Recht + Steuern Wie Sie Strafzuschläge des Finanzamts vermeiden

Jedes Jahr das gleiche Prozedere: Voller Unbehagen blicken Sie auf den 31. Mai, dem Fristende zur Abgabe der Steuererklärung. Doch wer muss diesen Stichtag eigentlich einhalten – und wer nicht? Und was ist zu tun, wenn man den Termin partout nicht schafft? Antworten auf diese Fragen gibt Steuerberater Axel Knoth.

Auf vielen Schreibtischen stapeln sich derzeit die Belege. Es ist wieder Zeit für die Steuererklärung. Viele Steuerzahler müssen ihre Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai beim Finanzamt einreichen. Betroffen sind alle, die zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Hierzu zählt jeder Arbeitnehmer mit Nebeneinkünften über 410 Euro wie etwa Honorare, Mieteinnahmen oder einer Hinterbliebenenrente. Wer neben dem Arbeitslohn Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen-, Kranken- oder Elterngeld von über 410 Euro im Jahr bezogen hat, muss ebenfalls eine Steuererklärung abgeben. Das gleiche gilt für Arbeitnehmer mit mehreren Beschäftigungsverhältnissen oder einem eingetragenen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte.

Erfolgt die Abgabe der Steuererklärung freiwillig, haben Steuerzahler deutlich mehr Luft. Ihnen bleibt bis zu vier Jahren Zeit, ihre Steuererklärung abzugeben. Die Einreichungsfrist endet dann zum 31. Dezember des vierten Jahres. Achtung: Schnell kann aus einer freiwilligen Steuererklärung eine verpflichtende werden – und umgekehrt. Zum Beispiel wenn ein Nebenjob angenommen oder im Laufe des Steuerjahres wieder aufgegeben wird. Inwieweit die Abgabefrist 31. Mai maßgeblich ist, muss der Steuerzahler also selbst im Blick behalten.

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Sicherheitshalber sollten Steuerzahler sich besser auf diese Frist einstellen. Denn eine verspätete Abgabe der Steuererklärung kann teuer werden. Wer die Fristen der Finanzbehörden nicht einhält, riskiert hohe Strafzuschläge. Das Finanzamt darf einen Verspätungszuschlag von 0,5 Prozent der festgesetzten Steuer pro angefangenen Monat erheben. Bei wiederholten Verspätungen oder grobem Verschulden können die Beamten auch weit höhere Zuschläge veranschlagen. Sie können bis zu zehn Prozent der festgesetzten Steuer und bis zu 25 000 Euro betragen. Achtung: Verspätungszuschläge drohen unabhängig davon, ob der Steuerzahler nachzahlen muss oder eine Erstattung erhält.

Als fristgerecht zugestellt gelten Steuererklärungen, wenn sie bis Donnerstag, 31. Mai 2012 beim zuständigen Finanzamt eingehen. Es gilt der Eingangsstempel bei der Behörde, nicht der Poststempel. Wer für den Postversand zu spät dran ist, kann die Unterlagen noch am 31. Mai bis 24 Uhr in den Nachtbriefkasten des Finanzamts einwerfen. Bei geringfügigen Verspätungen zeigen sich die Finanzbehörden meist tolerant. Fristüberschreitungen von bis zu fünf Tagen bleiben in der Regel ohne Konsequenzen.

Trifft den Steuerpflichtigen kein Verschulden, dürfen die Finanzbehörden keine Verspätungszuschläge festsetzen. Hierzu zählen etwa eine Erkrankung oder ausstehende Belege von Dritten. Steuerzahler müssen dem Finanzamt den Verspätungsgrund plausibel darlegen, einen Nachweis dürfen die Finanzbehörden allerdings nicht einfordern.

Auch die fristgerechte Zahlung von Steuerschulden ist Pflicht. Hierfür bleibt ein Monat Zeit. Andernfalls berechnet der Fiskus automatisch einen Säumniszuschlag von ein Prozent je überschrittenem Monat. Ausreden können die Finanzbeamten nicht gelten lassen. Es ist unerheblich, ob der Steuerzahler die Verspätung verschuldet oder nicht. Säumniszuschläge entstehen unmittelbar kraft Gesetz.

