Unternehmen Hoffnungsträger Linzbach kommt beim Umbau von Heideldruck voran

Dr. Gerold Linzbach, Vorstandsvorsitzender Heidelberger Druckmaschinen AG

Dr. Gerold Linzbach, Vorstandsvorsitzender Heidelberger Druckmaschinen AG

Seit einem knappen Jahr führt Gerold Linzbach den angeschlagenen Maschinenbauer Heideldruck - und hat schnell die Schwachstellen des Unternehmens erkannt. Im laufenden Geschäftsjahr soll das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben.

Gerold Linzbach kam als Hoffnungsträger an die Unternehmensspitze von Heideldruck. Ein Mann, der sich mit Prozessoptimierung auskennt und das große Ganze im Auge hat. Er sollte Impulse setzen und den Maschinenbauer nach Jahren der Krise wieder in sicheres Fahrwasser führen. Zum 1. September vergangenen Jahres trat er die Nachfolge Bernhard Schreiers an, der das Unternehmen fast 13 Jahre lang geführt hatte. Vielen Mitarbeitern und Kleinaktionären ist Linzbach auch nach einem Jahr noch fremd, aber die Aura des Hoffnungsträgers umgibt ihn noch.

Heideldruck hat in den vergangenen Jahren ein trauriges Bild abgegeben: Hinter dem Unternehmen liegen fünf Jahre mit jeweils dreistelligen Millionen-Verlusten. „Es ist gut, dass man einen Mann geholt hat, der nicht aus der Branche kommt und mit einem frischen Blick auf das Ganze schaut“, sagt Analyst Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe. Auch Linzbach betont: „Ich komme von weit draußen, sehe mir das Ganze an und kann dumme Fragen stellen.“ Zuletzt hatte er den Callcenter-Betreiber und E-Commerce-Händler D+S Europe in Hamburg geleitet.

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Die Ziele des 57-Jährigen für Heideldruck: Im Geschäftsjahr 2013/14 soll das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben. Bis Mitte 2014 soll es weniger als 13 500 Beschäftigte geben. Das ist fast erreicht: Ende Juni waren es rund 13 670 Mitarbeiter. Heideldruck versucht seit Jahren, sich gesundzuschrumpfen, nachdem sich der Markt drastisch verändert hat. Vor fünf Jahren hatte das Unternehmen noch fast 20 000 Mitarbeiter. Er wolle keine „Wohlfühlparolen“ verkünden, sagt Linzbach. „Ich kann keine Jobgarantie geben, bevor nicht sichergestellt ist, dass das Unternehmen nachhaltig profitabel ist.“

„Die Stimmung schwankt zwischen Aufbruchstimmung und Angst“

Die Mitarbeiter beäugten den neuen Chef eher kritisch, sagt Betriebsratsmitglied Erik Exel. „Man weiß ja nicht, was der noch vorhat, der Mann.“ Die Stimmung im Unternehmen schwanke „zwischen Aufbruchstimmung und Angst“: „Es gibt eine gewisse Unruhe und Angst der Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze, aber auch eine gewisse Hoffnung, dass er die Firma wieder in die Spur bringt.“ Exel versteht die Verunsicherung der Beschäftigten. „Seit fünf Jahren ziehen wir von einem Effizienzprogramm ins nächste. Dass das irgendwann aufs Gemüt der Mitarbeiter schlägt, ist ja logisch.“

Mit dem Heideldruck-Team habe er sehr schnell die Schwachstellen des Unternehmens herausarbeiten können, sagt Linzbach. Auf der jüngsten Hauptversammlung benannte er einige davon auch vor den Aktionären: „Wir haben uns selbst zu lange etwas vorgemacht und auf eine Markterholung gehofft, die nicht eingetreten ist.“ Auf die Veränderungen am Markt habe das Unternehmen zu spät reagiert.

Mehr Verantwortung für Führungskräfte

Linzbach hat Heidelberger Druckmaschinen in zehn Geschäftsfelder unterteilt, jedes muss alle drei Monate berichten, ob es profitabel ist, wie er erläutert. Die Führungskräfte tragen nun mehr Verantwortung. Außerdem will er verstärkt auf strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen setzen: „Es muss nicht immer unsere eigene Technologie sein.“ Ihm persönlich gingen die Veränderungen bei Heideldruck allerdings nicht schnell genug. „Ich habe ungefähr so viel Geduld wie eine Eintagsfliege.“

Nach Einschätzung des Heidelberger IG-Metall-Geschäftsführers Mirko Geiger hat Heideldruck die Talsohle durchschritten. „Das Unternehmen entwickelt sich jetzt zum Besseren“, sagt er. „Ob man jemals zu alter Größe zurückkehren wird, das weiß ich nicht.“ Linzbach habe Bewegung in das Unternehmen gebracht, es wehe seither ein anderer Wind. „Das möchte ich weder positiv noch negativ bewerten – entscheidend ist, dass überhaupt frischer Wind weht.“

1 Kommentar
  • Name Maurina 8. November 2014 15:54

    Herr Linsbach und seine Kollegen im Vorstand können nur Mitarbeiter entlassen.
    Mehr fällt ihnen nicht ein !
    Das ist traurig aber wahr und dafür werden sie auch noch hoch bezahlt.

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