Unternehmen Blick in die Glaskugel: Experten sagen kräftiges Wachstum voraus

Produktion in Deutschland

Produktion in Deutschland© industrieblick / Fotolia

Alle Experten sind sich einig: 2014 wird endlich mal wieder ein starkes Jahr für die deutsche Wirtschaft. Auch Familienunternehmen blicken optimistisch ins neue Jahr. Wie rasant es aufwärts geht, da gehen die Meinungen allerdings auseinander. Für Unsicherheit sorgen etwa die Turbulenzen in den Schwellenländern.

Deutsche Familienunternehmen blicken mit vorsichtigem Optimismus auf das 1. Quartal 2014. Die aktuelle Geschäftslage bewerten die Unternehmen im Durchschnitt mit der Note 2,5, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage unter Mitgliedern der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“ ergab. Damit verbesserte sich die Bewertung im Vergleich zum letzten Quartal leicht um 0,1 Punkte. Auch die Beurteilung der erwarteten Auftragslage fällt positiver aus: Mit der Note 2,4 stieg sie auf den besten Wert seit zwei Jahren. „Die gute Stimmung in den Familienunternehmen hält auch im neuen Jahr an“, sagte Lutz Goebel, Präsident des Familienunternehmer-Verbands.

Der positive Trend spiegelt sich auch bei den Arbeitsplätzen und den geplanten Investitionen wider. Der Anteil der Unternehmen, die zurzeit offene Stellen haben, liegt bei 54 Prozent: 2 Prozent mehr als vor drei Monaten. Darüber hinaus wollen 40 Prozent der befragten Unternehmer Erweiterungsinvestitionen vornehmen, ein Anstieg um 6 Prozent.

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Experten erwarten kräftiges Wachstum

Auch Experten erwarten, dass die Konjunktur in Deutschland 2014 nach zwei eher mauen Jahren endlich wieder so richtig in Schwung kommen wird. „Bei anhaltendem Beschäftigungsaufbau und kräftigen Lohnsteigerungen wird der private Verbrauch maßgeblich zum Wachstum beitragen. Auch weltweit dürfte die Konjunktur Fahrt aufnehmen“, betont das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Trotzdem warnt Deutschland-Experte Simon Junker vor allzu viel Optimismus. Unter dem Strich wird die deutsche Wirtschaft nach seiner Prognose um gut 1,6 Prozent wachsen.

Damit würde sich das Wachstum nach 0,4 Prozent 2013 und 0,7 Prozent 2012 zwar beschleunigen. Verglichen mit anderen Erwartungen ist das DIW aber geradezu pessimistisch. Die Deutsche Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft ein Plus von 1,7 Prozent zu, die Regierung von 1,8 Prozent und Volkswirte von der Berenberg Bank haben 2,2 Prozent Wachstum vorhergesagt.

Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der Unicredit, sieht die nahe Zukunft noch rosiger. Das Plus von 0,4 Prozent im Schlussquartal 2013 gebe nicht die wahre Dynamik der deutschen Wirtschaft wider, betont er: „Da steckt mehr in der Pipeline.“ Schließlich sei die Stimmung bei Unternehmern und Verbrauchern glänzend: „Wir bleiben bei unserer Prognose, dass das deutsche BIP 2014 um 2,5 Prozent zulegen wird.“

Gute Nachrichten aus Frankreich

Rees begründet seinen Optimismus auch mit den überraschend guten Nachrichten aus Frankreich: Die Wirtschaft des Nachbarn habe zum Jahresende mit 0,3 Prozent Wachstum in den zweiten Gang hoch geschaltet: „Da Frankreich mit einem Anteil von mehr als neun Prozent der wichtigste Einzelmarkt für deutsche Exportunternehmen ist, verspricht das Gutes für Deutschland und die Eurozone insgesamt.“ Zumal auch Spanien und Italien die Rezession überwunden haben.

Weil die Schuldenkrise im Euroraum weitgehend abgeklungen ist, ist der Blick der Ökonomen in die Glaskugel zwar wieder etwas leichter geworden: Denn eine Staatspleite mit verheerenden Folgen für Europas Wirtschaft insgesamt steht derzeit nicht mehr auf der Agenda. Aber eine Regierungskrise in Italien, eine Konjunkturdelle im reformträgen Frankreich oder auch eine Verschärfung der Turbulenzen in den Schwellenländern könnten den optimistischen Prognostikern einen Strich durch die Rechnung machen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet vor, dass das Wachstum im vierten Quartal zwar höher ausgefallen sei als zuvor von ihm unterstellt. Deshalb könne sich seine 2014er-Prognose von 1,7 Prozent Wachstum als etwas zu niedrig erweisen: „Aber wir zögern, sie zu erhöhen, weil die Risiken in den Schwellenländern gestiegen sind, von denen das Wachstum der deutschen Wirtschaft stark beeinflusst wird.“

Zurück in die Zukunft

Volkswirte haben das Problem, dass sie mit Berechnungsmodellen und einem Blick in den Rückspiegel die Zukunft voraussagen müssen. Dabei stützen sie sich auf immer größere Datensätze. Doch die Ökonomen können nicht mit Sicherheit wissen, welche politischen Entscheidungen in Berlin und Paris, Washington oder Peking getroffen werden, oder ob Unruhen oder Kriege den Ölpreis kräftig steigen lassen.

Und wenn die US-Notenbank Fed ihr Anleihenkaufprogramm schneller zurückfahren sollte als erwartet, könnte auch das die Weltkonjunktur beeinflussen. Das würde auch die Exportnation Deutschland treffen.

Gleichwohl sind Prognosen wichtig. Ohne sie kann kein Finanzminister den Haushalt planen und kein Manager über Investitionen entscheiden. Und: Die Experten liegen keineswegs grundsätzlich daneben – auch wenn das angesichts der breitgefächerten Vorhersagen zwangsläufig auf einen Großteil zutrifft: Die Deutsche Bundesbank etwa hatte schon im Dezember 2012 ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent im Jahr 2013 vorgesagt, als die Bundesregierung noch 1,0 Prozent erwartet hatte. Eine Punktlandung gelang den Notenbanker
am Ende trotzdem nicht: Nach der schwachen Konjunkturentwicklung im Winterhalbjahr hatten sie ihren Ausblick im Juni auf 0,3 Prozent nach unten korrigiert.

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