Unternehmen Autobranche fürchtet lange Euro-Schuldenkrise

Die Autobauer malen in Genf ein düsteres Bild für die Zukunft der europäischen Märkte. Die Unsicherheit könnte noch Jahre weitergehen. Wer global nicht stark aufgestellt ist, steckt in der Krise fest.

Die Autobranche macht sich keine Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Absatzflaute in Europa. Die Schuldenkrise werde den Kontinent noch mindestens ein halbes Jahrzehnt beschäftigen, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Dienstag am Rande des Genfer Autosalons. „Die nächsten fünf Jahre wird diese Volatilität auch nicht zurückgehen. Und das ist eine ziemlich sichere Aussage.“ Auch der Chef des angeschlagenen französischen PSA-Konzerns, Philippe Varin, sieht die Zukunft trübe: „Wir sollten uns nicht auf die Erholung und das Wachstum in Europa verlassen.“

Der US-Autobauer Ford erwartet 2013 in Europa ein ähnlich hohes Minus wie im Vorjahr. Schon 2012 hatte der Autobauer einen Vorsteuerverlust von rund 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro) eingefahren. Ein Teil davon liege allerdings an hohen Investitionen in neue Produkte, sagte Europa-Chef Stephen Odell. 2015 will Ford wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen.

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Peugeot Citroën (PSA) will statt auf Europa künftig auf Wachstumsmärkte wie China und Russland setzen, wo die Franzosen zunächst den Anschluss an Konkurrenten wie den VW-Konzern verpasst hatten. Verkaufte PSA 2012 erst 38 Prozent seiner Autos außerhalb der EU, soll es 2015 jedes zweite sein. Ende 2014 wollen die Franzosen kein Geld mehr verbrennen. 2012 waren es pro Monat noch 200 Millionen Euro gewesen. Fast vier Milliarden Euro hatte Peugeot Citroën auf das Europageschäft abgeschrieben.

Aber selbst für die Rekordjäger von BMW ist die Situation in Europa eine große Herausforderung. Denn noch immer stehe der Kontinent für 40 bis 45 Prozent des gesamten BMW-Absatzes, sagte Konzernchef Reithofer. Vor allem in Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich werde es schwer. „Dort ist momentan noch kein Boden zu sehen.“

BMW muss sich allerdings dank der starken Nachfrage in China oder den USA um die eigenen Zahlen derzeit nicht zu große Sorgen machen. Im Januar und Februar zusammen verkaufte der Oberklasse-Hersteller weltweit mehr als 250 000 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce – und legte damit den besten Jahresstart der Firmengeschichte hin. Verglichen mit 2012 ist das ein Plus von mehr als sechs Prozent.

Auch der VW-Konzern und die deutschen Oberklasse-Hersteller Audi, Porsche und Daimler profitieren von ihrer globalen Ausrichtung. Dagegen stecken Hersteller wie PSA und Opel in einer tiefen Krise, weil sie von der Entwicklung in Europa abhängig sind.

Daimler muss sich derzeit allerdings mit konzerninternen Scharmützeln herumschlagen. Nach Kritik an seinem Führungsstil will Vorstandschef Dieter Zetsche seinen Kurs jedoch nicht ändern. „Das sind Einzelmeinungen“, sagte er in Genf. Die Arbeitnehmerseite hatte nach dpa-Informationen unter anderem den Kommunikationsstil des Vorstandschefs bemängelt. Zetsche lasse keine anderen Meinungen und keine Kritik zu, hieß es.

Im Kampf der Oberklasse-Hersteller mit BMW und Audi wollen die Stuttgarter unterdessen bis 2016 einen „großen Schritt“ nach vorne gemacht haben, wie Zetsche ankündigte. Mit einem Sparprogramm will der Manager vor allem die schwächelnde Pkw-Sparte profitabler machen.

Unterdessen will der neue Opel-Chef Karl-Thomas Neumann offene Fragen nach der Grundsatzeinigung über die Zukunft des Werks in Bochum in einigen Wochen klären. „Für mich war es wichtig, dass wir in der vergangenen Woche diesen Durchbruch geschafft haben“, sagte der Manager. Es gebe immer einige Details, die noch offen seien. So sei noch nicht entschieden, welche Komponenten künftig in der Fabrik gefertigt werden sollen. „Wir müssen uns die nötige Zeit nehmen, um das zu klären.“ Die Autoproduktion soll 2016 in Bochum auslaufen. Das Management will aber 1200 der mehr als 3000 Jobs dort erhalten.

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