Recht + Steuern Wie Familien dem Fiskus ein Schnippchen schlagen

Elterngeld, Kinderbetreuung, Studium und Vermietung an Angehörige - von diesem Jahr an bieten Fiskus und Familienkasse Eltern jede Menge Erleichterungen. Capital erläutert die wichtigsten Neuregelungen und gibt Tipps für die Steuererklärung 2011, für die leider noch die alten Vorschriften gelten.

Wenn Isolde Hartmann, 42, im Türrahmen des Kinderzimmers lehnt und ihrer Tochter Emma beim Spielen zusieht, freut sie sich jedes Mal aufs Neue: An diesem Morgen war die Achtjährige mit ihrem Au-pair-Mädchen Isabella im Museum. Jetzt knien beide auf dem Boden, Emma malt auf einem riesigen Papierbogen mit Wachsstiften ein Mammut und erzählt munter, was Alfredo, so heißt das Urtier, so alles erlebt – in fließendem Spanisch.

„Emma ist zweisprachig aufgewachsen“, erzählt Hartmann. Isabella ist nicht die erste Au-pair aus Lateinamerika, die sich um Emma kümmert. Seit die Kleine fünf Monate alt war, haben Kindermädchen mit im Haus gewohnt, die mit ihr Spanisch gesprochen haben. Der Clou: Den Großteil der Kosten konnten die Hartmanns von der Steuer absetzen. Das ging bislang jedoch nur so unkompliziert, weil beide berufstätig sind.

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Seit Anfang dieses Jahres können alle Paare Betreuungskosten für Kinder bis zu 14 Jahre absetzen, auch wenn ein Elternteil sich dazu entschlossen hat, sich komplett dem Haushalt zu widmen. Eine enorme Erleichterung und Folge des Steuervereinfachungsgesetzes.

Die Novellierungen betreffen eine ganze Reihe von Themen, die für Familien von Belang sind. Capital zeigt auf den folgenden Seiten, wie sie in der Steuererklärung fürs vergangene Jahr die bislang geltenden Regeln optimal nutzen und auf welche Neuerungen sie sich einstellen sollten. Dabei geht es unter anderem um die Steuerklassenwahl werdender Eltern, Regelungen rund ums Kindergeld, Vorschriften für die Vermietung von Wohnungen und Häusern an Angehörige – und um die neuen Spielregeln des Finanzamts bei der Kinderbetreuung.

Wie groß die Vorteile für Familien durch die Novellierung des Steuerrechts sein werden, wird deutlich am Lob von Steuerexperten. Rudolf Gramlich hält zum Beispiel die neuen Vorschriften rund um die Kinderbetreuung für „einen ganz wesentlichen Beitrag zur viel geforderten Steuervereinfachung“. Gramlich leitet das Steuerwesen beim Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring in Darmstadt und gehört damit zu einer Expertengruppe, die mit spektakulären Musterklagen – etwa zur Pendlerpauschale – den Fiskus bei unklar formulierten Gesetzen immer wieder vor sich hertreibt.

Es wird Klagen geben

Bei allem Lob sieht Gramlich in einem Punkt Streitpotenzial: „Zu den Kindergeldzahlungen für 18- bis 25-Jährige wird es Klagen vor Gericht geben“, prognostiziert er.

Schuld daran ist eine Verwaltungsanweisung an die Familienkasse, die für die Auszahlung des Kindergelds zuständig ist. Darin wird der im Grunde leicht zu verstehende Gesetzeswortlaut merkwürdig uminterpretiert. Im Gesetz heißt es, dass ein junger Erwachsener sowohl eine Erstausbildung als auch ein Studium abgeschlossen haben muss, bevor die Familienkasse die Hinzuverdienstmöglichkeiten beschneiden darf. Der Verwaltung zufolge ist eine Reduzierung der Leistung jedoch auch dann schon möglich, wenn eine der beiden Varianten, Lehre oder Studium, absolviert wurde.

