DocMorris vs. Adler Apotheke Wie eine Apothekerin DocMorris ins Schwitzen bringt

DocMorris-Vorstand Max Müller ist es gewohnt auszuteilen. Im Duell mit Adler-Apotheke-Chefin Heike Gnekow musste er überraschend viel einstecken.

DocMorris-Vorstand Max Müller ist es gewohnt auszuteilen. Im Duell mit Adler-Apotheke-Chefin Heike Gnekow musste er überraschend viel einstecken. © Hendrik Lüders für impulse

DocMorris und die traditionelle Apothekerzunft: Seit Jahren herrscht hier ein unerbittlicher Streit. Wir ließen Max Müller, Vorstand der Online-Apotheke, gegen die Hamburger Pharmazeutin Heike Gnekow antreten. Die überraschte ihren Widersacher.

Rumms. Wäre dies ein Boxkampf statt eines gepflegten Streitgesprächs, dann hätte Heike Gnekow ihrem Kontrahenten gerade eins voll auf die Zwölf gegeben. Und zwar nach kurzem Warmwerden, ohne das übliche Abtasten. Kaum läuft die Kamera, erzählt die Apothekerin von ihrem Testkauf beim Onlinehändler DocMorris. Der hatte ihr zu viele Medikamente auf einmal geschickt – ohne nachzufragen.

Max Müller wird sich gleich revanchieren und sich wortreich zurück ins Duell kämpfen. Auf den Mund gefallen ist der Mann ohnehin nicht: Er ist so etwas wie der inoffizielle Leiter der Abteilung Attacke der expandierenden Versandapotheke. Der für Strategie zuständige Vorstand würde sich gern öfter mit der Apotheker-Lobby raufen. Deren Vertreter trauen sich aber kaum noch gegen ihn in den Ring.

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Seit dem Jahr 2000 treibt DocMorris die Apotheker zwischen Nordsee und Alpen vor sich her. Was mit Schuhen, Matratzen und sogar Brillen funktioniert, sollte auch mit Medikamenten möglich sein: online bestellen und per Post bekommen. Was vielen Verbrauchern logisch erscheint, bringt die Standesvertretungen in Rage. Man sieht sich regelmäßig vor Gericht. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) fordert etwa, den Versand rezeptpflichtiger Arzneien einfach zu verbieten. Und beim Apothekertag kam jüngst die Forderung auf, die Politik solle die Apotheken bitte „vor der Digitalisierung schützen“. Das ist ungefähr so, als würde der Bauernverband von der Bundesregierung besseres Wetter fordern.

Dass bei Regen und Gegenwind nur die richtige Einstellung und Klamotten helfen, weiß Heike Gnekow als gebürtige Hamburgerin genau. Die Digitalisierung sieht sie ähnlich: Aufhalten lässt sie sich nicht. Es kommt darauf an, was man draus macht. Die Apothekerin und Junior-Chefin der traditionsreichen Adler Apotheke eckte im Kollegenkreis bereits an, als sie die Öffnungszeiten bis Mitternacht verlängerte, um den sich ändernden Kundenbedürfnissen entgegenzukommen. Jetzt bastelt Gnekow an einer Digitalstrategie für die 1773 eröffnete Apotheke. Kunden können schon heute auf der Webseite sehen, ob das gewünschte Medikament vorrätig ist, oder ihre Daten hinterlegen, um individueller betreut zu werden. Reicht das, um gegen DocMorris zu bestehen?

Das sind die Kontrahenten

Heike Gnekow, 29, ist JuniorChefin einer Hamburger Institution: der 1773 gegründeten Adler Apotheke. Der Familienbetrieb hat täglich bis Mitternacht geöffnet, beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und engagiert sich in der Flüchtlingsversorgung.

Max Müller, 42, ist Strategie-Vorstand bei DocMorris. Die 600 Mitarbeiter der Online-Apotheke erwirtschaften rund 350 Millionen Euro Umsatz. DocMorris gehört zur Schweizer Zur Rose Group.

Das Duell im Video

Kreative Zerstörer – Die Duell-Serie

Polaroid, Quelle, Mannesmann. Das waren mal Weltkonzerne. Heute sind sie verschwunden, verdrängt durch Newcomer. Kreative Zerstörer, so nennt man die Start-ups, die Märkte durcheinanderwirbeln. Aber manchmal zeigen auch die Etablierten, was in ihnen steckt.

Wem gehört die Zukunft? Start-ups oder Traditionsunternehmen? Wir lassen die Kontrahenten gegeneinander antreten.

Alle Duelle, alle Hintergründe auf www.kreative-zerstoerer.de.

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1 Kommentar
  • Kai Christiansen 19. Dezember 2017 17:03

    Der europäische Gerichtshof hat nichts Anderes gesagt, als dass Versandapotheken im Wettbewerb mit den öffentlichen Apotheken den kürzeren ziehen, weil sie nicht so gut beraten, keine Vorratshaltung betreiben, keine Rezepturen herstellen, nur eingeschränkten Service bieten und keinen Notdienst leisten. Das einzige was sie können …ist billig, und deshalb muss man ihnen das auch erlauben. Was ist daran digital, wenn ein Patient sein Rezept mit der guten alten Postkutsche nach Holland sendet und von dort Tage später ein Päckchen bekommt, was ebenfalls analog zum Patienten gelangt????

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