Unternehmen Auf in die USA: Rohstoffunternehmen im Frackingrausch

Ein Bohrbetrieb von Tekton Energy: Die US-Tochter der Deutschen Rohstoff AG, will Öl- und Gasvorkommen in den USA erschließen.

Ein Bohrbetrieb von Tekton Energy: Die US-Tochter der Deutschen Rohstoff AG, will Öl- und Gasvorkommen in den USA erschließen. © Deutsche Rohstoff AG

Der US-Schiefergas-Boom löst in der deutschen Rohstoffindustrie neidische Blicke über den Atlantik aus. Politisch ist die nötige Fördertechnik hier praktisch chancenlos. Ein Heidelberger Unternehmen ist stattdessen in die USA gezogen - und verdient dort kräftig mit.

Öl- und Gasförderung mit der umstrittenen Fracking-Methode ist in Deutschland politisch praktisch chancenlos. Das dürfte auch für die künftige Bundesregierung gelten, wie aus den bisherigen Beratungen der großen Koalitionsrunde zum Thema Energie deutlich wurde. In den USA wird mit der Technik dagegen massenhaft gearbeitet und viel Geld verdient. Im Windschatten der Großkonzerne ist dort bereits seit 2011 auch ein kleines deutsches Unternehmen aktiv: die Deutsche Rohstoff AG aus Heidelberg.

Sie hat sich Genehmigungen für 80 Bohrungen in Windsor nördlich von Denver im Bundesstaat Colorado gesichert und sieht in den USA ein „enormes Potenzial“ für die nächsten Jahre, wie Vorstand Thomas Gutschlag sagt. Fachleute schätzen das mögliche Nettoeinkommen allein aus den genehmigten 80 Bohrungen bis Mitte 2015 auf gut eine Milliarde US-Dollar (740 Millionen Euro).

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Die zwei zuletzt angeschlossenen Quellen in Windsor fördern seit Mai dieses Jahres täglich zusammen rund 1200 Barrel (knapp 191.000 Liter) Öl und Gas. Der Profit für das Unternehmen liegt bei über 60.000 Dollar für beide Quellen – pro Tag. Mögliche Gefahren für die Umwelt durch den Einsatz von Chemikalien bei den Fracking-Bohrungen hält Gutschlag für „völlig übertrieben“.

Rote Ampel für Fracking in Deutschland

Es gehe ja keineswegs um hochgiftige Stoffe, und die eingesetzte Menge liege unter einem Prozent des in die Bohrungen gepressten Wassers und Sandes. „Man hat das Gefühl, Fracking hat in Deutschland die Rolle der Atomkraft als das Böse schlechthin übernommen“, sagt Gutschlag.

Das sehen Umweltverbände natürlich ganz anders. Der BUND fordert ein generelles Verbot wegen Gefahren für das Grund- und Trinkwasser. Das Potenzial an per Fracking förderbarem Gas in Deutschland reiche ohnehin nur für rund 13 Jahre, erklärte BUND-Expertin Claudia Baitinger im Sommer. Das rechtfertige die nötigen hohen Investitionen nicht.

Auch in den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen in Berlin stehen die Zeichen weiter auf Rot: „Eine Technologie mit erheblichem Risikopotenzial“ sei das Fracking, hieß es dort. Über Genehmigungen könne erst entschieden werden, wenn alle Sorgen um das Grundwasser ausgeräumt seien. Und dies sei nach aktuellen Gutachten nicht der Fall. Den Einsatz giftiger Chemie für die Gasgewinnung lehnen die Teilnehmer der Gespräche generell ab.

„Dynamischer Wachstumsmarkt“ in den USA

In den USA läuft die Debatte laut Firmencheif Gutschlag anders. Dort herrsche ein „dynamischer Wachstumsmarkt“, berichtet der Vorstand der Deutschen Rohstoff AG. Bodenschätze seien in den Vereinigten Staaten Privateigentum wie Grundstücke. Förderlizenzen würden deshalb privat gehandelt, teilweise auch versteigert. Anders als bei den staatlichen und meist sehr teuren Großlizenzen in Deutschland kämen dabei auch Kleinunternehmen zum Zug, sagt Gutschlag.

Außerdem müssten in den USA alle Marktteilnehmer nach spätestens sechs Monaten ihre Bohrdaten veröffentlichen, die in Deutschland ein streng gehütetes Firmengeheimnis sind. Auch das verkürze den Vorsprung der Großkonzerne.

Das Geld für die US-Aktivitäten hat sich das 2006 gegründete und börsennotierte Unternehmen über eine Anleihe besorgt, die rund 62 Millionen Euro einbrachte. Seit Bekanntwerden der Bohrergebnisse in Colorado zog der Aktienkurs deutlich an – zumal das Unternehmen auch andere Nischen erfolgreich besetzte.

Auch in Deutschland Potenzial für Rohstoffabbau

So wurde Mitte 2011 in Queensland in Australien eine stillgelegte Mine für Wolfram für den Maschinenbau übernommen. Im ersten Halbjahr 2013 brachte sie bereits über 3 Millionen Euro Umsatz. In Deutschland plant das Unternehmen die Wiederbelebung des traditionsreichen Zinnabbaus bei Altenberg (Sachsen) im Erzgebirge – eine Lizenz für fünf Jahre wurde schon erteilt.

Rhein Petroleum, an dem die Deutsche Rohstoff AG als Mitgründer noch eine Minderheitsbeteiligung hält, bohrt außerdem in Riedstadt südlich von Frankfurt an einer Mitte der 1990er Jahre aufgegebenen Lagerstätte wieder nach Öl. Aber das natürlich ohne Fracking.

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