Experten sind sich sicher, dass diese Streitfrage in den kommenden Monaten durch einen neuen Gesetzeswortlaut geklärt wird. Für das laufende Steuerjahr jedoch stehen die Chancen nicht schlecht, dass der steuerzahlerfreundliche Wortlaut angewendet werden muss – Gesetz ist nun einmal Gesetz. Betroffene Familien sollten daher in diesem Jahr unbedingt auf die Kindergeldzahlungen pochen.

Für dieses Ansinnen haben sie einen mächtigen Verbündeten: Der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine, in dem Millionen Arbeitnehmer organisiert sind, spricht sich in einer deutlichen Stellungnahme klar gegen eine möglicherweise vom Fiskus angedachte rückwirkende Korrektur zum 1. Januar 2012 aus. Insider werten dies als Kampfansage, die im Ernstfall in einer Musterklagewelle enden könnte.

Elterngeld: Steuerklassen wechseln und Freibeträge nutzen

Bei der Familienplanung auch an den Fiskus denken – klingt nicht gerade sexy, zahlt sich aber aus

Vorausschau Mit etwas Planung können Ehepaare das spätere Elterngeld in die Höhe treiben. Denn die staatliche Zuwendung hängt vom durchschnittlichen Nettoeinkommen ab, das der Elternteil, der den Nachwuchs betreuen wird, zwölf Monate vor der Geburt des Kindes erhalten hat. Durch eine clevere Steuerklassenwahl oder den Eintrag von Lohnsteuerfreibeträgen lässt sich dieses Netto aufpäppeln. Unverheirateten Paaren bleibt die Option der Steuerklassenwahl verwehrt, sie können den Fokus nur auf einen Werbungskosteneintrag legen.

Der Staat zahlt Elterngeld bis zu 14 Monate nach Geburt eines Kindes – mindestens 300 Euro, höchstens jedoch 1800 Euro pro Monat. Geringverdiener mit weniger als 1000 Euro Nettoeinkommen erhalten bis zu 100 Prozent ihres Verdiensts als Ersatzleistung. Wer nach Abzügen zwischen 1000 und 1200 Euro verdient, erhält davon 67 Prozent Elterngeld. Ab einem Nettoeinkommen von 1240 Euro sinkt die Quote schrittweise auf 65 Prozent ab. Paare, die ihr Einkommen während der Elternzeit vorab errechnen möchten, können dies auf der Website des Bundesfamilienministeriums tun unter www.bmfsfj.de/Elterngeldrechner.

Eheleute, die diesen Steuerkniff nutzen wollen, sollten zunächst klären, wer wie lange zu Hause bleiben wird. Teilen sich Vater und Mutter die Elternzeit jeweils zur Hälfte, ist ein Steuerklassenwechsel in der Regel nicht sinnvoll. Der Steuervorteil des einen ist der -nachteil des anderen. Nimmt ein Partner jedoch deutlich mehr Elternzeit, sollte dieser frühzeitig von den ungünstigen Steuerklassen V oder IV in die günstigere Steuerklasse III wechseln. In der Steuerklasse III wird der Grundfreibetrag des Partners von 8004 Euro zum eigenen hinzuaddiert auf insgesamt 16.008 Euro. Entsprechend geringer fällt der Lohnsteuerabzug aus. Das Netto – und später das Elterngeld – schießt in die Höhe. Der Vorteil summiert sich schnell auf mehrere Tausend Euro pro Jahr (siehe Beispielrechnung).

