Unternehmen Auf Schmusekurs mit demokratiefeindlicher Regierung

Ein Demonstrant protestiert mit einem Plakat gegen die national-konservative Regierung in Ungarn.

Ein Demonstrant protestiert mit einem Plakat gegen die national-konservative Regierung in Ungarn.© GI/141375972/Agence France Presse

Deutsche Unternehmen suchen eine gefährliche Nähe zu Ungarns Regierungschef Viktor Orbán: Im neu gegründeten "German Business Forum" beraten sie sich mit dem Hardliner. Mit ihrem Schmusekurs versuchen die Unternehmen offenbar zu retten, was noch zu retten ist.

Deutsche Unternehmen suchen eine gefährliche Nähe zu Ungarns national-konservativem Regierungschef Viktor Orbán. Wie impulse (Ausgabe 3/2013) berichtet, beraten sich neben Konzernen wie RWE und Daimler auch Villeroy & Boch und der Autozulieferer Knorr-Bremse im neu gegründeten „German Business Forum“ mit dem Regierungschef – und nehmen es dabei in Kauf, den Hardliner aufzuwerten.

Der autokratisch agierende Premier brüskiert regelmäßig die EU-Partner. Aktuell plant er die Entmachtung des Verfassungsgerichts. Zuvor hat Orbán die Presse- und Meinungsfreiheit angegriffen, Hunderte Richter ausgetauscht und Kritiker im Kulturbetrieb abserviert. Zudem hetzen wichtige Abgeordnete des Parlaments öffentlich gegen Roma und Juden.

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Mit ihrem Schmusekurs versuchen die deutschen Unternehmen offenbar zu retten, was noch zu retten ist. Das neu gegründete „German Business Forum“ soll positiven Einfluss ausüben, schließlich haben die deutschen Firmen in Ungarn 300.000 Jobs geschaffen und 17 Milliarden Euro investiert – ein Viertel aller Direktinvestitionen. Einst galt das EU-Land als beste Adresse für Investoren. Heute überwiegen die Sorgen. „Monatlich gibt es neue Steuern, die Wirtschaftspolitik ist unberechenbar“, sagt Gábor Hideg, Finanzdirektor von Villeroy & Boch Ungarn. „Und mit uns meint es die Regierung noch gut. „Villeroy & Boch betreibt seine weltweit größte Fabrik in Ungarn.

Wer im Land produziert, wird von einer „Krisensteuer“ für ausländische Firmen verschont. „In der Wirtschaftspolitik ist mehr Berechenbarkeit wünschenswert“, sagt auch István Lepsényi von Knorr-Bremse. Die Münchener haben gerade in ein modernes Werk in Budapest investiert – und bauen schon das nächste.

Aus dem Magazin
Mehr dazu erfahren Sie in der impulse-Ausgabe 03/2013.

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