Unternehmen Berlin auf dem Weg zur Modeweltstadt

Seit Mittwoch ist sie im Gange: 2500 Labels stellen auf der Berlin Fashion Week die Mode für Frühjahr/Sommer 2011 vor. Wir geben einen Ausblick und zeigen, was die Woche der deutschen Hauptstadt bringt.

Der Takt ist gnadenlos. Messen, Shows, Empfänge, Partys – was in den nächsten fünf Tagen in Berlin in Sachen Mode läuft, könnte auch drei Wochen füllen. Von Mittwoch bis Sonntag trifft sich die deutsche Modeszene zur Fashion Week. Groß ist der Andrang der Labels und Designer, die hier ihre Kollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2011 zeigen. 120.000 Fachbesucher erwartet die Stadt: Kreative, Aussteller und Medien, außerdem jede Menge Prominenz.

Berlin freut sich über den Boom. Seit Jahren bemüht sich die Stadt, zu den wichtigsten Modemetropolen aufzuschließen. Neben Paris, Mailand, London und New York will auch sie als kreatives Zentrum international Anerkennung finden. Je größer die Aufmerksamkeit, desto schneller kommt sie ihrem Ziel nahe. Große Marken wie Dior, Prada oder Yves Saint Laurent zieht es nicht hierher, immerhin ist erstmals Calvin Klein dabei.

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Das US-Label zeigt am Mittwochabend Mode und Kosmetik in der „Münze“, einer alten Industriehalle in Mitte, und steht damit für eine typische Trennung: Die größten Marken wählen einen exklusiven Ort für ihre Shows. Boss präsentiert seine Linie Boss Black am Donnerstag im Park am Gleisdreieck, der Berliner Stardesigner Michael Michalsky lädt am Freitag zur „Stylenite“ ins Tempodrom. Im Januar hatte er seine Mode im Friedrichstadtpalast gezeigt, der für ihn „größten deutschen Theaterbühne“.

Vom fulminanten Auftritt bis zum kleinen Empfang – die Brandbreite ist bei mehr als 70 Schauen groß. Zentrum des Ganzen ist die Mercedes-Benz Fashion Week mit ihrem Zelt am Bebelplatz, wo 20.000 Besucher erwartet werden. Knapp 30 Defilees laufen dort bis Samstag, darunter deutsche Labels wie Rena Lange und Schumacher, ausländische Marken wie Custo Barcelona und ein großer Anteil lokaler Designer wie Lala Berlin, Kaviar Gauche und Kilian Kerner. Gerade sie sind es, die den Blick der Kritiker auf sich ziehen. Berlin empfand es als Ritterschlag, als die New Yorker Modekritikerin Suzy Menkes, eine Instanz in der internationalen Szene, vor einem Jahr kam und der Stadt „raw energy“ bescheinigte – rohe, authentische Energie.

Stadt der Nachwuchsdesigner

Herausragend fand Menkes den Nachwuchsdesigner Michael Sontag, der seine erste eigene Show zeigte und diesmal beim Nachwuchswettbewerb „Start Your Fashion Business“ ins Rennen geht. Den Preis schreibt der Berliner Senat zum ersten Mal aus. Mehr als 100 Designer haben sich beworben, fünf sind in der Endrunde. „Ich freue mich über den hohen Standard, den die Jury mit der Auswahl der Finalisten gesetzt hat“, sagt Wirtschaftssenator Harald Wolf im Interview mit impulse und betont den hohen Anteil Berliner Absolventen: „Gleich vier der Nominierten haben an der Kunsthochschule Weißensee studiert.“

Die ist nur eine von neun Berliner Schulen und Hochschulen fürs Modefach. Rund 1000 Studierende lernen dort gerade ihr Handwerk, viele machen sich anschließend in der Stadt mit einem eigenen Label selbstständig. Für Senator Wolf ein „hervorragendes Nachwuchspotenzial“, das er fördern will. Dazu hat das Land Berlin 2008 die Showroom-Meile ins Leben gerufen. Sie soll Newcomer, die sich weder Show noch Messestand leisten können, mit Fachbesuchern zusammenbringen.

Mehr Einkäufer locken

Doch auch Berliner und Touristen soll die Showroom-Meile locken. Diese können dort neue Kollektionen sehen, einkaufen, Ausstellungen und Kunst-Events besuchen, die sich ums Thema Mode drehen. „Wir wollen möglichst viele Menschen dafür sensibilisieren, dass Mode ein Wirtschafts- und Kulturgut gleichermaßen ist und auf einer Ebene mit anderen kreativen Branchen steht“, sagt Senator Wolf. Für Berlin hat sich die Fashion Week zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt: Rund 100 Millionen Euro bringt sie jedes Mal den Hoteliers, Gastronomen und Dienstleistern ein.

Gutes Geschäft für Veranstalter

Den größten Anteil, rund 80 Millionen Euro, machen dabei die Messen mit ihren rund 100.000 Fachbesuchern. Mit mehr als 2500 Modemarken rechnet die Stadt dieses Mal. Sie füllen vor allem die große Streetwear-Messe Bread & Butter auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof und die Avantgarde-Messe Premium in der Station-Berlin in Mitte, die jetzt erstmals ein Segment für Herrenmode zeigt. Gleichzeitig wächst das Spektrum kleinerer Messen. Die Bright zum Beispiel ist von Frankfurt nach Berlin gezogen.

Schwierig, bei dieser Fülle den Überblick zu behalten. Das erleben auch die Macher. Manchmal sei es unmöglich, sagt Senator Wolf, alle relevanten Player unten einen Hut zu bringen, sich auf Termine zu einigen. Allerdings profitieren die Beteiligten von dieser Bündelung. Je mehr sie in kurzer Zeit bieten, desto eher lohnt sich die Anreise fürs Fachpublikum. Gerade auf Seiten der Einkäufer gibt es noch viel Luft nach oben.

Denn diese geben ihre Bestellungen meist nach den Messen ab – in Showrooms, die die großen Labels nicht in Berlin betreiben, sondern in Düsseldorf und München. Dort wird in Deutschland das meiste Geld mit Mode verdient, und da Berlin gern ein Stück von diesem Kuchen hätte, eröffnet es nun selbst Showrooms, in sanierten Lagerhäusern am Osthafen, unter dem Namen Labels Berlin.

Zufriedene Veranstalter

Ein gutes Geschäft macht bereits der Investor und Veranstalter der Mercedes-Benz Fashion Week, die International Management Group (IMG). Die schreibe seit der letzten Saison schwarze Zahlen, sagt Daniel Aubke. Er ist Sprecher von IMG Fashion, die seit 2007 die Berliner Events unter einen Hut bringt. Aubke zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung: „Die Fashion Week wächst kontinuierlich, wir arbeiten gut.“

IMG richtet weltweit Modewochen aus: unter anderem in New York, Miami, Sydney, Mumbai. Dabei sucht sie auch passende Sponsoren. Die sollen neben Geld besonderes Know-how mitbringen: In Berlin stellt zum Beispiel Maybelline Kosmetik und Make-up-Teams, der Logistiker DHL transportiert Kollektionen. Und Titelsponsor Mercedes-Benz engagiert sich in rund 30 Ländern bei Mode-Events.

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