Unternehmen Batistas Traum vom Öl endet mit Milliarden-Schulden vor Gericht

OGX-Mitarbeiter im Parnaíba-Becken im Bundesstaat Maranhão.

OGX-Mitarbeiter im Parnaíba-Becken im Bundesstaat Maranhão. © OGX

OGX sollte Brasiliens größter privater Öl-Konzern werden. Milliarden wurden investiert. Doch der Traum des Ex-Milliardärs und Deutschbrasilianers Eike Batista ging nicht in Erfüllung. OGX liegt am Boden.

Zu hohe Schulden, zu ehrgeizige Pläne und vor allem zu wenig Öl – das dürfte die Mischung sein, die den Traum von Brasiliens Ölkonzern OGX vorerst platzen ließen. Die mit rund 5,1 Milliarden US-Dollar (3,7 Mrd Euro) verschuldete Firma des schillernden Unternehmers Eike Batista beantragte Gläubigerschutz in einem Insolvenzverfahren, das als eines der größten in Lateinamerika gilt. Ein Gericht entscheidet nun über die Annahme des Antrages. Mit OGX könnte das gesamte „X-Imperium“ Batistas ins Wanken geraten.

OGX-Anwalt Sérgio Bermudes reichte den Antrag am Mittwoch bei einem Gericht in Rio de Janeiro ein. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen mit Gläubigern, die erfolglos beendet wurden. OGX blieb nur die Notbremse. „Die Verwaltung der Gesellschaft versteht, dass angesichts ihrer bestehenden ökonomisch-finanziellen Herausforderungen dies die angemessenste Maßnahme ist, um den Fortgang der Geschäfte und die Interessen von OGX und seiner Stakeholder zu sichern“, erklärte OGX in einer Pflichtmitteilung.

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Mit dem Antrag will sich der Konzern vor allem eine Schonfrist vor Vollstreckungsmaßnahmen verschaffen. Für die gut informierte Wirtschaftszeitung „Valor Econômico“ war die Stoßrichtung allerdings am Donnerstag klar: „Es geht nicht darum, die Gesellschaft zu sanieren und wieder zu gründen, sondern darum, das Unternehmen geordnet zu schließen.“

Innerhalb von 60 Tagen muss Rettungskonzept stehen

Der OGX-Antrag zielt auf die im brasilianischen Insolvenzrecht vorgesehene Möglichkeit der gerichtlichen Sanierung („Recuperaçao judicial“), die dem Schuldner OGX maximal 180 Tage Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen der Gläubiger gewährt. Die Frist läuft vom Zeitpunkt der Eröffnung des Sanierungsverfahrens. Die Firma muss dann binnen 60 Tagen ein Rettungskonzept vorlegen, das von den Gläubigern gebilligt werden muss. Die Liste ist lang: Es gibt es über 200 Gläubiger.

Die Reaktion der brasilianischen Bovespa-Börse ließ am Mittwoch nicht lange auf sich warten. Die OGX-Aktie schloss mit 0,17 Reais – einem Minus von 26,06 Prozent. Noch Anfang des Jahres hatte der Aktienkurs bei fast 5 Reais gelegen. Zu Hochzeiten notierte die Aktie 2010 sogar bei über 23 Reais. Der Börsenhandel wird nun ausgesetzt.

Die 2007 gegründete OGX ist unter anderem mit zwei Anleihen über insgesamt 3,6 Milliarden US-Dollar verschuldet. Anfang Oktober hatte die Firma fällige Zinszahlungen von 45 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Hinzu kommen Außenstände bei Zulieferern von etwa 500 Millionen US-Dollar.

Batista verlor seit Anfang 2012 fast sein gesamtes Vermögen

OGX erwarb in der Vergangenheit Förderrechte für mehrere Ölfelder vor der Küste Brasiliens und führte zahlreiche Probebohrungen durch. Die Ölförderung blieb weit hinter den Erwartungen zurück, wodurch der Konzern zunehmend unter Druck geriet. OGX war das Herzstück des aus einen knappen Dutzend Firmen und Joint-Ventures bestehenden EBX-Gruppe von Eike Batista (56).

Der Sohn des früheren Bergbauministers und Vale-Präsidenten Eliezer Batista verlor seit Anfang 2012 fast sein gesamtes Vermögen von damals über 30 Milliarden US-Dollar. Es wird nun befürchtet, dass auch die zur EBX-Gruppe gehörende Werften-Filiale OSX in Schlingern gerät, denn ihr Hauptkunde war OGX.

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