Unternehmen Bei TUI kommt der Gewinn wieder per Container

Noch vor wenigen Monaten stand die Tochter Hapag-Lloyd vor der Pleite und musste von den Besitzern gerettet werden. Heute lässt sich mit der Schifffahrt wieder gutes Geld verdienen. Abstoßen will TUI die Reederei dennoch.

Nach ihrer tiefen Krise macht die Reederei Hapag-Lloyd ihren Mutterkonzern TUI wieder froh: Nur dank der Erholung der Beteiligung verbuchte der Hannoverner Reise- und Schifffahrtskonzern einen Jahresgewinn.

Unter dem Strich stand bei TUI im Geschäftsjahr 2009/10 (bis Ende September) ein Plus von 114 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Dazu habe die Beteiligung an Hapag 150 Mio. Euro beigetragen. TUIs Geschäftsjahr läuft bis Ende September. Bei Anlegern kamen die Daten gut an: Um bis zu fünf Prozent stieg das TUI-Papier. Gegen Mittag war die Aktie 4,3 Prozent mehr wert als am Montag.

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Anleger griffen zu, obwohl es im Tourismusgeschäft in den vergangenen Monaten mau lief. Dort verbuchte der Konzern wegen Restrukturierungskosten, der Aschewolke über Island im vergangenen Frühling und eines Bilanzfehlers bei der Tochter TUI Travel Verluste. Im Vorjahr hatte TUI dank des Verkaufs von Hapag-Lloyd-Anteilen noch ein Gewinn von 206 Mio. Euro verbucht.

TUI hält derzeit rund 43 Prozent an Hapag. Die restlichen Anteile liegen beim Hamburger Konsortium Albert Ballin, das sich während der Krise an Hapag beteiligte, um die Traditionsreederei zu retten und ihren möglichen Verkauf nach Asien zu verhindern. Für das kommende Jahr prüft TUI einen Börsengang der Reederei und parallel dazu einen Verkauf des Anteils an Investoren. In der Branche wird ein Börsengang im April erwartet. Die Vorbereitungen dazu müssten im ersten Quartal abgeschlossen sein.

Der Wert der Beteiligung beträgt laut TUI etwa 2 Mrd. Euro. Konzernchef Michael Frenzel sagte nicht genau, was mit den Einnahmen aus dem Verkauf geschehen soll. Möglich ist ein Schuldenabbau, aber auch ein Zukauf von Anteilen der Tochter TUI Travel, in der das Touristikgeschäft des Konzerns zusammengefasst ist. Bisher gehört den Niedersachsen etwas mehr als die Hälfte von TUI Travel, die aus dem Zusammenschluss mit dem damaligen britischen Konkurrenten First Choice entstanden war.

Abspaltung kommt auf jeden Fall

Fest entschlossen ist Frenzel, sich von der Hapag-Beteiligung zu trennen und TUI zu einem reinen Tourismuskonzern umzuformen. Das hatte das Unternehmen jüngst auf Anfrage der FTD noch einmal betont – obwohl die Geschäfte bei Hapag wieder prächtig laufen. Die weltweite Wirtschaft erholte sich in den vergangenen Monaten deutlich, Asien boomt.

Gnade vor den Augen der Anleger fand die TUI-Aktie auch, weil der Konzern im laufenden Geschäftsjahr wieder ein positives Konzernergebnis erwartet. Aus der Beteiligung an Hapag, die zum Jahreswechsel durch die Umwandlung von Darlehen in Aktienkapital auf knapp 50 Prozent steigt, rechnet das Unternehmen mit deutlich positiven Ergebnisbeiträgen.

Im Reisegeschäft werde das operative Ergebnis leicht steigen. Die Buchungen für die aktuelle Wintersaison lägen quer durch alle europäischen Märkte teils deutlich im Plus, teilte das Management mit. Dennoch ist eine Dividende für das laufende Jahr unsicher. Sie hänge von der weiteren Entwicklung ab, hieß es im Geschäftsbericht.

Zusätzliche Erträge von 325 Mio. Euro erwartet TUI durch den Verkauf und die Rückmietung von Immobilien. Einen Großteil davon soll 2010/11 verbucht werden. Die Nettoverschuldung soll im angelaufenen Geschäftsjahr weiter sinken. Ende September lag sie bei 2,3 Mrd. Euro.

Über seine eigene Zukunft an der Spitze des Konzerns äußerte sich der 63 Jahre alte Frenzel vage: Sein Vertrag läuft bis März 2012. „Man muss sehen, wie es weitergeht“, sagte er auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen.

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