Wichtig: Bei dem Partner, der später hauptsächlich arbeiten wird, verringert sich vor der Geburt das Nettoeinkommen. Verliert er seinen Job, fällt das Arbeitslosengeld entsprechend niedriger aus. Daher sollten nur Paare mit krisensicheren Jobs diese Form der Steuergestaltung wählen. Eheleute können unmittelbar nach der Geburt wieder die Steuerklassen zurücktauschen. Zwei Wechsel innerhalb eines Kalenderjahrs sind nur dann möglich, wenn derjenige, der zu Hause bleibt, in dieser Zeit höchstens einem 400-Euro-Job nachgeht. Tipp: Wer hohe Werbungskosten hat, zum Beispiel durchs Pendeln, kann sich diese beim Fiskus als Freibeträge für den Lohnsteuerabzug eintragen lassen und so ebenfalls sein Nettogehalt steigern.

Aktuelle Rechtsprechung

Das Bundessozialgericht hat den Steuerklassenwechsel zur Elterngelderhöhung gleich in zwei Urteilen als zulässig angesehen (Az.: B 10 EG 3/08 R und Az.: B 10 EG 4/08 R). Die Richter sahen in dem Trick keinen Rechtsmissbrauch, sondern eine „legale steuerrechtliche Gestaltungsmöglichkeit“.

Lukrative Steuerklassenwahl
Steuerklasse V Steuerklasse III
Bruttolohn* 3000 € 3000 €
Nettolohn* 1540 € 2122 €
Elterngeld* 947 € 1325 €
monatliches Plus an Elterngeld      378 €     
jährliches Plus an Elterngeld      4536 €     

* pro Monat; keine Kirchensteuerpflicht; alle Werte auf ganze Euro-Beträge gerundet; Quelle: eigene Recherche, www.bmfsfj.de/Elterngeldrechner

Familienpakt: Vermieten und Werbungskosten geltend machen

Wer in einer eigenen Immobilie Angehörige wohnen lässt, kann ihnen günstige Mieten bieten und zugleich Steuern sparen

Sippenbonus Es ist ein beliebtes Steuersparmodell, das zum Beispiel so funktioniert: Wenn die erwachsenen Kinder zum Studium aus dem Haus müssen, kaufen die Eltern eine Zweit- oder Drittwohnung in der Universitätsstadt und vermieten diese günstig an den Nachwuchs. Der Clou daran: Der Fiskus gesteht Verwandten – es müssen nicht unbedingt die eigenen Kinder sein – eine günstigere Miete als ortsüblich zu und erlaubt den Eigentümern, dennoch die Werbungskosten voll abzuziehen, etwa die jährliche Abschreibung oder die Kreditzinsen für das Kaufdarlehen.

Vor allem in den ersten Jahren ergeben sich hierbei in Kombination mit den niedrigen Mieteinnahmen steuerlich attraktive Verluste. Diese drücken bei den Wohnungseigentümern die Steuerlast für ihre anderen Einkünfte. Mit Kapitalerträgen lassen sich die Mietverluste allerdings nicht verrechnen. Abgesehen von der günstigeren Miete muss der Vertrag grundsätzlich so formuliert sein, als wäre er zwischen einander fremden Vermietern und Mietern geschlossen worden.

Wer bereits an nahe Angehörige vermietet, muss für die Steuererklärung 2011 noch die bislang geltenden Regeln beachten. Denen zufolge erkennt das Finanzamt den Werbungskostenabzug nur voll an, wenn der Eigentümer im vergangenen Jahr mindestens 75 Prozent der ortsüblichen Kaltmiete plus umlagefähige Nebenkosten kassiert hat. Wie hoch die ist, lässt sich bei der Kommune erfragen. Alternativ gibt der Anzeigenmarkt der Lokalzeitung oft Aufschluss.

Zahlt der Mieter zwischen 56 und 75 Prozent des ortsüblichen Preises, akzeptiert der Fiskus die vollen Werbungskosten nur, wenn der Steuererklärung eine sogenannte Totalüberschussprognose beigelegt wird. Diese muss plausibel zeigen, dass die Wohnung spätestens nach 30 Jahren Gewinn bringt. Wichtig: Wer weniger als 56 Prozent der ortsüblichen Miete verlangt, kann seine Werbungskosten auch nur zu diesem Anteil geltend machen. Bei 50 Prozent erkennt der Fiskus also nur die Hälfte der Ausgaben an.

