Buchhaus Stern-Verlag Warum ein Kunde einen Liebesbrief an eine Buchhandlung schrieb

Liebesbrief per Facebook: Ein Kunde hat eine bewegende Nachricht an eine traditionsreiche Düsseldorfer Buchhandlung geschrieben. Der Grund dafür ist echter Abschiedsschmerz.

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Große Gefühle: Der Düsseldorfer Sebastian Brück verabschiedet sich bei Facebook von "seiner" Buchhandlung: dem Buchhaus Stern-Verlag.

Große Gefühle: Der Düsseldorfer Sebastian Brück verabschiedet sich bei Facebook von "seiner" Buchhandlung: dem Buchhaus Stern-Verlag.© complize / photocase.de

Wer seine Kunden begeistert, schafft eine Bindung, die ein Leben lang hält. Und weckt Gefühle, die sich manchmal auf ungewöhnlichem Weg offenbaren – zum Beispiel mit einem öffentlichen Liebesbrief. Ein solcher Brief rührt derzeit auf Facebook die Nutzer.

„Du warst immer da, gehörtest einfach dazu“ – mit diesen Worten verabschiedet sich Sebastian Brück von seiner Lieblings-Buchhandlung: dem Buchhaus Stern-Verlag in der Düsseldorfer Innenstadt. Ende März schließt die Buchhandlung – ein historischer Einschnitt: Das Geschäft wurde 1900 gegründet.

 

„Ein Stück Heimat. Eine Institution.“

Das Buchhaus Stern-Verlag, eine der größten deutschen Buchhandlungen, hatte seit Jahren mit der Konkurrenz durch den Onlinehandel und durch Buchhandelsketten zu kämpfen. In einer Pressemitteilung zur Schließung schrieb Inhaber Klaus Janssen im Dezember 2015: „Das Buchhaus Stern-Verlag mit seinen über 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist heute nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.“

Mit der Schließung der Buchhandlung verlieren laut einem Bericht der „Westdeutschen Zeitung“ 113 Mitarbeiter ihren Job. Und nicht nur das: Treue Kunden verlieren einen Ort, an dem sie sich zuhause fühlen. Das Buchhaus Stern-Verlag sei für ihn „ein selbstverständlicher, nie hinterfragter Teil des Alltags“ gewesen, schreibt Brück bei Facebook: „Ein Stück Heimat. Eine Institution.“

Viele andere scheinen das ähnlich zu sehen: Mehr als 2000 Mal wurde Brücks Beitrag inzwischen mit „Gefällt mir“ markiert, 560 Mal geteilt (Stand Freitagnachmittag). 165 Gleichgesinnte drücken in den Kommentaren unter dem Beitrag ihr Bedauern aus.

„Sehr persönliche Erinnerungen“

„Generationen von Lesern sind mit Deinen Büchern erwachsen geworden“, schreibt Brück, der die Buchhandlung in seinem Posting persönlich anspricht. „Und wie so wie viele Menschen (nicht nur) aus Düsseldorf und Umgebung verbinde auch ich mit Dir sehr persönliche Erinnerungen.“

Er erinnert sich daran, wie er in den 70er-Jahren dort die ersten Kinderbücher aussuchte, später Schulbücher und Fachbücher dort bestellte und in den vergangenen Jahren die ersten Bilderbücher für seine Tochter kaufte. „Eine Buchhandlung wie Dich habe ich sonst nirgendwo gefunden“, schreibt Brück. Er lobt das riesige Angebot und die gut informierten Mitarbeiter.

