Unternehmen B. Braun mischt beim Übernahmekampf um Rhön mit

Der Poker um den neuen Eigentümer von Rhön-Klinikum wird immer spannender. Nun hat sich offenbar auch der Medizintechnikkonzern B. Braun an der fränkischen Klinikkette beteiligt. Das Familienunternehmen hatte bereits 2005 einen Vorstoß in den Klinikmarkt gewagt.

Im Übernahmekampf um die Krankenhauskette Rhön-Klinikum werfen immer mehr Interessenten ihren Hut in den Ring. Neben den Konkurrenten Fresenius, Asklepios und Sana sei auch der Medizintechnikkonzern B. Braun an der fränkischen Klinikkette beteiligt, sagten mehrere mit Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Familienunternehmen aus dem nordhessischen Melsungen sei schon seit einiger Zeit bei Rhön engagiert, sagten zwei Insider. Zuletzt habe B. Braun über Kaufoptionen Zugriff auf knapp fünf Prozent der Rhön-Aktien gehabt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Gemeldet werden müssen solche Optionen erst, wenn ein Konzern die Schwelle von fünf Prozent überschreitet.

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Ein Sprecher von B. Braun sagte, der Konzern äußere sich grundsätzlich nicht zu Aktienkäufen. B. Braun betreibt im Gegensatz zu Fresenius, Asklepios und Rhön selbst keine Kliniken, beliefert Krankenhäuser aber unter anderem mit Medizintechnik, chirurgischen Instrumenten und Infusionen. Das Unternehmen hatte bereits 2005 einen Vorstoß in den Klinikmarkt gewagt und als Minderheitsbieter mit Asklepios ein Angebot für das Uniklinikum in Gießen und Marburg vorgelegt. Den Zuschlag bekam damals allerdings Rhön-Klinikum.

Mit ihrem Einstieg bei Rhön wollen die Konkurrenten Insidern zufolge verhindern, dass Fresenius einen zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön-Klinikum nimmt. Nachdem Fresenius Ende Juni mit dem Versuch gescheitert war, mehr als 90 Prozent an Rhön-Klinikum zu übernehmen und damit volle Kontrolle über den Konzern zu haben, könnte sich Fresenius-Chef Ulf Schneider in einem zweiten Vorstoß mit einer einfachen Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme zufrieden geben, sagten zwei mit Vorgang vertraute Personen.

Fresenius wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Ein Sprecher des Dax-Konzerns sagte, das Unternehmen prüfe weiter seine Optionen bei Rhön-Klinikum und werde seine Entscheidung zu gegebener Zeit kommunizieren.

„Aber das wäre schon ein mühsamer Weg“

Mit dem ersten, 3,1 Mrd. Euro schweren Übernahmeangebot war Fresenius gescheitert, weil der Konzern lediglich 84,3 Prozent der Rhön-Aktien eingesammelte. Für ein Gelingen des Kaufs wären mehr als 90 Prozent nötig gewesen. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Ulf Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für alle wichtigen Entscheidungen vorgesehen ist. Sollte Fresenius sich nun mit einer einfachen Mehrheit zufrieden geben, könnte der Konzern über Kapitalmaßnahmen nicht alleine entscheiden und auch deutlich weniger Synergien erzielen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Natürlich werden derzeit alle Szenarien durchgespielt. Aber das wäre schon ein mühsamer Weg.“

Durch einen Zusammenschluss von Rhön und der Fresenius-Krankenhaustochter Helios würde der größte private Klinikbetreiber in Deutschland entstehen. Als erster Anbieter würde der Konzern über ein flächendeckendes Kliniknetz in Deutschland verfügen und könnte somit auch zusätzliche Dienstleistungen wie eine private Krankenzusatzversicherung anbieten. Vielen Konkurrenten und den Versicherung sei dies ein Dorn im Auge, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.

„Die Versicherungen wollen nicht, dass ein riesiger Klinikbetreiber entsteht, der eine große Verhandlungsmacht hat und eventuell sogar selbst eine private Zusatzversicherung anbietet“, sagte ein Brancheninsider. Auch der Einstieg der Sana Kliniken, die von 31 privaten Krankenversicherungen kontrolliert wird, müsse vor diesem Hintergrund gesehen werden. Es sei denkbar, dass inzwischen auch einige Versicherungen selbst einen kleinen Anteil an Rhön gekauft haben, sagten zwei andere mit der Situation vertraute Personen.

Die meisten Prozessbeteiligten gehen davon aus, dass sich bei Rhön-Klinikum erst einmal alle Beteiligten gegenseitig blockieren werden. „Rhön wird immer mehr zu Anzag“, sagt ein Insider. Beim Frankfurter Pharmahändler hatten sich 2003 die Rivalen Celesio und Phoenix eingekauft und damit eine Übernahme von Anzag durch den britischen Konkurrenten Alliance Unichem verhindert. Erst Ende 2010 löste sich der Knoten und die Anzag-Anteilseigner verkauften ihre Papiere an den Unichem-Nachfolger Alliance Boots.

Autoren: Andreas Kröner und Frank Siebelt

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