Mit Beginn dieses Jahres ist das Prozente-Wirrwarr weggefallen. Mit dem Steuervereinfachungsgesetz wurden 66 Prozent der ortsüblichen Miete als einzige Grenze festgelegt. Eine Überschussprognose muss nicht mehr vorgelegt werden, stattdessen gilt: Wer weniger als 66 Prozent verlangt, kann die Werbungskosten nur noch anteilig absetzen.

Dringend handeln müssen Vermieter, die bislang zwischen 56 und 66 Prozent der ortsüblichen Miete verlangt haben und sich mittels Überschussprognose den vollen Kostenabzug sichern konnten. Ihnen drohen steuerliche Nachteile, sofern sie nicht ihre Mieten erhöhen. Tipp: Laut Anweisung der Oberfinanzdirektion Münster muss das Finanzamt eine Mieterhöhung gegenüber Angehörigen auch dann anerkennen, wenn diese über der normalen gesetzlichen Grenze von maximal 20 Prozent innerhalb von drei Jahren liegt (Az.: S 2253 – 60 – St 22 – 31).

Aktuelle Rechtsprechung

Um Ärger mit dem Fiskus zu vermeiden, wollte ein Ehepaar auf Nummer sicher gehen. Es vermietete eine 50-Quadratmeter-Wohnung für 125 Euro warm an seinen Sohn und vermerkte im Vertrag neben dem Mietpreis handschriftlich die Klausel „vorbehaltlich der Anerkennung durch das Finanzamt“. Ein Fehler: Durch den handschriftlichen Zusatz sei die Miete nicht so vereinbart worden, wie ein Fremder sie akzeptiert hätte, urteilte das Finanzgericht Düsseldorf (Az.: 12 K 4518/08 Euro) . Mittlerweile ist der Fall beim Bundesfinanzhof anhängig, wo die Streitfrage endgültig geklärt werden soll (Az.: IX R 18/11).

Lehrjahre: Kosten für Ausbildung und Unterbringung absetzen

Sobald der Nachwuchs volljährig ist, werden die Vorschriften in puncto Kindergeld und Steuern oft kompliziert

Zeitenwende Kindergeld, das war stets ein kniffliges Thema – vor allem sobald der Nachwuchs volljährig wurde. Noch bis einschließlich 2011 galten strenge Vorschriften für den Kindergeldbezug. So zahlt die Familienkasse für das vergangene Jahr nur bei Kindern zwischen 18 und 25 Jahren, wenn diese ein Studium oder eine Ausbildung absolvieren – und nicht mehr als 8004 Euro pro Jahr verdienen. Staatliche Bezüge, zum Beispiel der Zuschussanteil des Bafög, werden in den Verdienst eingerechnet. Bereits bei 1 Euro mehr, also ab 8005 Euro, entfällt der komplette Kindergeldanspruch.

Vor allem die Eltern von Studenten, die viel jobbten, waren bislang von diesem sogenannten Fallbeileffekt bedroht. Wer die Kindergeldansprüche für das Jahr 2011 noch nicht komplett geklärt hat, sollte die Einkünfte und Bezüge der Kinder nachweisen und bei der Berechnung der Einkommensgrenze unbedingt alle Kosten absetzen. Hier gelten dieselben Regeln wie bei der Steuererklärung, so können zum Beispiel Werbungskosten oder auch die gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge des Kindes abgezogen werden.

Mit diesem Jahr wird nun vieles einfacher: Für die Prüfung der Kindergeldberechtigung darf die Familienkasse die Einkünfte und Bezüge bei 18- bis 25-jährigen Studenten oder Auszubildenden nicht mehr heranziehen. Neu ist auch, dass Nebentätigkeiten der Kinder nur noch 20 Stunden pro Woche umfassen dürfen, sobald die erste Berufsausbildung und das erste Studium abgeschlossen sind. Wird länger gearbeitet, verlieren Eltern den Kindergeldanspruch.

