Unternehmen Auf diese vier neuen Trends setzt die Spielwarenbranche

In der TrendGallery der Spielwarenmesse präsentieren die Hersteller Innovationen.

In der TrendGallery der Spielwarenmesse präsentieren die Hersteller Innovationen.© Spielwarenmesse

Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg suchen Händler wie Hersteller nach zukünftigen Hits - und bekommen dabei Hilfe von Trendscouts. Ihnen zufolge werden vier neue Entwicklungen künftig eine wichtige Rolle in der Branche spielen.

Rund die Hälfte ihres Jahresumsatzes macht die Spielwarenbranche mit brandneuen Produkten. Entsprechend groß ist die Angst, einen Kassenschlager zu verpassen – und umso wichtiger sind Trendscouts wie Reyne Rice. Die US-Amerikanerin ist im Schnitt zweimal im Monat auf Messen oder bei anderen Veranstaltungen unterwegs – immer auf der Suche nach neuen Entwicklungen, die sich bald darauf auch auf den Spielzeugmarkt auswirken könnten. Rice ist eines von neun Mitgliedern des neu gegründeten Trend-Komitees der Nürnberger Spielwarenmesse. Die Gruppe soll Händlern wie Herstellern helfen, die wichtigsten Trends in der Branche zu identifizieren.

Suche nach Elektroniktrends für Spielsachen

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Rice schaut dazu regelmäßig über den Tellerrand, ist auf Elektronikmessen genauso unterwegs wie in TV-Entwicklerforen oder im Lizenzmarkt. „Ich überlege immer: Wie lassen sich diese Trends in Spielsachen für Kinder von 0 bis 14 Jahren transformieren?“, schildert sie zu Beginn der Spielwarenmesse am Mittwoch ihre Herangehensweise. Mit der hatte sie schon oft den richtigen Riecher – Rice ist heute eine gefragte Expertin und Beraterin.

So hatte Rice sehr früh die sogenannten Hybrid-Spielzeuge auf dem Radar, die zuerst in der Videospielbranche auftauchten. Dabei handelt es sich um ganz normale Spiel-Charaktere aus Plastik, die – auf eine entsprechende Plattform gesetzt – in ein virtuelles Spiel „hineinhüpfen“. Derzeit haben erst eine Handvoll Spielwarenfirmen entsprechende Spielwelten im Angebot. Doch die Verlängerung klassischer Spielideen in die virtuelle Welt wird selbst in vielen traditionell ausgerichteten Unternehmen heiß diskutiert.

Modelleisenbahnen per Tablet steuern

Auch die Durchdringung der Industriegesellschaften mit mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs musste sich früher oder später auf den Spielwarenmarkt auswirken, schildert Rice. Vor zwei, drei Jahren kamen die ersten Spiele auf den Markt, die Smartphones einbanden – oft noch etwas unbeholfen. Inzwischen werden zahlreiche Autos oder Modelleisenbahnen völlig selbstverständlich per Tablet gesteuert.

Komitee-Mitglied Marek Jankowski macht sich weniger Gedanken über die gesellschaftlichen Mega-Trends. Der Chefredakteur des polnischen Fachmagazins „Branza Dziecieca“ hält einfach die Augen offen – und hat auf diese Weise drei der vier Spielwarentrends erkannt, die das international aufgestellte Komitee der Spielwarenmesse letztlich identifiziert hat. Die vier Schlagworte lauten: Fit4Life, Retromania, Mini is King und TechToys.

Hinter Fit4Life verstecken sich Spielsachen, die konkrete Fähigkeiten wie Handarbeiten, Backen oder Handwerken fördern. Unter Retromania fallen neu aufgelegte Klassiker oder Produkte im Retro-Look. Mini is King zielt darauf ab, dass es in den Städten immer weniger Platz zum Spielen gibt und Kinder häufiger im Auto sitzen – und dafür kleine, transportable Spielsachen brauchen. Das können auch TechToys sein – gemeint sind klassische Spielwaren mit technischen Finessen.

Auch Werkbänke gibt es noch

Auf der Spielwarenmesse lassen sich so einige Neuheiten finden, die zu den vier Trends passen. So gibt es nicht nur ferngesteuerte Hubschrauber, die kleiner sind als ein Handteller. Sondern auch Konstruktionsspielzeug in der Art von Lego – doch die Steine sind nur halb so groß. Wer seine Kinder „fit für’s Leben“ machen will, kann ihnen kleine Werkbänke oder funktionsfähige Küchenmaschinen schenken.

Gerade bei den Neuheiten ist jede Menge Elektronik verbaut. Viele Spielwaren blinken, machen Geräusche und bewegen sich, andere haben hoch leistungsfähige Kameras eingebaut. Doch besonders auffällig ist der Retro-Trend: Viele Klassiker wie Fimo, Furby und Tamagotchi sind – modern aufgehübscht – wieder auf dem Markt. Auch sterben Mensch-ärger-Dich-nicht oder Monopoly nie aus und kommen im neuen Gewand daher. Dazu gibt es Transistorradios zum Selbstbauen und Holzautos mit den Farben und Formen der 50er Jahre.

Doch nicht alle Branchenexperten sind davon überzeugt, dass die vier ausgerufenen Trends tatsächlich die Zukunft der Spielware bestimmen werden. Zwar sei der Siegeszug der Technik nicht zu stoppen. Doch ganz normale Puzzles, Teddys, Trampoline und Gesellschaftsspiele werde es weiter geben, prophezeien sie – und erinnern daran, dass so mancher gehypter Trend bis zur kommenden Spielwarenmesse stillschweigend in der Versenkung verschwand.

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