Unternehmen Alno nimmt Mitarbeiter in die Pflicht

Neben Banken und Altaktionären müssen beim kriselnden Küchenhersteller Alno nun auch die Mitarbeiter leiden. Das Unternehmen will etwa 100 Stellen streichen. Auch Gehaltsverzicht und längere Arbeitszeiten stehen zur Diskussion.

Der zweitgrößte deutsche Küchenhersteller verhandelt mit der IG Metall über Konzessionen der Belegschaft und plant Stellen abzubauen. Die Personalkosten von derzeit 100 Mio. Euro sollen um bis zu ein Zehntel sinken. „Wir müssen sie um etwa 6 Mio. bis 10 Mio. Euro herunterfahren“, sagte Vorstandschef Max Müller. Laut Finanzvorstand Ipek Demirtas fallen voraussichtlich etwa 100 der 1830 Stellen weg. Zudem stehen Gehaltsverzicht und längere Arbeitszeiten zur Diskussion.

Das Alno-Management verband die Ankündigung bei einem Pressegespräch in Frankfurt mit einem Signal zum Aufbruch. Das notorisch defizitäre Unternehmen litt jahrelang unter einer lähmenden Eignerstruktur mit zerstrittenen Großaktionären und wechselte ständig die Manager aus. Müller ist der fünfte Vorstandschef in neun Jahren. Der Umsatz schrumpfte in den vergangenen Jahren beständig auf zuletzt 467 Mio. Euro. Seit dem Börsengang 1995 schloss Alno drei Geschäftsjahre mit Gewinn ab, häufte Schulden auf; das Unternehmen schlitterte an der Insolvenz vorbei. Die Aktie steht etwas über 1 Euro, verglichen mit knapp 8 Euro in 2007.

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Nun plant der Vorstand den Befreiungsschlag. Im ersten Schritt wurde das Kapital herabgesetzt, bei gleichbleibender Aktienanzahl sinkt der Nennwert je Aktie von 2,60 auf 1 Euro. Im November soll eine Kapitalerhöhung über 46 Mio. Euro folgen, mit der Alno Kredite tilgt. Zugleich bekommt der hinter Nobilia zweitgrößte deutsche Küchenanbieter Darlehen von Banken erlassen. „70 Prozent meiner Zeit habe ich verwendet, um an Bankenmeetings et cetera teilzunehmen“, sagte Müller. Bald sei mehr Zeit für die eigentliche Arbeit. „Wir sind dann schuldenfrei.“

Dass die Lage künftig besser wird, hat man bei dem Küchenhersteller aus Pfullendorf schon öfters gehört. „Der Alno glaubt ja niemand etwas – wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem“, konzedierte Müller, der die Politik seiner Vorgänger ausgiebig kritisierte. Vor allem habe man zu stark darauf gesetzt, Ware um jeden Preis zu verkaufen. Bei manchen Aufträgen habe Alno pro Küche ein Minus von 200 Euro verbucht.

Dem setzt Müller nun eine Preis-vor-Menge-Strategie entgegen. Im Spätfrühjahr kündigte er Preiserhöhungen an, die im August wirksam wurden – acht Prozent über alle Marken hinweg. Dafür nimmt man in Kauf, dass Händler weniger bestellen. Für das Gesamtjahr stellt das Management ein 10-Mio.-Euro-Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) in Aussicht, gegenüber einem Minus von 19 Mio. Euro im vorigen Jahr. Eine Küche der billigsten Konzernmarke Pino kostet im Schnitt 2300 Euro, 10 000 bis 12 000 Euro sind es bei der teuersten Marke Alno. Im Schnitt zahlen Deutsche laut Management für eine Küche 5600 Euro.

Müller will zudem den Auslandsanteil am Umsatz von momentan 16 Prozent verdoppeln und damit zum branchenüblichen Wert aufschließen.

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