Allerdings zeichnen sich bei dieser neuen Vorschrift bereits Konflikte ab, die wohl nur gerichtlich geklärt werden können. Denn in einem Schreiben (IV C 4 – S 2282/07/0001-01) weist das Bundesfinanzministerium (BMF) die Finanzverwaltung an, die 20-Stunden-Regel anzuwenden, wenn eine Erstausbildung oder das erste Studium abgeschlossen wurde. Im Gesetz ist dies jedoch anders geregelt. Dort heißt es, die 20-Stunden-Regel gelte „nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung und eines Erststudiums“. Also „und“ – und nicht „oder“, wie die Finanzverwaltung meint. Eltern, denen mit Hinweis auf die BMF-Auslegung das Kindergeld verwehrt wird, sollten Einspruch einlegen und auf den Wortlaut von Paragraf 32 Absatz 4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes verweisen.

Eine echte Erleichterung gibt es allerdings ohne Einschränkung: Der Fiskus billigt Eltern von Studenten und Auszubildenden im laufenden Jahr erstmals einen Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro jährlich zu – und zwar unabhängig von den Einkünften und Bezügen der Kinder. Den gibt es jedoch nur, wenn der Nachwuchs auswärts untergebracht ist. Davon profitieren zum Beispiel Eltern, deren Kinder eine eigene Bude am Uniort haben oder während der Ausbildung unter der Woche in einem Wohnheim leben.

Für die Steuererklärung 2011 bleibt es indes noch mal kompliziert. Hier wird der Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro um den Betrag gekürzt, den die Kinder über 1848 Euro hinaus verdienen. Auch Finanzhilfen wie Bafög-Zuschüsse schmälern den Freibetrag. Bei vielen Eltern bleibt daher für die Steuererklärung 2011 vom geringen Freibetrag nichts übrig.

Aktuelle Rechtsprechung

Die Ausgaben für ein Erststudium und eine Erstausbildung können nach einer Gesetzesänderung weiterhin nur als Sonderausgaben abgesetzt werden. Für 2011 ist das bis zu einer Grenze von 4000 Euro möglich, von 2012 an liegt das Limit bei 6000 Euro.

Die neue Gesetzeslage hebelt mehrere Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) aus, in denen der steuerlich vorteilhaftere Werbungskostenabzug zugelassen wurde (etwa Az.: VI R 5/10, VI R 7/10, VI R 38/10). Beim Finanzgericht Baden-Württemberg (Az.: 10 K 4245/11) und beim BFH (Az.: VIII R 49/11) sind bereits Klagen gegen die Novelle anhängig. Auf diese können sich Betroffene mit höheren Ausgaben beim Einspruch gegen den Steuerbescheid berufen und das Ruhen des Verfahrens beantragen.

Kinderbetreuung: Einfachere Vorschriften, gleiche Grenzen

Für das Steuerjahr 2011 wird es noch einmal kompliziert für Eltern, die Ausgaben für Kita, Kindergarten oder Tagesmutter absetzen wollen. Erst danach greifen simplere Regeln

Auslaufmodell Seit Anfang dieses Jahres profitieren Familien von wesentlich vereinfachten Regeln fürs Absetzen von Kinderbetreuungskosten – diese werden sich allerdings erst für die Steuererklärung 2012 positiv auswirken. Wer also gerade an der „Anlage Kind“ für 2011 tüftelt, muss letztmalig jede Menge Details beachten. Noch unterscheidet das Finanzamt bei den Betreuungskosten drei Varianten:

Erstens: Wenn Alleinerziehende oder beide Eltern als Angestellte arbeiten, können sie Ausgaben für die Betreuung von Kindern bis 14 Jahre absetzen – und zwar „wie Werbungskosten“. Selbstständige machen ihre Aufwendungen hingegen „wie Betriebsausgaben“ geltend. Pro Kind sind zwei Drittel der Ausgaben von maximal 6000 Euro abzugsfähig. Das sogenannte zu versteuernde Einkommen lässt sich also bestenfalls um 4000 Euro je Kind drücken.

