Unternehmen Bier für Indien

Er hat das Biertrinken zuerst den Südamerikanern beigebracht und danach den Chinesen. Nun macht der Ludwigsburger Brauereihersteller Ziemann den Indern den Gerstensaft schmackhaft.

Joachim Gunkel ist Geschäftsführer des schwäbischen Unternehmens Ziemann. Der Hersteller von Brauanlagen kennt die Branche wie kaum ein anderer. Weil der Biermarkt in der westlichen Welt ziemlich gesättigt ist, fahnden Marketingscouts weltweit nach neuen Märkten. Die Marktsucher fanden heraus: Junge Inder aus der Mittelschicht ent­decken gerade Bier als Modegetränk.

Im Hinduismus dürfen nur Angehörige bestimmter Kasten Alkohol trinken, und so liegt Ziemanns Zielgruppe bei einer halben Milliarde Menschen. Momentan trinkt der Durchschnittsinder nur einen Liter Bier pro Jahr. Das Ziel der Schwaben ist es, den Konsum zu verdoppeln.

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So baut Ziemann nun gemeinsam mit SAB Miller, einem der größten Braukonzerne der Welt, zwei Brauereien in Indien, die noch in diesem Jahr fertiggestellt werden sollen. Die beiden Unternehmen haben bereits den südamerikanischen Markt zusammen erobert, und sie sind zuversichtlich, jetzt auch Indien auf den Geschmack zu bringen. Welche Biersorten hier gebraut werden sollen, steht noch nicht fest.

Insgesamt aber werden es eine Million Hektoliter pro Jahr sein. Für die mexikanische Brauerei Grupo Modelo hat Ziemann eine Anlage ­gebaut, die ab 2013 jährlich sogar 30 Millionen Hektoliter Bier produzieren wird. Die Schwaben planen und bauen, und wenn sie fertig sind, dann gibt es auf Knopfdruck exzellent gebrautes Bier.

Auf diese Weise hat es das deutsche Unternehmen zum weltweit größten Anbieter seiner Branche geschafft. Nachdem im Jahr 2006 ein Joint Venture mit China abgeschlossen wurde, konzen­triert sich der Brauexperte jetzt auf weitere asiatische Märkte und auf Osteuropa. Dabei hofft Ziemann-Chef Gunkel nicht nur auf neue Märkte in neuen Ländern, sondern auch auf neue Zielgruppen. So glaubt er zu wissen, dass die russische Damenwelt den Wodka über hat. „Die Russin trinkt auch gerne mal ein Bier“, sagt er. Dass es eines aus einer deutschen Anlage sein soll, ist für ihn klar.

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