„Du wirst fehlen“

Am Schluss des Briefes wird Brück ein weiteres Mal emotional – und sehr nachdenklich. „Hätte man Dich mit einem neuen, vermeintlich „moderneren“ Konzept retten können?“, fragt er. „Oder warst Du einfach nicht mehr „zeitgemäß“? Ich weiß es nicht. Doch eines weiß ich sicher: Du wirst fehlen.“

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2 Kommentare
  • karl schreiber 9. Dezember 2021 10:53

    Stets wenn ich in Düsseldorf weilte, machte ich Urlaub im „Stern Verlag“ in der Friedrichstraße und war nicht der Beste aber ein etwa 40 Jahre währender Dauerkunde. Noch heute ist mir der Verlust eines der Schmerzhaftesten meines Lebens und wenn ich Unternehmertalent hätte, so hätte ich vielleicht etwas zur Rettung beigetragen. Noch heute kaufe und bestelle ich meine Bücher beim Einzelhandel und lasse nicht über Vesand bestellen, da zum Buch auch die Präsentation und die Menschen gehören, mit denen man vor Ort spricht. So hoffe ich, dass niemals dieses Stück Kultur Buchhandel sterben muss allein wegen dem Profit.

    Und was war ich als junger „anständiger Mensch“ zunächst geschockt über eine Frontalpunkerin hinter dem Tresen! Wird sie ihre Kette rausholen mit ihrem Kettenhemd mich provozieren wollen und mir eins Überschlagen, wenn ich nicht mindestens für 100 Mark Bücher einkaufe? Wird sie mich für immer und ewig als Kunde aus dem Laden schmeißen, weil ich manchmal nur ein gebrauchtes Taschenbuch für eine Mark gekauft hatte, manchmal nur einen abgegriffen, fremdsprachigen Klassiker für 50 Cent, den ich auf der ganzen Welt gesucht hatte und nur in der Friedricihstraße fand, so ganz per Zufall? Zum Schluss war es stets mein Wunsch von der „Punkerin“abkassiert werden zu werden, so wie der Grüne Stern ein Markenzeichen des Glück und des Vertrautseins mit einer Heimat, um diesen abgestaubten Begriff verwenden zu dürfen. Lebt sie überhaupt noch? Sei muss ja auch schon älter sein mit den Jahren.

    Ich stöberte meistens im modernen Antiquariat und kaufte fast nur Reclam und Taschenbücher. Doch kein Hass oder böses Wort kam daher von der Punkerin, sondern anständige Punkkultur des höheren Niveaus. Später fand ich Fachliteratur, die es sonst im Buchhandel kaum gab nur im „Stern Verlag“ und nahm dies als Anlass von weit her anzureisen.

    Schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Düsseldorf beheimat, besuchte ich den „Stern Verlag“ mit dem Fahrrad und manchmal reiste ich sogar viele Hundert Kilometer mit dem Rad an. Irgend ein Laternenmast zum Anschließen ging immer oder später hinter in der Talstraße sogar überdachten am Fahradständer in der Garage. Eine Dauerregenperiode konnte man stundellang ohne Lnageweile aushalten, die scheinbar nur Minuten dauerte. Seit dem Jahre 2016 gibt es für mich keinen Flecken Heimat mehr in der Rhein-Ruhr Metropole.

    Long live Punk, aber mit Liebe bitte!

    Euer Karl Schreiber

  • Gerhard Fuhs 31. März 2016 17:11

    Ein Opfer unserer unseligen Zeit

    Mit dem Sternverlag ist es wie mit einer ausgestorbenen Tierart.

    Egal was geschieht, so etwas einmaligen und phantastisches
    wird es nie mehr geben.

    Für dieses Dahinscheiden der der besten Buchhandlung die
    ich jemals kannte, können wir uns bei denen bedanken die
    ihren Hintern nicht aus dem Sessel hochkriegen um eine
    anständige Bücherei zu besuchen und alles meinen bei
    Amazon, ebay, etc bestellen zu müssen, nicht zu vergessen
    die Konsumenten von Hörbüchern, E.Books und was es da
    sonst noch alles gibt.

    Noch nie hat mich die Schließung eines Geschäfts so traurig
    und nachdenklich gestimmt. Man hat das Gefühl gerade etwas
    beerdigt zu haben.

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