Unternehmen Amazon verklagt Betriebsrat am Arbeitsgericht

Gerechtigkeit, Urteil, Justitia

Die Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit.© Hans-Jörg Nisch / Fotolia

Amazon kommt nach der bundesweiten Debatte um die Behandlung von Leiharbeitern nicht zur Ruhe. Nun hat der Versandhändler-Riese sogar den eigenen Betriebsrat verklagt. Es geht um die umstrittene Weiterbeschäftigung von Leiharbeitern.

Der Online-Versandhändler Amazon hat seinen Betriebsrat verklagt, um 65 Leiharbeiter weiterbeschäftigen zu können. Grund des Rechtsstreits: Die Leiharbeiter, die von der Firma Trenkwalder an Amazon vermittelt worden waren, hatten befristete Arbeitsverträge bis Ende Februar. Amazon wollte diese Verträge bis Ende März verlängern. Doch der Betriebsrat verweigerte seine Zustimmung.

Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Fulda verlief am Montag weitgehend ergebnislos. Die 65 Leiharbeiter dürfen unterdessen bei Amazon weiterarbeiten. Richterin Christine Schwarz erklärte, allein der Dringlichkeitsantrag von Amazon berechtige die Firma zur Weiterbeschäftigung.

Anzeige

Der Frankfurter Rechtsanwalt Markus Pfeifenberger, der den Betriebsrat vertritt, sagte: „Der Verleiher ist aus Sicht des Betriebsrates unseriös.“ Aufgrund einer ARD-Fernsehdokumentation war Trenkwalder in den Fokus der Behörden geraten. Konkrete Ermittlungsergebnisse hat die Bundesarbeitsagentur für Arbeit aber noch nicht veröffentlicht. Die Rechtsanwältin der Firma Amazon äußerte zunächst nicht.

Die Amazon-Zentrale in München teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, die Zeitarbeiter unterstützten Amazon im Ostergeschäft. Ab April werde Amazon mehr als die Hälfte von ihnen in eine befristete Festanstellung übernehmen. Ungeachtet dessen arbeite Amazon weiter daran, mit dem Betriebsrat eine außergerichtliche Lösung zu finden. Rechtsanwalt Pfeifenberger kündigte in den nächsten Wochen und Monaten weitere Gespräche zwischen Betriebsrat und Amazon an. Dabei werde das Thema „Leiharbeit“ generell eine Rolle spielen.

„Die Crux dieses Verfahrens ist, dass die Maßnahmen zum 31. März auslaufen und das Gericht in dieser kurzen Zeit gar keine Entscheidung mehr treffen kann. Das Verfahren wird sich erledigen, weil sich der Streitgegenstand erledigt“, erläuterte Richterin Schwarz.

Amazon nutzt Zeitarbeit nach eigenen Angaben vorwiegend, um Spitzenzeiten wie Ostern und Weihnachten zu bewältigen und wenn vor Ort nicht genügend Kräfte gefunden werden. Insgesamt beschäftigt Amazon in seinen deutschen Logistikzentren rund 9000 Festangestellte. Nach Weihnachten 2012 habe Amazon 3000 saisonale Mitarbeiter unbefristet eingestellt.

Nach dem kritischen Fernsehbericht hatte Amazon die Zusammenarbeit mit zwei Firmen umgehend aufgekündigt. Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt unterdessen gegen zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Hensel European Security Services (H.E.S.S.) mit Sitz in Kassel wegen Nötigung und Freiheitsberaubung. Sie sollen TV-Journalisten in einem Hotelzimmer festgehalten und zur Herausgabe ihres Filmmaterials genötigt haben.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...