Unternehmen Boeing-Panzer mit deutscher Technik geplant

Der Luftfahrtkonzern möchte mit deutscher Technik Amerikas neuen Schützenpanzer bauen. Boeing bewirbt sich gemeinsam mit Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall um den Zuschlag für den künftigen amerikanischen Schützenpanzer.

Die deutschen Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall könnten die Technologie für den künftigen amerikanischen Schützenpanzer liefern. Die Firmen gehören neben den US-Konzernen SAIC und Boeing einem US-Konsortium an, das sich um den Zuschlag für das künftige US-Ground Combat Vehicle (GCV) bewirbt. Dieser neue Panzer für neun Soldaten Besatzung soll ab 2017 in den USA in Serie gefertigt werden. Das deutsch-amerikanische Konsortium verweist in jetzt vorgelegten Erklärungen zur Bewerbung ausdrücklich auf die Erfahrungen und die Technologie des neuen deutschen Schützenpanzers Puma, der als Vorlage diene.

Der Puma wird derzeit von KMW und Rheinmetall in Deutschland entwickelt und produziert. Das Bewerberkonsortium mit dem Namen „Full Spectrum“ wird vom US-Technologiekonzern SAIC angeführt. Boeing soll die Panzer liefern. Die deutschen Firmen wären zwar nur Unterauftragnehmer. Dennoch würde ein Zuschlag den größten Durchbruch deutscher Panzertechnologie auf dem US-Rüstungsmarkt bedeuten.

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Der US-Konzern Boeing, der grob die Hälfte seines Umsatzes im Rüstungsgeschäft mit Militärtransportern, Kampfjets, aber auch Lenkwaffen und Bombensteuerungen verdient, sucht seit längerem den Einstieg in den Panzerbau. So hatten Boeing und SAIC bereits die Federführung beim Multimilliardenprojekt Future Combat System, das 2009 vom Pentagon wegen Verzögerungen, Kostenüberschreitung und einer Neuausrichtung gestrichen wurde. Für bis zu 300 Mrd. Dollar sollten bemannte und unbemannte Kampffahrzeuge entwickelt werden. Das jetzt ausgeschriebene Ground Combat Vehicle ist praktisch ein Segment des ehemaligen Megaprojekts Future Combat System.

Wie groß letztlich die Ausschreibung für den neuen US-Schützenpanzer ausfällt, ist noch offen. Branchenexperten verweisen darauf, dass es sich um die Nachfolge für die gut 40 Jahre alten Modelle M113 sowie Bradley handelt. Die USA haben allein über 6300 Kettenfahrzeuge vom Typ M113 im Bestand. Daher könne es sich langfristig um einen Auftrag im zweistelligen Milliardenbereich handeln, heißt es. Doch zunächst fängt es klein an: Noch in diesem Jahr soll eine Auswahl getroffen werden, wer Prototypen für je 450 Mio. Dollar bauen darf.

Dabei trifft das Team SAIC/Boeing/KMW/Rheinmetall auf harte Konkurrenz. Insgesamt bewerben sich drei Teams um den Zuschlag. Wettbewerber sind Konsortien unter Führung des größten US-Panzerherstellers General Dynamics sowie eine Gruppe unter Führung des größten europäischen Rüstungskonzerns BAE Systems mit dem US-Partner Northrop Grumman . In dem Team BAE Systems/Northrop Grumman gibt es ebenfalls einen deutschen Techniklieferanten: Der Friedrichshafener Motorenspezialist MTU (Tognum-Konzern) soll den Motor beisteuern.

Die Kontrahenten treffen nicht völlig unerwartet aufeinander. Die Ausschreibung für das Ground Combat Vehicle begann ursprünglich bereits im Frühjahr 2010, und die drei Teams erklärten ihr Interesse. Doch nach wenigen Monaten wurde die Ausschreibung von einer US-Kontrollinstanz gestoppt. Nach Diskussionen über ein angeblich zu hohes Gewicht für die künftigen Panzer und welcher Schutz gegen versteckte Sprengfallen notwendig ist, wurden die Bedingungen geändert. Daraufhin begann die Bewerbung von neuem. Jetzt stehen die Kontrahenten fest.

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