Fallen Verspätungszuschläge an, sollten Steuerzahler sie nicht einfach hinnehmen. Zwar ist ein vollständiger Erlass der Strafen nur selten durchsetzbar, doch häufig gelingt es, die Gebühren zu reduzieren. Es empfiehlt sich, zunächst mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt zu telefonieren, bevor schriftlich Einspruch erhoben wird. Denn: Ob und in welcher Höhe Verspätungszuschläge erhoben werden, liegt im Ermessen des zuständigen Finanzbeamten. Im persönlichen Gespräch zeigen sich Finanzbeamte eher gnädig. Je nach Situation lassen sich die Behörden manchmal umstimmen, wenn der Steuerpflichtige die Gründe für die Verspätung darlegt.

Bei der Festsetzung eines Säumniszuschlags haben Finanzbeamte grundsätzlich keinen persönlichen Ermessenspielraum. Steuerzahler können allerdings gegen einen Säumniszuschlag Einspruch erheben und einen Erlassantrag aus Billigkeitsgründen stellen. Ein Erlass ist etwa möglich, wenn ein ansonsten pünktlicher Steuerzahler die Frist einmalig aus Versehen oder wegen einer Erkrankung versäumt. Hierzu müssen Steuerzahler zunächst beim Finanzamt einen Abrechnungsbescheid beantragen, gegen den sie dann binnen eines Monats Einspruch einlegen können. Vor Säumniszuschlägen sind Steuerzahler grundsätzlich gefeit, wenn sie dem Finanzamt von vorneherein eine Einzugsermächtigung erteilen.

Mein Steuertipp

Steuerzahler sollten frühzeitig Vorkehrungen treffen, um alle Fristen tatsächlich einzuhalten. Im Zweifelsfall sollte rechtzeitig ein Antrag auf Fristverlängerung gestellt werden. Der Antrag sollte sicherheitshalber schriftlich übermittelt werden, am besten per Fax mit Sendebericht. Der Steuerzahler sollte die Gründe für die Verspätung kurz darlegen. Bei einem Umzug, einer längere Krankheit oder familiären Umständen zeigen sich die Finanzbeamten in der Regel kulant. In der Praxis werden Fristverlängerungen häufig stillschweigend gewährt, ohne dass eine Rückantwort der Finanzbehörden erfolgt. Vorsichtshalber sollten Steuerzahlen daher in ihren Antrag einen entsprechenden Passus aufnehmen, zum Beispiel: „Sofern ich von Ihnen nichts Gegenteiliges höre, gehe ich davon aus, dass Sie die Fristverlängerung genehmigen.“
Wer kurz vor Schluss in Zeitnot gerät, kann zunächst eine unvollständige Steuererklärung einreichen. In einem Anschreiben ist darauf hinzuweisen, dass die fehlenden Unterlagen innerhalb von vier Wochen nachgereicht werden. Vorsicht: Es dürfen keine elementaren Angaben fehlen, so dass die Finanzbehörden eine Steuerfestsetzung vornehmen können. Arbeitnehmer müssen in jedem Fall den unterschriebenen Mantelbogen und die Anlage N fristgerecht einreichen.

Wer einen Steuerberater einbindet, hat grundsätzlich bis zum 31. Dezember Zeit, die Steuererklärung 2011 einzureichen. Die Steuererklärung deshalb auf die lange Bank zu schieben, ist riskant. Denn zum Jahresende kommt es regelmäßig zu einem verstärkten Arbeitsaufkommen in Steuerkanzleien. Fristüberschreitungen werden von den Finanzbehörden hier oft noch konsequenter geahndet. Deshalb gilt der Tipp: Relevante Belege systematisch ablegen und die Steuererklärung frühzeitig in Angriff nehmen.

Axel Knoth ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der Kanzlei WWS Wirtz, Walter, Schmitz in Mönchengladbach.

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