Aktivoptik vs. Mister Spex In diesem Duell fliegen die Fetzen

Zwei, die sich um einen lukrativen Markt streiten: Ruth-Anna Weißmann, Vorstand von Aktivoptik, und Mirko Caspar, Chef vom E-Commerce-Start-up Mr. Spex.

Zwei, die sich um einen lukrativen Markt streiten: Ruth-Anna Weißmann, Vorstand von Aktivoptik, und Mirko Caspar, Chef vom E-Commerce-Start-up Mr. Spex.© impulse / Sebastian Pfütze

Seit Juli lassen wir Start-ups gegen die Traditionsunternehmen antreten, deren Märkte sie angreifen. Doch in keinem Duell ging es so zur Sache wie bei diesen: Aktivoptik gegen Mister Spex.

Das geht ja munter los. „Lächerlich“ ruft Mirko Caspar in gespielter Empörung mitten in die Dreharbeiten hinein. Dabei sagt seine Rivalin Ruth-Anna Weißmann gerade nur ihr Eröffnungsstatement in die Kamera. „Mein Kaffee fliegt gleich in Ihre Richtung“, frotzelt die Gescholtene zurück, als Caspar an der Reihe ist.

Alles nur Spaß. Und doch wird gerade wegen der Witzelei schnell klar, dass diese zwei sich trotz gegenseitiger Sympathie nichts schenken wollen. Es treten an zum Duell mit – Achtung – Weitblick auf einem Wolkenkratzer am Potsdamer Platz in Berlin: die Chefin der viertgrößten deutschen Optikerkette Aktivoptik und der Chef des E-Commerce-Start-ups Mister Spex, das Brillen online verkauft und rasant in ganz Europa expandiert. Beide Firmen erwirtschaften mit rund 60 Millionen Euro ähnlich viel Jahresumsatz. Da enden dann aber schon die Gemeinsamkeiten.

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Das Duell im Kurz-Video

Um was streiten die sich eigentlich? Der Brillenmarkt

Dass die Konkurrenten sich so scharf angreifen, ist verständlich: Es geht um einen höchst lukrativen Markt, der künftig weiter wachsen dürfte. Etwa 6 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für Sehhilfen aus, Tendenz: steigend. Die Bevölkerung wird älter, aber auch junge Leute brauchen öfter Brillen als früher, weil sie den ganzen Tag auf Bildschirme starren. Hinzu kommt der modische Trend zur Zweit-, Dritt- und Viertbrille (Ruth-Anna Weißmann hat sogar 54 Brillen zu Hause, aber sie leitet ja auch eine Optikerkette).

Es ist zugleich ein sehr kleinteiliger Markt, der von Mini-Mittelständlern geprägt wird. Trotz großer Ketten wie Fielmann und Apollo sind rund drei Viertel der rund 12.000 deutschen Optikergeschäfte Kleinstbetriebe. Viele verkaufen nur eine Brille am Tag und überleben trotzdem irgendwie. Was zeigt: Die Margen müssen teils traumhaft sein.

Da kommt Mister Spex ins Spiel. Mit großem Hallo, üppigem Werbebudget und Kampfpreisen wirbelt der Onlinehändler seit zehn Jahren die Branche durcheinander. Wachstumsraten von teils 20 bis 30 Prozent pro Jahr sorgten für schnell steigende Marktanteile. Buuh, findet der Optikerverband, übt sich in Besitzstandswahrung und geht mit Klagen gegen Onlinehändler vor. Brillen im Internet verkaufen sei fast unanständig. Andere, wie das selbstbewusste Familienunternehmen Aktivoptik, nehmen es dagegen sportlich und stellen sich dem Wettbewerb. Wer wird am Ende gewinnen?

Das ganze Duell im Video

 

Kreative Zerstörer – Die Duell-Serie

Polaroid, Quelle, Mannesmann. Das waren mal Weltkonzerne. Heute sind sie verschwunden, verdrängt durch Newcomer. Kreative Zerstörer, so nennt man die Start-ups, die Märkte durcheinanderwirbeln. Aber manchmal zeigen auch die Etablierten, was in ihnen steckt.

Wem gehört die Zukunft? Start-ups oder Traditionsunternehmen? Wir lassen die Kontrahenten gegeneinander antreten.

Alle Duelle, alle Hintergründe auf www.kreative-zerstoerer.de.

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