Zweitens: Arbeitet ein Partner und der andere absolviert eine Ausbildung, bildet sich weiter, ist behindert oder war im zurückliegenden Jahr mindestens drei Monate krank, können ebenfalls Kosten für Kita, Kindergarten oder Tagesmutter geltend gemacht werden. Die Altersgrenze 14 Jahre sowie die Maximalsumme zwei Drittel von 6000 Euro pro Kind greifen wie bei Fall eins. Der Unterschied: Der Fiskus betrachtet bei dieser Variante die Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben. Das kann im Einzelfall schlechter sein als der Werbungskostenabzug, weil mit Sonderausgaben keine Verlustvorträge angehäuft werden können, die in spätere Jahre übertragbar sind und bei einer besseren Einkommenssituation in der Zukunft oft für erhebliche Steuererstattungen sorgen. Auch Alleinerziehende in Fort- oder Ausbildung fallen unter diese Regelung.

Drittens: Ist ein Elternteil berufstätig, während der andere sich ausschließlich um den Haushalt kümmert – also weder nebenbei arbeitet noch eine Fortbildung macht -, dann sind Betreuungskosten nur für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren abzugsfähig. Sie werden als Sonderausgaben abgesetzt, pro Jahr und Kind zu zwei Dritteln von höchstens 6000 Euro.

Bald ist mit dieser Variantenvielfalt Schluss: Seit Anfang 2012 – also für die Steuererklärung im kommenden Jahr – gilt eine der größten Vereinfachungen, die es für Familien je gab: Der Fiskus unterscheidet nicht mehr zwischen „erwerbsbedingten“ und „nicht erwerbsbedingten“ Kinderbetreuungskosten. Es kommt also nicht mehr darauf an, wer wann wie viel gearbeitet hat. Ob jemand krank war, eine Ausbildung absolviert oder sich fortgebildet hat, ist ebenfalls nicht länger relevant.

Stattdessen gilt: Betreuungskosten sind für alle Kinder bis zum Alter von 14 absetzbar. Punkt. Viele Eltern können somit erstmals Ausgaben für die Versorgung ihres Nachwuchses geltend machen. Der Preis für die Vereinfachung: Der Fiskus erkennt Kinderbetreuungskosten künftig ausschließlich als Sonderausgaben an. An der Höhe des möglichen Abzugs hat sich aber nichts geändert. Es bleibt bei zwei Dritteln der Aufwendungen von maximal 6000 Euro pro Kind im Jahr.

Aktuelle Rechtsprechung

Der Bundesfinanzhof (BFH) soll in einem anhängigen Verfahren klären, ob Kinderbetreuungskosten unbeschränkt abgesetzt werden können (Az.: III R 67/09). Dabei geht es um erwerbsbedingte Kosten, die anfallen, wenn beide Eltern arbeiten oder ein alleinerziehender Elternteil einen Job hat. Das Sächsische Finanzgericht hatte den vollen Kostenabzug abgelehnt (Az.: 2 K 1038/09). Die Finanzverwaltung hat für die Streitfrage bereits einen Vorläufigkeitsvermerk angeordnet, sodass Steuerzahler von einem positiven Urteil automatisch profitieren. Betroffene sollten daher sämtliche Kosten angeben.

Familien mit nur einem berufstätigen Elternteil könnten von einer Klage vor dem BFH (Az.: III R 80/09) profitieren. Auf dieses Verfahren können Steuerzahler verweisen, die Betreuungskosten für Kinder unter drei beziehungsweise über sechs Jahren geltend machen wollen.

Tipp: Beim Einspruch gegen den ablehnenden Bescheid des Fiskus das Aktenzeichen nennen und das Ruhen des Verfahrens beantragen.

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