Unternehmen Arbeitsagentur will runter auf drei Millionen

Die sinkenden Arbeitslosenzahlen machen die Bundesagentur für Arbeit sehr optimistisch. Ende des Jahres könnten weniger als drei Millionen Menschen ohne Job sein, glaubt BA-Chef Weise. Volkswirte halten das jedoch für zu optimistisch.

Die Bundesagentur für Arbeit hält am Jahresende weniger als drei Millionen Arbeitslose für möglich. „Die Chance ist da“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten. Grund für den Optimismus sind die aktuellen Daten vom deutschen Jobmarkt. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Juni um 21.000 auf 3,230 Millionen zurück.

„Die gute Arbeitsmarktentwicklung der letzten Monate hat sich auch im Juni fortgesetzt“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Grund dafür sei die anhaltend gute wirtschaftliche Erholung. Entlastet werde der Arbeitsmarkt nach wie vor durch Kurzarbeit, hieß es. Diese werde aber längst nicht mehr so stark in Anspruch genommen wie auf dem Höhepunkt im Mai 2009.

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Einige Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt im gleichen Tempo fortsetzt. „Ich rechne gegen Ende des Jahres bei der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl eher mit einer Seitwärtsbewegung“, sagte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Auch Steffen Henzel vom Münchner ifo-Institut geht mittelfristig von einem Abflauen der Aufwärtsentwicklung aus. In den Unternehmen gebe es immer noch Anpassungsbedarf.

Dekabank-Volkswirt Andreas Scheuerle warnte vor übertriebenen Hoffnungen. „Wir erwarten, dass wir die Drei-Millionen-Marke nicht nehmen werden“, sagte er. Auch VP-Bank-Experte Jörg Zeuner ist skeptisch: „Die anstehenden Sparmaßnahmen zur Sanierung der Staatshaushalte in der Eurozone trüben den Ausblick bereits wieder etwas ein.“ Ein erneuter Nachfragerückgang könnte sich auch negativ auf die Beschäftigung auswirken.

Vorerst weisen die Indikatoren aber auf eine Erholung hin. Die Zahl der Erwerbstätigen kletterte im Mai erstmals seit einem Jahr wieder über den Vorjahreswert. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes waren im Mai 40,2 Millionen Menschen erwerbstätig. Das waren saisonbereinigt 61.000 oder 0,2 Prozent mehr als im April. Bereits in den vergangenen sechs Monaten hatte sich der Rückgang der Erwerbstätigkeit kontinuierlich abgeschwächt.

Auch die wachsende Arbeitskräftenachfrage in der Wirtschaft weist auf einen Aufschwung hin. So kletterte der Beschäftigungsindex der Bundesagentur (BA-X) im Juni um 3 auf 158 Punkte. Die Kräftenachfrage hat damit nach BA-Angaben fast das Vorkrisenniveau vom Oktober 2008 erreicht. Etwa jede dritte Stelle werde von Leiharbeitsunternehmen angeboten.

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