenen Jahren insgesamt 1,5 Mio. Euro Verlust. Mitte des laufenden Geschäftsjahrs verkauft der Alleingesellschafter die Firma komplett. Von Beginn des Jahres bis zum Verkauf erzielt die GmbH 200.000 Euro Gewinn, danach weitere 150.000 Euro, der Jahresgewinn beträgt also 350.000 Euro. Die Rechnung zeigt, wie viel Körperschaft- und Gewerbesteuer die Firma spart, weil alte Verluste jetzt anteilig mit laufenden Gewinnen ausgeglichen werden dürfen:

Ohne Verlustverrechnung
Jahresgewinn 350.000
Steuer (bei 30 Prozent)* 105.000
Mit Verlustverrechnung
Jahresgewinn 350.000
Verlustabzug (anteilig) 200.000
zu versteuern 150.000
Steuer (bei 30 Prozent)* 45.000
Gespart 60.000

Angaben in Euro; *.Körperschaft- und Gewerbesteuer

Protokoll: R. Klimasch

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 06/2012.

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