Recht + Steuern Was die E-Bilanz für das Steuerrating bedeutet

Mit der Einführung der E-Bilanz müssen sich Firmen mit dem Steuerrating der Finanzverwaltung auseinandersetzen. Hochschulprofessor Joachim Fass erklärt, wie sich die Unternehmen im Vorfeld wappnen können, um der fiskalischen Rasterfahndung zu entgehen und einen unerwarteten Besuch des Betriebsprüfers zu vermeiden.

An Kreditratings der Banken und die Einstufung in Bonitätsklassen haben sich die Unternehmen gewöhnt. Mit Einführung der elektronischen Bilanz (E-Bilanz), wonach im Regelfall spätestens ab 2013 Jahresabschlussdaten in automatisierter Form an den Fiskus zu übermitteln sind, werden sie sich verstärkt mit einem weiteren Bewertungssystem auseinandersetzen müssen: Dem Steuerrating der Finanzverwaltung.

Mit seiner Hilfe soll die risikoorientierte Auswahl vielversprechender Betriebsprüfungsfälle erleichtert werden. Fraglich ist, wie sich die Unternehmen im Vorfeld wappnen können, um der fiskalischen Rasterfahndung zu entgehen und einen unerwarteten Besuch des Betriebsprüfers zu vermeiden.

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Die Häufigkeit der routinemäßigen Betriebsprüfungen richtet sich grundsätzlich nach der Unternehmensgröße. Großunternehmen, zu denen in der aktuellen Definition der Finanzverwaltung beispielsweise Fertigungsunternehmen ab einem Umsatz von 4 Mio. Euro und Handelsbetriebe ab einem Umsatz von 6,9 Mio. Euro zählen, sollen in der Regel lückenlos geprüft werden. Bei Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben liegen teilweise erhebliche Intervalle zwischen den einzelnen Prüfungen, wenn überhaupt eine Prüfung erfolgt.

Neben den routinemäßigen Kontrollen kommt es unter anderem dann zu bedarfsorientierten Außenprüfungen, wenn das Finanzamt Auffälligkeiten im Zahlenwerk nachgehen will. Durch die Einführung der E-Bilanz ist mit einer Verschiebung zu rechnen: Der Anteil der bedarfsorientierten Prüfungen an der Gesamtzahl der Prüfungsfälle wird steigen.

Grundlage aller Verfahren zur Erhöhung der Treffsicherheit bei steuerlichen Außenprüfungen ist ein umfangreicher Datenaustausch in elektronischer Form, durch den weitreichende Datenanalysen ermöglicht werden. Die Finanzverwaltung hat sich mit der E-Bilanz detaillierte Informationswünsche erfüllt. Durch die Vorgabe eines verbindlichen Gliederungsschemas (Taxonomie) werden erheblich mehr Informationen abgefragt, als es bisher üblich war. Insbesondere gehen die Informationspflichten in Teilbereichen auch weit über das hinaus, was nach handelsrechtlichen Maßstäben erforderlich ist.

Zwar besteht auch schon bisher die Verpflichtung, der Finanzverwaltung bei Betriebsprüfungen Daten in elektronischer Form zur Verfügung zu stellen; durch die E-Bilanz kann die die Datenanalyse künftig aber schon in der Vorstufe – der Auswahl der Prüfungsfälle – gezielt eingesetzt werden. Zu diesem Zweck eignen sich vor allem analytische Prüfungsverfahren.

Analytische Prüfungen basieren auf Kennzahlenanalysen, durch die auffällige Abweichungen von erwarteten Größen oder ungewöhnliche Veränderungen von Werten im Zeitablauf festgestellt werden sollen. Genau dies ist auch die Zielsetzung der Finanzverwaltung.
Solche Analysen sind für Betriebsprüfer natürlich nicht neu. Im Rahmen des „äußeren Betriebsvergleiches“ stellen sie schon bisher Daten des zu prüfenden Unternehmens denen vergleichbarer Betriebe gegenüber. Durch die E-Bilanz wird der Datenumfang künftig aber erheblich erweitert, und durch die elektronische Übermittlung werden die technischen Voraussetzungen für umfangreiche Analysen geschaffen.

Damit stellt sich die Frage, welches Referenzmodell die Finanzverwaltung zur Beurteilung von Abweichungen zugrunde legen wird. Bisher stützt sie sich auf branchenspezifische Ergebnis- und Renditegrößen, die regelmäßig in der sogenannten „Richtsatzsammlung“ veröffentlicht werden. Die Finanzverwaltung wird die Verfahren, die sie in Zeiten der E-Bilanz nutzen wird, um auffällige Steuerpflichtige zu identifizieren, aus nachvollziehbaren Gründen nicht preisgeben.

Ein wesentlicher Einflussfaktor wird aber der Vergleich mit branchentypischen Kennziffern bleiben. Für die Unternehmen, die schon bisher aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Benchmarking betrieben und externe Betriebsvergleiche durchgeführt haben, erweitert sich der Blickwinkel um die steuerliche Prüfungskomponente. Beim Einsatz des bilanzpolitischen Instrumentariums spielt der Abgleich des eigenen Bilanzbildes mit den branchenüblichen Verhältnissen künftig verstärkt eine Rolle.

Wer bisher noch keine umfangreicheren externen Betriebsvergleiche durchgeführt hat, für den bietet die E-Bilanz auch eine Chance: Vielleicht hat das steuerliche Benchmarking den positiven Effekt, Schwachstellen im eigenen Unternehmen aufzudecken.

Autor: Prof. Dr. Joachim Fass, Professor für externes Rechnungswesen und Bilanzierung an der Hochschule Aschaffenburg

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