Unternehmen Aldi und Co. drehen an der Preisschraube

Mit einem Einkaufswagen durch den Supermarkt.

Mit einem Einkaufswagen durch den Supermarkt.© Eisenhans - Fotolia.com

Deutschlands Discounter gelten als Könige der Dauertiefpreise. Doch in den vergangenen Monaten stiegen die Preise bei den Billiganbietern deutlich stärker als in "normalen" Supermärkten. Branchenkenner fragen sich inzwischen, ob man überhaupt noch von einer "Billigschiene" reden kann.

Deutschlands Discounter drehen an der Preisschraube. In den vergangenen Monaten sind die von den Kunden bezahlten Preise bei Aldi, Lidl und Co. deutlich stärker gestiegen als bei „klassischen“ Supermärkten. Das geht aus einer Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor. Das überraschende Fazit der Handelsexperten: Wenn man auf die Entwicklung der letzten Jahre „bei den Discountern schaut, dann kann man nicht mehr so leichthin von der „Billigschiene“ sprechen“.

Die Fakten: Im August bezahlten die Kunden der Discounter laut GfK vier Prozent mehr für ihren Einkauf als im Vorjahresmonat. Die Preise stiegen damit deutlich stärker als bei „klassischen“ Supermärkten, wo sich der Warenkorb nur um 1,6 Prozent verteuerte.

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Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Anstieg der Rohstoffpreise schlug sich nieder, aber auch das wachsende Angebot von Markenartikeln, Bioprodukten und regionalen Angeboten bei den Discountern. Denn diese Produkte sind in der Regel etwas teurer. Und nicht zuletzt hätten die Discounter selbst noch einmal an der Preisschraube gedreht, sagt der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes. Schon seit März dieses Jahres stiegen dadurch die Preise bei den Discountern deutlich stärker als bei den Supermärkten.

Discounter brauchen Kapital für die Expansion im Ausland

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Discounter untereinander und mit den Supermarktketten einen erbitterten Preiskampf lieferten. Gründe dafür gibt es einige, wie Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail meint. Zum einen hätten die Supermärkte erkannt, dass sie einen Preiskrieg mit den Discountern nicht gewinnen könnten und setzten seit einiger Zeit mehr auf Frische und Service, um sich zu profilieren. Zum anderen seien auch die Discounter nicht an weiteren Rabattschlachten interessiert. Sie benötigten das Geld derzeit dringender für die Modernisierung ihrer heimischen Filialen und ihre Expansionspläne im Ausland.

Aldi etwa schwimmt im krisengeplagten Großbritannien auf einer Erfolgswelle. Der Umsatz der fast 500 britischen Filialen stieg im vergangenen Jahr Medienberichten zufolge um 41 Prozent auf 3,9 Milliarden Pfund (4,65 Milliarden Euro). Das sind Wachstumsraten, von denen deutsche Discounter auf dem Heimatmarkt nur träumen können.

Preisabstand zwischen Discountern und „klassischen“ Supermärkten schrumpft

Und lange Zeit schien das Drehen an der Preisschraube den Discountern auf dem Heimatmarkt auch nicht zu schaden. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres steigerten Aldi, Lidl und Co. ihre Umsätze laut GfK um 4,6 Prozent. Die „normalen“ Supermärkte legten „nur“ um 3,2 Prozent zu. Hatte es nach 2009 vorübergehend so ausgesehen, als könnten die „normalen“ Supermärkte verloren gegangene Marktanteile von den Discountern zurückholen, so waren plötzlich wieder die Billiganbieter mit veränderten Sortimenten wieder auf der Überholspur.

Doch die Frage stellt sich, ob die Discounter nicht dabei sind, mit ihrer Preisgestaltung den Bogen zu überspannen. Im August erzielten die „klassischen“ Supermärkte laut GfK erstmals seit langem wieder höhere Umsatzzuwächse als die Discounter. Bei den Verbrauchern bleibe es nicht unbemerkt, dass der Preisabstand zwischen Discountern und „klassischen“ Supermärkten schrumpfe, glaubt GfK-Experte Kecskes. „Wir wissen noch nicht, holen die Discounter nur kurz Luft, oder geht ihnen die Puste aus.“

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