Unternehmen Absatzkrise in Europa bremst Wachstum von Volkswagen

China drückt für VW aufs Gas - und Europa ist der Bremsklotz. Die Absatzwelt ist zweigeteilt für den Branchenriesen. Da hilft offenbar nur eines: In China noch mehr wachsen. Und genau das nehmen die Wolfsburger derzeit in Angriff.

Auf dem Weg zur Weltspitze steuert Volkswagen trotz der Probleme in Europa auf einen neuen Absatzrekord zu. Im ersten Halbjahr steigerte der Autokonzern seine weltweiten Verkäufe um 5,5 Prozent auf rund 4,7 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, wie VW am Freitag in Wolfsburg mitteilte. 2012 hatte VW insgesamt rund 9 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert und will spätestens bis 2018 Toyota und General Motors an der Weltspitze ablösen.

Das Plus kam aber vor allem von den Wachstumsmärkten in Übersee, vor allem aus China. In Europa dagegen lag Volkswagen in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit knapp 1,9 Millionen Auslieferungen fast 4 Prozent im Minus. Dies drückt auch auf die Margen. Bereits im ersten Quartal hatte die Rabattschlacht um Kunden in Europa kräftig an den VW-Gewinnen genagt. Ende des Monats gibt der Konzern seine Halbjahresbilanz bekannt.

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In China dagegen wächst VW ungebremst: Im wichtigsten Einzelmarkt legte VW um satte 19 Prozent zu. In China wird inzwischen rund jedes dritte Fahrzeug des Konzerns verkauft.

Sieben neue Werke stampf VW  derzeit in China aus dem Boden

Mit dem zweigeteilten Bild aus Rekorden in Asien und Rückschlägen in Europa wird immer klarer, wie stark die VW-Zukunft vom fernen Motor China abhängt. VW-China-Chef Jochem Heizmann betonte in einer Mitteilung vom Freitag, dass der Konzern als chinesischer Marktführer das generelle Wachstumstempo des Marktes übertroffen habe (18,7 gegenüber 16,3 Prozent). „Um die Ansprüche der chinesischen Kunden in dem stark wachsenden Markt zu erfüllen, muss Volkswagen seine Produktionskapazitäten ausbauen und sich auf nachhaltige Entwicklung konzentrieren“, sagte er. Sieben neue Werke stampft VW derzeit in dem Riesenreich aus dem Boden – fünf eröffnen noch 2013.

Auch Porsche spielt eine wichtige Rolle. Bereinigt um die Verkäufe der neuen Marke, die vor einem Jahr noch nicht in die Statistiken einfloss, sinkt der Zuwachs auf unter vier Prozent.

Neben Europa steht auch die Region Südamerika zunehmend unter Druck: 4 Prozent liegt sie im Halbjahresvergleich im Minus, steht allerdings auch nur für 450 000 Wagen, das Gewicht ist also weitaus geringer als in Europa. Neben China wird Nordamerika zunehmend zur Stütze: VW meldet 12 Prozent Plus per Juni, die knapp 440 000 Fahrzeuge sind jedoch wie in Südamerika konzernweit nicht die entscheidende Baustelle. China macht die Beschleunigung und die Bremse Europa ist das Gegengewicht.

Seat verbucht Plus von zwölf Prozent

Für diese schlichte Formel sehen die VW-Manager so schnell kein Ende. Vertriebschef Christian Klingler warnte: „Das wirtschaftliche Umfeld vor allem in Europa bleibt aber weiter angespannt.“ Zwar sei der Zwölf-Marken-Konzern derzeit unverändert selbstbewusst auf Kurs. „Die enormen Herausforderungen bleiben aber unverändert bestehen.“

Innerhalb der zentralen Fahrzeugmarken machte das Sorgenkind Seat, die spanische Tochter, mit 12 Prozent Plus zur Jahresmitte Boden gut. Die tschechische Tochter Skoda dagegen liegt sechs Prozent im Minus, steht allerdings auch vor Modellwechseln, was meist immer bremst.

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