Unternehmen Berlin mischt die Internet-Branche auf

Berlin ist wieder Frontstadt. Im Stadtteil Mitte entwickeln junge Internet-Firmen neue Ideen und Projekte. Bei den Hinterhaus-Startups klopfen internationale Investoren an, die sonst vor allem im Silicon Valley unterwegs sind. Impulse.de stellt die wichtigsten Namen vor, die man sich merken sollte.

„Wir sind gerade in einer Investorenrunde“ – Diesen Satz bekommt man zurzeit häufiger bei jungen Internet-Firmen zu hören. Auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten klopfen internationale Investoren bei den Berliner Hinterhaus-Startups an. „Man braucht gar nicht viel Geld, um herauszufinden, ob eine Idee erfolgreich sein wird oder nicht“, sagt Simon Levene, Partner bei der Londoner Investmentfirma Index Ventures, die im Juni junge Internet-Unternehmer zu einer Grillparty in Berlin eingeladen hat. Am Anfang genüge eine Investition von einigen hunderttausend Euro. „Sobald ein Unternehmen dann beginnt, Zugkraft zu entfalten, werden für das weitere Wachstum ein paar Millionen Euro benötigt.“

Die Musikplattform Soundcloud gehörte zu den Ersten

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Ausgelöst wurde der Berlin-Hype wahrscheinlich von der Musiktausch-Plattform Soundcloud. Die Soundcloud-Gründer waren mit die ersten in dem Trend, dass internationale Startups Berlin als Standort wählen, weil die Stadt jung, hip und „cutting-edge“ ist, also an vorderster Front steht.

„Es gibt sehr wenige Orte in Europa, die eine solche Dynamik haben wie Berlin“, sagt Investor Levene. Vergleichbar sei noch London, aber dort sei es weitaus teurer, eine neue Firma zu gründen. Weltweit sei nur das Silicon Valley für Internet-Startups wichtiger – in Kalifornien sei schon die zweite oder dritte Generation am Werk, während in Berlin noch die erste Generation am Start sei.

Viele Namen bleiben unbekannt, einige der Startups aber sorgen international für Gesprächsstoff. Eine Auswahl interessanter Projekte:

6Wunderkinder

Das Team um den Web-Entwickler Christian Reber hat seit August 2010 den Aufgabenplaner Wunderlist entwickelt, der dem Konzept des „Getting Things Done“ (GTD) folgt. Zweites Produkt soll eine Plattform für die Zusammenarbeit werden, Wunderkit. Investoren sind e42, der High-Tech-Gründerfonds und T-Venture, die Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Telekom.

Amen

Das Startup wurde im März von Felix Petersen gegründet, der zuvor den Lokalisierungsdienst Plazes (2008 an Nokia verkauft) gegründet hatte. Mit dabei ist auch der Twitter-Pionier Florian Weber. Die Amen-App befindet sich im geschlossenen Beta-Test. Dabei geht es um Kommunikation von kurzen Meinungsbeiträgen, Details sind bislang nicht bekannt. Zu den Investoren gehören der Hollywood-Star Ashton Kutcher und Index Ventures.

ezeep

Das 2010 von Sascha Kellert, Frederic Haitz und Daniel Meisen gegründete Projekt hat für Unternehmen einen Dienst entwickelt, um das Drucken in der Cloud zu unterstützen.

Gidsy

Dieses im Mai gestartete Projekt will ein Soziales Netzwerk für Freizeit-Unternehmungen aller Art einrichten – von Galeriebesuchen bis zum Pilzesammeln im Wald. Der Start ist gleichzeitig für Berlin und New York geplant. Gründer sind Edial und Floris Dekker sowie Philipp Wassibauer.

mag10

Das im Herbst 2010 vom ehemaligen Focus-Online-Chef Jochen Wegner und dem deutschen Software-Unternehmer Marco Börries (u.a. „StarDivision“) gegründete Unternehmen entwickelt eine Plattform für Publikationen auf Tablet-Computern.

Moped

Schuyler Deerman ist aus San Francisco nach Berlin gekommen, um ein Projekt für die Verwaltung von Schulden und Gefälligkeiten im persönlichen Bekanntenkreis zu gründen. Die App soll demnächst veröffentlicht werden. Deerman gehört auch zu den Initiatoren des Startup-Portals Silicon Allee.

Readmill

Das Portal für den Austausch von E-Book-Lesern wurde im März von den Schweden Henrik Berggren und David Kjelkerud gegründet. Das Projekt befindet sich noch in der Testphase.

ResearchGate

Das Soziale Netzwerk von Wissenschaftlern wurde im Mai 2008 von Ijad Madisch, Sören Hofmayer und Horst Fickenscher gegründet. Zu den Investoren gehören Benchmark Capital und Accel Partners.

Soundcloud

Das bereits etablierte Startup bietet eine Plattform für die Zusammenarbeit von Musikern und die Verbreitung ihrer Werke. Das Unternehmen wurde im August 2007 von den Schweden Alex Ljung und Eric Wahlforss gegründet. Zu den Investoren gehören Doughty Hanson Technology Ventures, Union Square Ventures und Index Ventures.

Uberblic

Dieser Dienst zur Entwicklung von Web-Anwendungen integriert eine Vielzahl von Software-Schnittstellen (APIs) und vereinfacht damit deren Nutzung. Das Unternehmen wurde 2009 von Georgi Kobilarow gegründet und konnte sich bislang aus den Einnahmen selbst finanzieren.

twago

Die 2009 gegründete Online-Plattform bringt kleine und mittlere Unternehmen mit Anbietern von Dienstleistungen aller Art zusammen. Gründer sind Gunnar Berning, Maria Lindinger und Thomas Jajeh.

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