Unternehmen Bohrkopf vom Querkopf

Das siebte Netzwerktreffen impulse on tour fand bei Herrenknecht statt, dem Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen. Deren Gründer hat Lust, sich gegen jeden Widerstand durchzusetzen.

Die Tunnelvortriebsmaschine, 120 Meter lang, liegt in einem Gerüst in ­Halle 17 von Herrenknecht in Schwanau. Der Bohrkopf mit 11,46 Metern Durchmesser ist blau und weiß bemalt. Frauen stehen mit Tabletts daneben, sie tragen Schwarz­waldtrachten, rote Bommel auf den Hüten. In einem Eiskübel liegen und stehen zwölf Flaschen Champagner. Was ist hier los?

Ein Minister aus Brasilien ist da, um die Vortriebsmaschine abzunehmen. Blau und Weiß sind die Farben des Bundesstaates Rio de Janeiro, dort wird die Maschine bald arbeiten, bis zur Fußballweltmeisterschaft 2014 den Tunnel der Metro-Linie 4 bohren. Neben dem Minister samt Tross sind an diesem Tag auch andere Gäste in Schwanau: 30 Unternehmer, die sich – im Rahmen des siebten impulse-Netzwerk­treffens – den Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen anschauen. Die Vortriebsmaschinen haben die Alpen für den Gotthardtunnel durchbohrt, tunneln gerade den Untergrund in London, Amsterdam, Neu-Delhi für neue U-Bahn-Linien, sorgen in Abu Dhabi für Abwassernetze tief unter dem Wüstensand, bohren in Miami, Texas, Sankt Petersburg, New York, Brisbane, erschaffen eine Goldmine nahe Sydney.

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Auf zu Frosta
Exklusiv für Abonnenten bietet impulse kostenlose Netzwerktreffen bei innovativen Unternehmen an: mit Imbiss, Werksführung und Diskussionen. Das nächste Treffen findet am 3. Dezember bei Frosta in Bremerhaven statt. Das Thema: Wie man durch Transparenz profitiert und mit Kunden kommuniziert. Infos unter www.impulse.de/ontour. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt. Anmeldungen mit Angabe der Abonummer an ontour@impulse.de. Infos zum Abo auf www.impulse.de/abo

95 Prozent des Umsatzes, fast 1 Mrd. Euro, macht Herrenknecht im Ausland. „Wie haben Sie das geschafft?“, wollen die Teilnehmer von Martin Herrenknecht, 70, wissen. 1975 hatte er die Firma gegründet, mit 25 000 D-Mark, die ihm seine Mutter lieh. Schnell machte er das Unternehmen groß und erfolgreich. Heute beschäftigt er 4000 Mitarbeiter, hat einen Weltmarktanteil von 70 Prozent, glänzt – in schwierigen Märkten und Zeiten – mit guten Zahlen.

Peter Blau will lernen: Er besitzt eine Firma, die für Großveranstaltungen Technik, Lautsprecher, Lichtanlagen und Mikrofone verleiht. Er will nach Russland expandieren und mit Herrenknecht reden, der dort erfolgreich agiert. In Russland habe er Verträge mit „viel Wodka“ erarbeitet, erzählt der Patriarch, mit torkelnden und stürzenden Mitarbeitern. „Egal“, amüsiert er sich. „Wenn du betrunken bist, fällst du leichter.“

Herrenknecht klingt so, als erzählte er einem Kumpel etwas, direkt und ohne Floskeln. Er ­nuschelt leicht, scheut nicht den Dialekt, wirkt fast wie ein selbstbewusster Entertainer – einer, der die Gründe seines Erfolgs kennt. Aber bei allem Unterhaltungswillen, er kommt immer auf den einen Punkt zurück: Es geht um Ingenieursleistung, um Qualität.

Seinen Erfolg beschreibt er am liebsten mit Anekdoten oder fasst knapp zusammen: „Spanien war ein Eldorado für uns. Wir haben 30 Maschinen verkauft, zwei davon laufen noch. Wir haben Spanien schnell auf ein Minimum runtergefahren.“ Wichtig sei es gewesen, sofort weiterzuziehen. „Wie ein Zirkus. Wenn es vorbei ist, Zelt abbauen!“ Es gehe darum, „die Firma dynamisch zu halten. Ich tausche schon mal Leute aus. Wenn du größer bist, wirst du träge. Ich probier, meine Leute flexibel zu halten.“ Längst ist er dabei, die Firma weiterzuent­wickeln – stärker in Zukunftsmärkte zu gehen: in Mining, Öl und Gas.

Im Wettbewerb steht Herrenknecht auch mit Caterpillar, dem weltgrößten Baumaschinen-hersteller mit mehr als 50 Mrd. Dollar Jahresumsatz. „Fürchte die Konkurrenz nicht“, sagt Herrenknecht. Die Amerikaner machten gerade die Preise kaputt. „Die sind 30 Prozent billiger als wir bei Standard-Mikromaschinen.“ Und ergänzt: „Das hilft uns, kein Fett anzusetzen.“

Im Ausland müsse man Vorteile schnell nutzen: „Weil wir im Irakkrieg nicht dabei waren, hast du als Deutscher Vorteile im Irak, Kuwait, Dubai, Abu Dhabi, bis runter nach Oman.“ Man müsse vorausschauend sein: „Wir haben 1994 in China angefangen, ganz früh, du brauchst da bekanntlich viel Zeit.“ Ein chinesischer Minister sei damals mit 150 Leuten gekommen, wollte ein Joint Venture. „Ich hab Nein gesagt.“ Sonst hätte er Know-how preisgeben müssen. Das wollte er nicht. Weil die Volksrepublik aber die Tunnelvortriebsmaschinen brauchte, gab sie klein bei. Das Herrenknecht-Werk in China ist dort eines der wenigen, das einem deutschen Unternehmen allein gehört.

Man brauche klare Ideen und die Fähigkeit, sie auch umzusetzen, ist Herrenknecht überzeugt: „Visionen und dann Wumms!“ Es sei wichtig, positiv zu denken, als Unternehmer sei man ja Optimist. „Angst ist für uns keine Weltanschauung.“

Aus dem Magazin
Mehr dazu erfahren Sie in der impulse-Ausgabe 11/2012.

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